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Omikron XBB und BQ.1.1: Drei mögliche Szenarien für den Corona-Winter

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Von: Ulrike Hagen

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Der dritte Corona-Winter steht bevor - die nächste Welle gilt als gesichert. Im Anmarsch sind die neuen Omikron-Varianten XBB und BQ.1.1. Was das bedeutet.

Berlin – Der Sommer geht, das Coronavirus kommt (zurück): Trotz Ukraine-Krieg, Energiekrise und dem Schreckgespenst der Inflation in Deutschland rückt mit dem nahenden Jahresende Covid-19 den dritten Winter in Folge ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Vor dem Hintergrund der neuen Virusvarianten wie der Omikron-Subvarianten BQ.1.1 und XXB, die im Anmarsch sind, versuchten Experten mithilfe verschiedener Modellszenarien Prognosen abzugeben, wie hart uns die anrückende Corona-Winterwelle treffen wird.

Glaubt man den Wissenschaftlern des „Modellierungsnetzes für schwere Infektionskrankheiten“ der Universität Halle, sind drei Szenarien für den Corona-Winter 2022/23 möglich.

Corona-Winterwelle 2022: Omikron-Variante BQ.1.1 und Omikron XXB auf dem Vormarsch

Inzwischen wissen nicht nur Fachleute, dass die kalte Jahreszeit es dem Coronavirus und damit eben auch der aktuell immer mehr in den Fokus rückenden Omikron-Variante BQ.1.1, besonders leichtmacht, sich auszubreiten. Mit eben jenen neuen Mutationen – die Omikron-Variante BQ.1.1, die in Deutschland angekommen ist und sich rasant schnell verbreitet, sowie der neuen Corona-Variante Omikron XXB, die in Singapur entdeckt wurde, wird sich die Lage im Corona-Winter 2022 kaum entspannen.

Zwischen Omikron BQ.1.1 und Subvariante XXB: Experten sehen drei mögliche Szenarien für den Winter 2022 und 2023

Doch in welchem Maße Corona der Bevölkerung in Deutschland mit seinen Omikron-Varianten wie BQ.1.1 – oder eben auch XXB, wenn sich die Subvariante in Deutschland ausbreitet, das Leben in den nächsten Monaten schwer machen wird, lässt sich bislang nur mutmaßen. Um eine Tendenz der Pandemie-Entwicklung zu prognostizieren, hat die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verschiedene Modelle erforscht, wie kreiszeitung.de berichtet.

Eine Labormitarbeiterin bei der Sequenzierung von PCR-Tests
Forscher warnen vor einer Corona-Winterwelle mit neuen Corona-Varianten. © Julian Stratenschulte/dpa

22 Experten in sieben Gruppen untersuchten im Rahmen des „Modellierungsnetzes für schwere Infektionskrankheiten“, was auf uns zukommen könnte. Basierend auf solchen Modellsimulationen hatte Prof. Kai Wirtz vom Helmholtz-Zentrum in Geesthacht bereits im vergangenen Jahr eine spektakuläre Studie im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht und für die nächste Corona-Welle mit einer Simulation zuverlässige Prognosen gegeben, was in Sachen Corona auf uns zukommen könnte.

Neue Virusvarianten wie Omikron BQ.1.1 und „verschärfen“ die Corona-Situation im Winter 2022/23

Die Forscher aus Halle schicken voraus: Durch Impfungen und das vorangegangene Infektionsgeschehen seien zwar große Teile der Bevölkerung grundlegend gegen COVID-19 immunisiert. „Deshalb gehen wir von einem relativ guten Schutz gegen einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion mit den aktuell in Deutschland verbreiteten Varianten aus“, sagt Dr. Alexander Kuhlmann, Leiter der Koordinierungsstelle des Modellierungsnetzes an der Universitätsmedizin Halle.

Deshalb gehen wir von einem relativ guten Schutz gegen einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion mit den aktuell in Deutschland verbreiteten Varianten aus

Dr. Alexander Kuhlmann, Leiter der Koordinierungsstelle des Modellierungsnetzes an der Universitätsmedizin Halle

„Sollte eine neue Virusvariante auftreten, die den erworbenen Immunschutz der Bevölkerung teilweise umgeht, könnte sich die Situation jedoch verschärfen“, so der Mediziner. Dies war bereits im Verlauf des Jahres 2022 zu beobachten, als verschiedene Subvarianten der Omikron-Variante mehrere Infektionswellen auslösten, und von Subvarianten wie Omikron BQ.1.1 und Omikron XXB noch gar nicht die Rede war, weil andere Corona-Varianten das Geschehen dominierten.

Corona im Winter 2022: Drei Szenarien skizzieren das Infektionsgeschehen

Die Experten-Forschungsgruppe hat nun drei definierte Szenarien simuliert, um Einschätzungen zum potenziellen Infektionsgeschehen, der Belastung der Krankenhäuser und der Effektivität von Impfkampagnen geben zu können.

Im ersten Szenario wurde angenommen, dass keine neue Virusvariante auftritt. Die Simulation zeigt eine im Verlauf des Winters zu erwartende Infektionswelle, die wahrscheinlich zu keiner übermäßigen Belastung der Krankenhäuser führt.

