Hochwasser in Rahmede würde genauso schlimm

Ausschnitt aus einer der Karten: Rot ist die vom 100-jährlichen Hochwasser betroffene Wohnbebauung und Violett die ansässigen Firmen.

ALTENA ▪ Im Moment guckt jeder drauf, dementsprechend überlastet sind die Server des NRW-Umweltministeriums. Dennoch kann gerade Bewohnern des Rahmedetals nur geraten werden, sich gelegentlich mit den dort seit Freitag veröffentlichten Hochwassergefahrenkarten für diesen Stadtteil zu beschäftigen.

Dass Hochwasser an der Lenne ein Thema ist, ist altbekannt und gut erforscht: Seit Jahren schon existiert ein Hochwasseraktionsplan, der im Detail darstellt, was bei welchen Wasserständen passiert und welche Schäden zum Beispiel ein 100-jährliches Hochwasser zur Folge haben würde – Teile des VDM-Werksgeländes würden dann zum Beispiel überschwemmt, die Innenstadt stünde unter Wasser.

Dass sowas auch den Anwohnern der Rahmede blühen kann, wissen ältere Einwohner des Stadtteils nur zu gut. Zum Beispiel Uwe Scholz, dessen Eltern einst ein Geschäft in der Rahmede betrieben haben: Er berichtet, dass er vor etwa 50 Jahren als Kind in Höhe der Imra vom Wasser beinahe in einen Kanalschacht gezogen worden wäre. Dessen Deckel war geöffnet worden, um das Wasser von der völlig überfluteten Rahmedestraße zu leiten.

Grund für die damalige Überflutung war eine Verstopfung in dem Durchlass unter dem Firmengelände – eine Gefahr, die auch heute noch allgegenwärtig ist. Immer wieder muss der Bauhof ausrücken, um bei Hochwasser des Rahmedebachs Geschiebefänge zu reinigen und Baumverhaue zu entfernen. Verstopft Treibgut einen der vielen Tunnel, durch die der Rahmedebach unter den Firmen fließt, ist dagegen allerdings kaum noch etwas auszurichten: Das Wasser wird sich zurückstauen und oberhalb gelegene Bereiche überfluten. Zu Rückstaus kann es auch kommen, wenn die Hochwasserscheitel von Lenne und Rahmedebach zusammentreffen und das aus aus Richtung Lüdenscheid kommende Wasser nicht optimal ablaufen kann.

Allein in Altroggenrahmede würde das 100-jährliche Hochwasser rund 200 Menschen unmittelbar betreffen. Die Rahmedestraße stünde dann ebenso unter Wasser wie viele der Häuser in unmittelbarer Tallage. Ein Beispiel: Die Hochwasserexperten prognostizieren, dass ein solches Hochwasser den Parkplatz des ehemaligen Aldis weitestgehend unter Wasser setzen und auch in Teile des Gebäudes eindringen würde. Sollte es noch schlimmer kommen und ein so genanntes Extremhochwasser eintreten, dann wären davon sogar einige Häuser an der Mühlenrahmeder Straße betroffen. Fast alle Firmen im Rahmedetal hätten dann mit den Folgen des Hochwassers zu kämpfen.

Umweltminister Remmel hatte am Freitag auf die Existenz der Hochwasserrisikokarten hingewiesen und in diesem Zusammenhang berichtet, dass an fast 450 NRW-Gewässern mit einer Länge von insgesamt 6000 Kilometern mit Hochwassergefahren zu rechnen ist. Dementsprechend groß war und ist das Interesse an deren Internetpräsentation: Obwohl schon nachgebessert wurde, hat die entsprechende Seite noch immer sehr lange Ladezeiten. ▪ Von Thomas Bender

http://www.flussgebiete.nrw.de

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