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Maskenpflicht beim Shoppen endet: Wie reagieren die Händler?

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Maskenpflicht im Einzelhandel
Die Maskenpflicht im Einzelhandel endet. Viele Verbraucher dürften beim Shoppen aber weiterhin eine Maske tragen. © Frank Rumpenhorst/dpa

Vor dem Einkaufen überprüfen viele nicht nur, ob sie das Portemonnaie dabei haben - sondern auch ihre Maske. Die Pflicht dazu fällt in wenigen Tagen vielerorts weg. Was heißt das konkret in den Läden?

Berlin - Nach langen Corona-Vorgaben können sich die Menschen in weiten Teilen Deutschlands darauf einstellen, ab nächster Woche wieder ohne Maske einkaufen zu gehen. Die staatliche Pflicht dazu fällt überwiegend weg, wenn die Geschäfte am Montag (4. April) öffnen - gewisse Schutzvorkehrungen können aber bleiben.

Der Handel geht davon aus, dass viele Kunden weiter freiwillig mit Maske kommen. Zum Schutz des Personals können vor Ort auch Hygienekonzepte umgesetzt werden. Die Gewerkschaft Verdi berichtete von Sorgen unter den Beschäftigten.

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, sagte: „Der Gesetzgeber hat mit der Novelle des Infektionsschutzgesetzes entschieden, dass die Pflicht zum Tragen von Masken nur noch in Ausnahmefällen und in besonderen Hotspots angeordnet werden kann.“ Die Politik setze den Rahmen für die Pandemiebekämpfung - und die Unternehmen trügen alles dazu bei, die Vorgaben umzusetzen.

Händler können weiter ein Masken-Tragen verlangen

Prinzipiell könnten Händler von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und ein Masken-Tragen weiter vorschreiben. Dies sei nicht auszuschließen, sagte Genth. „In welchem Umfang dies praktiziert wird, werden die nächsten Wochen zeigen.“ Wie aus Angaben mehrerer Ketten hervorgeht, dürfte ein Großteil aber darauf verzichten. Aus Branchenkreisen hieß es, so eine firmenspezifische Maskenpflicht wäre nicht durchsetzbar.

Mehrere Handelsketten riefen indes auch weiterhin dazu auf, lieber an Masken zu denken. Der Möbelhändler Ikea erklärte, man treffe die Regelungen nach den staatlichen Vorgaben - sollte die Maskenpflicht im Handel aufgehoben werden, gelte dies auch für Ikea. „Angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens weisen wir aber gern darauf hin, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch weiterhin sich selbst und andere schützt“, sagte eine Sprecherin. Vom Elektronikhändler MediaMarktSaturn hieß es: „Wir bitten unsere Kunden und werben dafür, weiterhin eine Schutzmaske zu tragen.“

Große Ketten wollen sich an offizielle Regeln halten

Die Bekleidungskette Ernsting's family erklärte: Wenn einzelne Länder die Hotspot-Regel geltend machen, gelte die Maskenpflicht weiter - und wo Länder die Pflicht aufheben, werde entsprechend gelockert. Das gelte für Kunden wie Mitarbeiter. Man empfehle jedoch, bei engerem Kontakt wie in einem Beratungsgespräch die Maske aufzusetzen, sich regelmäßig testen zu lassen und auf Symptome zu achten.

Bei der Kaufhauskette Woolworth entfällt ab kommender Woche ebenfalls die Maskenpflicht. „Das Hausrecht allein sehen wir nicht als Grundlage für solch eine einschränkende Maßnahme“, sagte ein Sprecher. Auch der eigenen Belegschaft will Woolworth das Tragen von Masken nicht vorschreiben. Die Firma setzt darauf, dass Kundschaft und Belegschaft verantwortungsvoll mit der Situation umgehen. Ähnlich meldete sich die Parfümeriekette Douglas zu Wort.

Von der Buchhandelskette Thalia hieß es, die Maskenpflicht werde nach dem 3. April nicht aufrechterhalten. Den Beschäftigten würden weiter Selbsttests und Masken zur Verfügung gestellt, die Nutzung sei freiwillig. Auch beim Textilhändler Primark fällt die Maskenpflicht. „Wenn es keine gesetzliche Vorschrift gibt, empfehlen wir das Tragen von Masken“, sagte eine Sprecherin. Man hoffe, „dass die Menschen auch weiterhin an andere denken und sie tragen, wenn sie können“.

Maskenpflicht nur noch in Hotspots möglich

Nach dem geänderten Infektionsschutzgesetz sind den Ländern ab diesem Sonntag nur noch wenige Alltagsvorgaben zu Masken etwa in Kliniken und Pflegeheimen möglich. Weitergehende Auflagen auch mit Maskenpflichten im Handel können sie in regionalen Hotspots verhängen, wenn das Landesparlament für diese eine drohende kritische Corona-Lage feststellt. Vorerst sind solche Hotspots aber nur in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg vorgesehen.

Einige Lebensmittelhändler und Drogerie-Ketten hielten sich auf Anfrage bedeckt und erklärten nur, dass man die staatlichen Vorgaben stets umsetze - wie es nächste Woche bei ihnen konkret weitergeht, ließen zum Beispiel Rewe, Lidl und dm offen. Der Lebensmittelhändler Globus mit 53 Märkten legte sich fest: „Wenn die Maskenpflicht fällt, fällt diese auch in unseren Markthallen weg“, sagte Globus-Manager Sascha De Rosa. Mitarbeitern und Kunden stehe es frei, „weiterhin eine Maske zu tragen, um sich und andere dadurch zu schützen“.

Mehrere Schutzmaßnahmen dürften bleiben

Desinfektionsmittel am Ladeneingang und Plexiglasscheiben an Kassen oder Infoschaltern soll es auch weiter geben - das betonten mehrere Firmen. „Auch weil es oft dem mehrheitlichen Kundenwunsch entspricht und als besonderer Service empfunden wird“, hieß es vom Verband.

Neben den Kunden geht es bei den Corona-Regeln auch um das Personal - und das Interesse der Firmen, viele Krankheitsausfälle zu vermeiden. Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Die Beschäftigten machen sich große Sorgen. Sie haben jetzt zwei Jahre lang in der Pandemie den Laden buchstäblich am Laufen gehalten und haben das Recht, geschützt zu werden.“ Wenn einzelne Unternehmen sich für Maskenpflichten entschieden, sei das unübersichtlich für die Kunden. Wünschenswert wären bundesweite Regelungen, die Beschäftigte und Kunden schützen.

Der Verband betonte, den Gesundheitsschutz des Personals nähmen die Unternehmen weiterhin sehr ernst. Laut Arbeitsschutzverordnung müssten Arbeitgeber nötige Maßnahmen mit einer Gefährdungsbeurteilung ermitteln und in betrieblichen Hygienekonzepten festlegen. Für eine weitere Maskenpflicht des Personal sei dabei von Bedeutung, ob andere organisatorische und technische Schutzmaßnahmen nicht umsetzbar seien oder nicht reichten. „Es kommt also im Zweifel auf den Einzelfall und die konkreten Umstände vor Ort an“, sagte Hauptgeschäftsführer Genth. dpa

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