Im zweiten Szenario wurde das Durchsetzen einer neuen Virusvariante angenommen, die zwar den bisherigen Immunschutz teilweise umgeht, aber kein höheres Risiko für schwere Verläufe trägt. Dies resultiert nach den Berechnungen in einer Belastung des Gesundheitssystems, die im Bereich der Omikron-Welle Anfang 2022 liegen.

Im dritten Szenario wurde von einer neuen Virusvariante mit Umgehung des Immunschutzes und zusätzlich schweren Verläufen, ähnlich wie die der Delta-Variante in 2021, ausgegangen. In diesem Fall könnten die bisher erreichten Spitzenwerte der Krankenhausbelastung deutlich überschritten werden.

Konkretere Aussagen zur erwarteten Gefährdung und möglichen Gegenmaßnahmen sind erst dann möglich, wenn sich eine neue Virusvariante tatsächlich durchsetzt 

Dr. Alexander Kuhlmann, Leiter der Koordinierungsstelle des Modellierungsnetzes der Universitätsmedizin Halle

Weniger überraschend: Die Simulationen zeigen, dass eine früh, noch im Oktober beginnende Impfkampagne mit angepassten Impfstoffen die Zahl der Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden müssten, deutlich reduzieren würde. Vor allem im dritten Szenario sei es jedoch möglich, dass Impfstrategien alleine nicht ausreichen, um unterhalb der bisherigen Spitzenwerte bei Krankenhausbelegungen zu bleiben.

„Variantensuppe“: Experten warnen vor wilden Corona-Mutationen in unterschiedlichen Stämmen

Aber: „Konkretere Aussagen zur erwarteten Gefährdung und möglichen Gegenmaßnahmen sind erst dann möglich, wenn sich eine neue Virusvariante tatsächlich durchsetzt und wir über Daten zur Ausbreitungsdynamik und zum Risiko für schwere Krankheitsverläufe verfügen“, erklärt Studienleiter Kuhlmann. Auch der Bioinformatiker Cornelius Römer von der Universität Basel beobachtet die Entwicklung der Corona-Viren und ihrer Varianten wie Omikron BQ.1.1 oder aber Omikron XXB genauestens.

Bisher sei die Lage relativ überschaubar gewesen, erklärt er gegenüber spiegel.de. Die auf einer Stammlinie mutierte Variante, die erfolgreicher war als die anderen, habe sich durchgesetzt und für die nächste Welle gesorgt. Nun aber gebe es in Zeiten von Omikron XXB, der Variante Omikron BA 4.6 oder aber der Omikron-Subvariante BQ.1.1 eine regelrechte „Variantensuppe“. Eine Vielzahl von ähnlichen Mutationen entstünden auf unterschiedlichen Stammlinien: Geschwister- oder Cousin-Viren, die ähnlich aussehen, aber andere Vorfahren haben. Diese müsse man alle gleichzeitig beobachten, so Römer.

Gefahr für den Winter: Omikron BA 4.6 beunruhigt Experten – Höllenhund“-Variante BQ.1.1 zählt zu den Besorgnis erregendsten

Die meisten Corona-Infektionen in Deutschland fußen derzeit noch auf der Omikron-Variante BA.5, doch eine neue Variante ist schon auf dem Vormarsch, Experten sind alarmiert. Denn die Mutante zum Corona-Herbst, Omikron BA 4.6, überwindet frühere Infektionen und sogar die Impfung. Auch die neue Corona-Variante BQ.1.1 macht sich langsam in Europa breit – zur Sorge zahlreicher Experten.

Der sogenannte „Höllenhund“ ist auch in Deutschland angekommen – und Omikron BQ.1.1 scheint dem Spitznamen alle Ehre zu machen. Der deutsche Charité-Impfstoffforscher Leif Sander warnte bereits: „In den nächsten Wochen könnte BQ.1.1 die verbreitetste Variante werden und BA.5 verdrängen.“ Das Auftreten der Corona-Variante BQ.1.1 in Deutschland läßt Experten schon die fünfte Impfung diskutieren.

Experten warnen: Pandemie-Entwicklung von sozialen Prozessen bestimmt

Eine entscheidende Größe nannte Modellforscher Wirtz gegenüber kreiszeitung.de bereits im vergangenen Jahr: „Wie sich die Pandemie weiter entwickelt, ist auch in Zukunft im Wesentlichen von sozialen Prozessen bestimmt“, gab der Forscher zu verstehen. Sprich: Auch inwieweit wir (wieder) bereit sind, soziale Kontakte zu beschränken und die Infektionswege zu meiden, bestimmt darüber, was uns die nächsten Monate erwartet.

Es bleibt also spannend. Und selbst wenn das bestmögliche der von den Forschern als möglich betrachteten Szenarien eintritt: Es mehren sich die Zeichen, dass sich ein Phänomen in Deutschland diesen Winter anzubahnen droht. Eine Twindemie, die uns den ganzen Winter begleitet und die Ausfälle von Arbeitskräften sowie die Krankheitslast in den Kliniken noch einmal massiv verschärfen könnte.

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