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103 Erstimpfungen im Bus

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Auch Dr. Balbach war es kalt - die Mütze beweist es. © Fischer-Bolz, Susanne

Das Leben ist seit Corona eines der Härtesten geworden. Gebt auf euch acht“, sagt Dr. Rüdiger Balbach zu einem jungen Paar, das er gerade geimpft hat. Sie weint. Vor Aufregung augenscheinlich. Er nimmt sie liebevoll in den Arm. Und weiter geht es im Minuten-Takt. Der Andrang am Impfbus ist riesig. Und man könnte meinen, dass alle Beteiligten aufgrund dieser Resonanz – 268 Impfungen, davon 103 Erstimpfungen – nur zufrieden sein können. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Altena - Draußen vor dem Bus schnattern die Impfwilligen in der Kälte. Die Schlange wird länger und länger. Etliche werden nach Hause geschickt, weil die Zweitimpfung noch keine sechs Monate zurückliegt. Das sorgt für großen Unmut. Auch Dr. Rüdiger Balbach, der immer einen fröhlichen Spruch auf den Lippen hat und ein Garant für gute Laune ist, äußerst sich im Impfbus kritisch.

Das ist eine Zumutung.

Dr. Rüdiger Balbach

„Die Politik sitzt schön im Warmen und hier müssen die Leute draußen frieren. Das ist eine Zumutung“, findet der Arzt, der viele Jahre Chefarzt des ehemaligen Altenaer Krankenhauses war. „Wir haben ein tolles Team hier. Aber in Schalksmühle waren die Menschen und wir am Mittwoch einfach festgefroren. Und heute ist es auch nicht viel besser. Es muss anders werden. Wir können das nicht mit dem Bus stemmen“, sagt Dr. Rüdiger Balbach. Der Impfbus sei grundsätzlich eine gute Idee, „aber nicht bei der Menge

Keine Boosterimpfung - weil ein paar Tage fehlen

.“ So empfinden es auch die Impfwilligen am Küstersort. Fröhlichkeit sieht anders aus. Obwohl Dr. Balbach beim Impfen Unterstützung von Regina Gerber bekommt, ist die Anzahl der Erst- und Booster-Impfungen kaum zu bewältigen. Und so werden einige Bürger nach Hause geschickt. „Mir steht der Frust bis zum Hals“, sagt Christian Matyasick, der mit seiner Frau Maria gern eine Booster-Impfung bekommen hätte. Beide sind 72 Jahre alt und wurden im Juni diesen Jahres zum zweiten Mal mit Astra geimpft. „Ich hatte vorher extra mit der Technikerkrankenkasse telefoniert. Von dort gab es eine klare Aussage, dass nach Astra eine Auffrischung nach fünf Monaten empfohlen wird“, erzählt Christian Matyasick. Er versteht die Welt nicht mehr.

Kreis folgt den Empfehlungen der Stiko

Koordinator Bernd Benscheidt, der den Impfbus begleitet, kann den Unmut nachvollziehen, erklärt aber: „Die Politik sagt etwas Anderes, aber wir halten uns an die Stiko, ein halbes Jahr Wartezeit. Anders ist es auch im Moment nicht zu bewältigen.“ Sehr froh ist er aber auch: über die 103 Menschen, die zur Erstimpfung kamen.

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