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Urlaub trotz Delta-Variante: Virologe erklärt, was Sie jetzt beachten müssen

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Von: Marcel Guboff

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Die Delta-Variante des Coronavirus ist auf dem Vormarsch und könnte den Urlaub beeinträchtigen. Virologe Ulf Dittmer sagt, was vor und auf Reisen zu beachten ist.

Hamm - Die Inzidenzen sinken zunehmend, doch gleichzeitig wächst die Sorge. Grund ist die Delta-Variante des Coronavirus. Mittlerweile ist fast jede zweite Neuinfektion auf die ansteckendere indische Mutation zurückzuführen sein, schätzt das Robert Koch-Institut (RKI). (News zum Coronavirus)

KrankheitCovid-19
ErregerSars-CoV-2, Coronavirus
Symptome (unter anderem)Fieber, trockener Husten, Müdigkeit

Urlaub trotz Delta-Variante: Was Sie jetzt beachten und vermeiden sollten

Während Portugal jetzt als Virusvariantengebiet inklusive strengerer Regeln bei Einreise und Quarantäne gilt, ändert sich für deutsche Urlauber in anderen Ländern vorerst nichts. Generelle schärfere Corona-Bestimmungen soll es für Reisende vorerst nicht geben. Das ist das Ergebnis von Beratungen von Bund und Ländern vom Montag. Die geltende Einreiseverordnung wird demnach nicht kurzfristig geändert.

Doch wie sorglos können Deutsche nun ihren bereits geplanten Urlaub 2021 genießen? Wie groß ist die Gefahr, die Ausbreitung der Delta-Variante zu beschleunigen? Experten sind sich einig: Verhindern lässt es sich nicht, dass die indische Corona-Mutation auch in Deutschland bestimmend sein wird. Die Verbreitung lässt sich allenfalls hinauszögern.

Was können Reisende jetzt mit Blick auf die Delta-Variante tun? Was sollten sie im Urlaub 2021 beachten? wa.de hat bei Ulf Dittmer, Leiter des Instituts für Virologie der Universitätsklinik in Essen (NRW), nachgefragt.

Urlaub trotz Delta-Variante: Ist die indische Corona-Mutation wirklich gefährlicher?

Die Delta-Variante (B.1.617) gilt im Vergleich zum ursprünglichen Wildtyp als deutlich ansteckender. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden steigt die Chance, sich im eigenen Haushalt zu infizieren, um 64 Prozent im Vergleich zur Alpha-Variante. Dabei galt Letztgenannte nach der Entdeckung seinerzeit wiederum als deutlich gefährlicher als die Ursprungsvariante.

Aber heißt ansteckender auch gefährlicher mit Blick auf Symptome und Nebenwirkungen? „Da gehen die Daten in England ein bisschen hin und her“, erklärt Ulf Dittmer. „Es gab Studien, die besagen, dass viel Virus im Nasen-Rachen-Trakt produziert wird. Deswegen ist das Virus infektiöser. Aber dann sind die Symptome eher klassisch wie beim grippalen Infekt und nicht dramatisch.“

Nach Aussagen der Chef-Virologen der des Uniklinikums Essen gebe es neueste Daten, die aussagen: „Die Zahl der Menschen, die nach der Infektion ins Krankenhaus müssen, ist wohl etwas höher als bei der Alpha-Variante. Aber zu 100 Prozent geklärt ist diese Frage immer noch nicht.“

Urlaub trotz Delta-Variante: Wo ist die Gefahr der Ausbreitung besonders hoch?

„Wahrscheinlich verbreitet sich die Delta-Variante noch stärker als die bisherigen Mutanten über Aerosole“, erläutert Ulf Dittmer. Daher sei die Maskenpflicht umso wichtiger. Vor allem in geschlossenen Räumen rät er zum Mund-Nasen-Schutz.

Im Urlaub - aber auch im Alltag hierzulande - empfiehlt er für Restaurants oder Bars einen Platz im Außenbereich. „Das reduziert die Gefahr, sich mit einer Variante anzustecken, sehr deutlich“, sagt der Virologe.

Urlaub trotz Delta-Variante: Wie groß ist die Gefahr im Flugzeug?

Allem Anschein nach ist die Gefahr einer Ansteckung im Flugzeug sehr gering. „Tatsächlich gab es bislang nur wenige dokumentierte Infektionen in Flugzeugen“, sagt Ulf Dittmer. „Dieses Lüftungssystem funktioniert für den Infektionsschutz relativ gut.“

Dennoch rät er Reisenden auch in diesem Fall, möglichst während des gesamten Fluges eine Corona-Maske zu tragen. Während kurzer Flüge innerhalb Europas können man auch gut darauf verzichten, etwas zu trinken.

Die Gefahr lauert nach Ansicht des Virologen eher vor und nach dem Flug in den Urlaub. „Wenn ich mir die Bilder vor Augen führe, ist das Risiko auf dem Flughafen auf Mallorca deutlich höher als im Flugzeug“, erläutert er: „Daher empfehle ich, den Mund-Nasen-Schutz auf keinen Fall abzusetzen und das Flughafen-Gebäude so schnell wie möglich zu verlassen.“

Sollte ich vor der Reise den Anteil der Delta-Variante prüfen und meinen Urlaub überdenken?

Das sind Fragen, die der Reisende selbst zu entscheiden hat. Das Robert-Koch-Institut etwa rät nach wie vor von nicht notwendigen Reisen ab.

Zu schauen, wie hoch der Delta-Anteil des Coronavirus im Urlaub ist, könnte unter Umständen nur bedingt helfen, denn: „England hat ein sehr gutes Überwachungssystem – sogar ein besseres als Deutschland. Aber viele Länder wissen wir gar nicht, wie diese Überwachungssysteme bei Corona-Varianten überhaupt funktionieren und welche Daten erhoben beziehungsweise ermittelt werden oder wie viel Prozent der positiven Proben sequenziert werden“, sagt der Virologe der Essener Uniklinik.

Von den beliebten Urlaubszielen in Europa gilt bislang „nur“ Portugal als Virusvariantengebiet. Zuletzt haben jedoch auch die Balearen die Einreise-Regeln für Mallorca und Ibiza verschärft - wenn auch zunächst nur für Gruppen.

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