Corona-Krise

Neue Lufthansa-Richtlinie: Wird die Airline den EU-Fluggastrechten damit massiv schaden?

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Stillgelegte Flugzeuge der Lufthansa in der Corona-Krise.

Während die Regierung Ausgangsbeschränkungen verhängt hat, zwingt die Lufthansa ihre Kunden dank einer neuen Richtlinie persönlich zur Post.

  • Die Lufthansa akzeptiert Vollmachten zur Durchsetzung der EU-Fluggastrechte nicht mehr digital.
  • Es wird nun die Zusendung eines unterschriebenen Ausdrucks verlangt.
  • Doch ist dieses Verhalten in der Corona-Krise* angemessen? Der Verband der Vertreter für Fluggastrechte stellt dies in Frage.

Neue Lufthansa-Richtlinie gefährdet Gesundheit der eigenen Kunden

"Die Lufthansa hat ihre internen Richtlinien aktuell so geändert, dass die Fluggesellschaft Vollmachten für die Durchsetzung der EU-Fluggastrechte durch Dritte nicht mehr digital akzeptiert", erläutert Christian Nielsen vom Verband der Vertreter für Fluggastrechte (APRA) den Sachverhalt. "Das ist einer von vielen Schritten, die Airlines aktuell gehen, um die EU-Fluggastrechte einzuschränken."

Dieses Verhalten sei nicht nur rückständig, sondern in Zeiten von Corona auch gefährlich, prangert Nielsen an. Virologen würden den Gang nach draußen aktuell nur dann empfehlen, wenn es notwendig sei. "Die Lufthansa zwingt ihre Passagiere durch diese Entscheidung jedoch, vor die Tür zu gehen und sich selbst sowie andere zu gefährden", so Nielsen. "Die Airline spielt hier offensichtlich mit der Angst und Gesundheit ihrer Kunden, um weniger Entschädigungen auszahlen zu müssen. Das ist verantwortungslos. Deshalb werden wir juristisch gegen diese Klausel vorgehen und gegen Lufthansa vor Gericht ziehen."

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Verband der Vertreter für Fluggastrechte prangert Lufthansa in Corona-Krise an

Wer von einer Flugverspätung oder einem Flugausfall betroffen sei, der habe unter Umständen Anspruch auf Entschädigung. Dies gelte jedoch nur, wenn die jeweilige Airline auch dafür verantwortlich sei - wie im aktuellen Fall der Flugausfälle aufgrund des Coronavirus.

"Die Fluggesellschaften nutzen die aktuelle Krise, um eine alte Agenda voranzutreiben, die darauf abzielt, die Rechte der EU-Passagiere drastisch einzuschränken", so der Experte. "Neben der Richtlinien-Änderung bei der Lufthansa fordern einige Fluggesellschaften beispielsweise, dass sie die Hotelkosten für gestrandete Passagiere nur noch für maximal drei Nächte übernehmen müssen, auch wenn der Aufenthalt länger dauert." 

Ein entsprechender Entwurf wird seit einiger Zeit im Rat der EU und zeitnah auch im Parlament diskutiert. Sollte sich dies durchsetzen, würden laut Nielsen bis zu 80 Prozent der Passagiere das Recht auf Entschädigungen verlieren. "Das würde einen massiven Einschnitt der Verbraucherrechte in Europa bedeuten."

Die Airlines sollten sich daher darauf konzentrieren, wie sie ihre Fluggäste in der Not unterstützen können. Schließlich seien es die Passagiere, die als Steuerzahler die Fluggesellschaften in der Krise vor dem Aus bewahren. "Daher ist es das Mindeste, dass ihre Rechte nicht bei der ersten Gelegenheit im Gegenzug eingeschränkt werden", so Nielsen.

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Flugprobleme: Diese Rechte haben Passagiere

  • Flugausfälle und -verspätungen können zu Entschädigungszahlungen in Höhe von bis zu 600 Euro pro Fluggast berechtigen.
  • Die Höhe der Entschädigungszahlung berechnet sich aus der Länge der Flugstrecke.
  • Der rechtmäßige Entschädigungsanspruch ist abhängig von der tatsächlichen Verspätungsdauer am Ankunftsort sowie dem Grund für den ausgefallenen oder verspäteten Flug.
  • Betroffene Passagiere können ihren Entschädigungsanspruch rückwirkend durchsetzen, durchschnittlich bis zu drei Jahre nach ihrem Flugtermin.
  • Außergewöhnliche Umstände, auf die die jeweilige Airline keinen Einfluss hat, bewirken, dass die verantwortliche Fluggesellschaft von ihrer Kompensationspflicht befreit wird.
  • Dazu zählen unter anderem Unwetter oder medizinische Notfälle.

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