100 000 Euro für den verdreckten Bahnhof

Macht 4,15 Euro. So viel verlangt die Bahn für jeden Zughalt in Altena.

ALTENA ▪ 66 mal am Tag hält in Altena ein Abellio – macht 273,90 Euro, zu zahlen an die Bahn. Der gehört zwar der Bahnhof nicht mehr, wohl aber der Bahnsteig und die Unterführung. Das lässt sie sich bezahlen, und zwar mit 4,15 Euro pro Zughalt.

Ob das berechtigt ist, will der Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL) jetzt juristisch überprüfen lassen. Das kündigte dessen stellvertretender Geschäftsführer Thomas Ressel gegenüber unserer Zeitung an. Es stelle sich nämlich die Frage, welche Gegenleistungen die Bahn überhaupt erbringe und ob die wirklich (hochgerechnet) rund 100 000 Euro im Jahr wert seien – eine Frage, die regelmäßige Benutzer der Ekel erregenden Bahnhofsunterführung problemlos nachvollziehen können.

Preis stieg zum Jahreswechsel um mehr als ein Drittel

Befördert werden die Zweifel des Zweckverbandes durch eine kräftige Preiserhöhung: Bis 2010 betrug das so genannte Stationsentgelt für den Bahnhof Altena drei Euro, um dann zum Jahreswechsel um mehr als ein Drittel auf 4,15 Euro angehoben zu werden. Weil die Bahn für all‘ ihre Bahnhöfe die Tarife änderte, muss der ZRL 2,7 Mio. Euro mehr bezahlen als bisher.

Der in Unna ansässige Verband bekommt die Bahn-Rechnung deshalb, weil er für die Region die so genannten Regionalisierungsmittel des Bundes verwaltet. Dabei handelt es sich um jenen Teil des Mineralölsteueraufkommens, mit dem der Bund den öffentlichen Personennahverkehr auf der Schiene fördert – eine Aufgabe, mit der der ZRL auf der Ruhr-Sieg-Strecke bekanntlich das private Verkehrsunternehmen Abellio beauftragt hat, das im Halbstundentakt moderne Triebwagen über die Strecke schickt.

Etwa 1 500 Euro koste jede Fahrt von Essen nach Siegen, berichtete Ressel gestern – „das Geld geht etwa zur Hälfte an Abellio und an die Bahn“. Letztere stellt nämlich nicht nur die Stationsentgelte in Rechnung, sondern hält auch für die Benutzung des Schienenweges die Hand auf. Kontrolliert wird das von der Bundesnetzagentur – sie hat darauf zu achten, dass die Bahn ihre Monopolstellung nicht ausnutzt. Dabei orientiere sie sich aber eher an formalen Kriterien und hinterfrage weniger, ob die erbrachten Gegenleistungen tatsächlich ihr Geld wert seien, kritisieren Insider.

Investieren müssen andere

Übrigens: Trotz der nicht unerheblichen Einnahmen für den Bahnhof Altena beteiligt sich die Bahn an den für dieses Jahr geplanten Investitionen am Bahnhof nur mit ganz geringem Anteil. Vier Millionen Euro sollen die Sanierung des Bahnsteigs und der Bau einer neuen Unterführung kosten, den Löwenanteil davon tragen Bund und Land.

Von Thomas Bender

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