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Portugal: Tropfsteinhöhlen, Dino-Spuren und glückliche Kühe

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Herrliche Aussicht
Die von Kalkstein geprägte Landschaft des Naturparks bietet an einigen Stellen weitreichende Ausblicke. © Anika Reker/dpa-tmn

Ob für Wanderer oder Hobbyforscherinnen: Der Naturpark Serras de Aire e Candeeiros in Portugal lohnt einen Abstecher. Ein besonderer Ausflug führt unter die Erde.

Porto de Mós - Von einem Hochplateau fällt unser Blick über das größte Kalksteinreservoir Portugals. Die zerklüftete, fast karge Landschaft der Serras de Aire e Candeeiros ist von Labyrinthen aus aufgetürmten Natursteinen durchzogen.

„Wahrscheinlich stehen einige dieser Mauern schon, seitdem die Menschen hier ansässig wurden“, sagt Touristenführerin Adelina Ferreira, 52. Damals wurden die umherliegenden Steine genutzt, um Weideland für die Tiere und Platz für Gemüsebeete zu schaffen.

Ein unterirdischer See ist bisher unentdeckt

Auch heute begegnen uns viele Freilandkühe, die sich in ihren großzügigen, steinigen Gehegen die Bäuche mit frischen Kräutern vollschlagen. Der Boden im Naturpark ist sehr fruchtbar. Obwohl es auf den 400 Quadratkilometern, die sich über die Distrikte Santarém und Leiria erstrecken, keinen oberirdischen See oder Fluss gibt.

„Dabei ist der Park eigentlich ein riesiges Wasserreservoir. Es befindet sich allerdings 400 Meter in der Tiefe“, erklärt Antonio Fael, 66, Adelinas Ehemann. Er führt die Touren oft gemeinsam mit seiner Frau und arbeitet als Höhlenforscher für den Park.

Alle Flüsse in der näheren Umgebung würden aus dem bisher unentdeckten unterirdischen See des Parkes entspringen, sagt Antonio. „Immer wenn wir Forscher eine neue Höhle entdecken, versuchen wir dem Lauf des Wassers zu folgen, bisher leider ohne Erfolg.“

Landwirtschaft und Tierhaltung wie vor Hunderten von Jahren

Wir steigen in den Jeep des Ehepaares und fahren über Buckelpisten, durchqueren verschlafene Dörfer. Eine Bäuerin treibt ihre Ziegen über die Straße. Adelina kennt die Frau. Wir steigen aus und sie zeigt uns den Stall mit jungen Ziegen. Wir kaufen der Frau ein paar Beutel voller Ziegenkäsetaler ab und setzen die Fahrt fort. „Eine bessere Qualität kannst du gar nicht bekommen“, sagt Adelina.

Traditionelle Tierhaltung
Ziegen kreuzen die Straße: Im Naturpark werden die Tiere noch so gehalten wie vor Hunderten von Jahren. © Anika Reker/dpa-tmn

Ihr gefalle es sehr, dass die Menschen hier ihr Land bewirtschafteten und Tiere halten würden - wie vor Hunderten von Jahren. Auch das gehöre zum schützenswerten Kulturgut des Parkes.

Eine Kathedrale aus Tropfstein

„Mein Herz hängt an diesem Park, seit ich als Teenager mit der Höhlenkletterei begonnen habe“, erzählt Antonio. Wir erreichen die Höhle Algar do Pena, die 1983 von Arbeitern eines Steinbruches entdeckt wurde. Antonio teilt Sicherheitshelme und Kopflampen aus. Ein Fahrstuhl bringt uns 33 Meter hinab in die Kalksteinfelsen. Über eine Treppe geht es bis zu einer Art Aussichtsplattform.

Meterlange Stalaktiten hängen von der Decke hinab. Stalagmiten wachsen aus dem Boden empor. Wie in einer riesigen Kathedrale. „Aber noch beeindruckender, denn die Natur hat sie geformt und nicht der Mensch“, sagt Adelina. Die Höhle misst fast 100 Meter von der Decke bis zu ihrem tiefsten bisher erreichten Punkt. Antonio hat sich auf der Suche nach dem Lauf des Wassers bereits bis dorthin abgeseilt.

In dem Ökosystem unter der Erde leben unter anderem Käfer ohne Augen, die sich nur anhand von Antennen orientierten. Der Mensch ist hier in der Unterzahl: Maximal 12 Personen am Tag ist der Zugang erlaubt, damit Temperatur, CO2-Gehalt und Luftfeuchtigkeit im Gleichgewicht bleiben. Ein Besuch ist nur mit vorheriger Buchung und etwas Glück möglich. Die Höhle ist sonst Forscherinnen und Forschern vorbehalten.

175 Millionen Jahre alte Spuren der Vergangenheit

Wir treffen Adelina und Antonio am nächsten Tag ganz im Norden des Naturparks wieder. Gegen Mittag erreichen wir eines der Ziele des Tages: den Steinbruch Pedreira do Galinha. Der wurde stillgelegt, als Arbeiter hier 1994 beim Schürfen Spuren aus einer längst vergangenen Zeit freilegten. Von einer Anhöhe kann man die längste bekannte und zusammenhängende Sauropodenspur der Welt bewundern. Über fast 150 Meter erstrecken sich die Fußabdrücke der riesigen Echsen, die vor ungefähr 175 Millionen Jahren lebten.

Wie haben diese Spuren all die Jahre überdauert? „Dinosaurier wiegen Tonnen und die Fußabdrücke, die sie in diesem ehemaligen Sumpfgebiet hinterließen, waren sehr, sehr tief“, erklärt Antonio. „Irgendwas muss an dem Tag passiert sein, was dazu führte, dass die Spuren bedeckt und konserviert wurden, möglicherweise ein Vulkanausbruch.“

Salzgewinnung wie im 12. Jahrhundert

Wir verabschieden uns von unseren Guides. Es geht nun an einen ebenfalls historisch bedeutenden Ort - auch wenn seine Geschichte nur schlappe 844 Jahre zurückreicht: Am südlichsten Zipfel des Parks befinden sich die Salinas da Fonte de Bica. Sie gehören zu den wenigen Salinen auf der iberischen Halbinsel, in denen Salz aus einer Solequelle und nicht aus Meerwasser gewonnen wird.

Salzgewinnung nach Tradition
Fernando Machado Lopes ist Salzarbeiter in den Salinas da Fonte de Bica. © Anika Reker/dpa-tmn

Die ersten Aufzeichnungen über die Förderung von Salz gehen hier auf das Jahr 1177 zurück. Einer Legende zufolge trank eine junge Hirtin aus einer Quelle und erzählte vom unangenehmen Geschmack des Wassers. Die Dorfbewohner vertieften die Stelle zu einem Brunnen, so nahm die Geschichte der Salzgewinnung ihren Anfang. Heute ist die Mine die einzige in Portugal, die noch auf diese Weise betrieben wird.

Alte Holzhütten umsäumen die Freiluftsalinen. Sie dienen heute überwiegend als Restaurants, Souvenirshops und vor allem als Verkaufsfläche für allerlei Salzprodukte. Die Mine wird von einer Kooperative geführt, die insgesamt 20 „Salmineros“ beschäftigt. Touristen dürfen den Arbeitern über die Schulter schauen.

Zum Verschenken
Mitbringsel: In den kleinen Holzhütten in den Salinas da Fonte de Bica werden Salzprodukte angeboten. © Anika Reker/dpa-tmn

Einer von ihnen ist Fernando Machado Lopes, 60. „Die Arbeit ist zwar hart, aber macht Spaß und es ist auch nicht mehr ganz so anstrengend wie früher“, erzählt er. Fast alle Mitglieder aus Machado Lopes Familie haben in der Mine gearbeitet. Einen anderen Job, sagt er, könne er sich gar nicht vorstellen. dpa

Klima und Reisezeit: Der beste Zeitraum für einen Ausflug in den Naturpark ist von Mai bis Oktober. In dem Zeitraum gibt es wenig Niederschläge und angenehme Temperaturen. Die Salinen in Rio Maior können das ganze Jahr über besucht werden, betrieben werden sie allerdings nur im Zeitraum von Mai bis September.

Anreise: Von Lissabon aus fährt man mit dem Mietauto etwa 85 Kilometer bis zum südlichsten Zipfel des Parks. Von Coimbra aus sind es 95 Kilometer bis nach Porto de Mos im Norden.

Einreise und Corona-Lage: Portugal ist kein Hochrisikogebiet mehr. Urlauber müssen geimpft, genesen oder negativ getestet sein.

Informationen: Centro de Portugal Tel.: 00351 232 432 032, E-Mail: info@centerofportugal.com, www.centerofportugal.com/de). Dinosaurios da Serra de Aire Tel.: 00351 249 530 160), ganzjährig geöffnet außer montags sowie am 25. Dezember und am 01. Januar.

Serras de Aire e Candeeiros

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