Corona-Daten

Kinder unter 12 impfen zum Schutz vor Long Covid? Forscher überraschen mit Aussage

Bald könnten Corona-Impfstoffe für Kinder unter 12 Jahren zugelassen werden. Sollten sie geimpft werden? Australische Forscher überraschen nun mit einer Aussage.

Hamm - Bei Kindern und Jugendlichen ist der Verlauf einer Erkrankung mit dem Coronavirus häufig weniger schlimm als bei Erwachsenen. Doch auch sie können unter Langzeitfolgen, dem sogenannten Long Covid, leiden. Deshalb wird über eine Impfung der Jüngsten diskutiert. Experten warnen jedoch vor voreiligen Schlüssen. (News zum Coronavirus)

ImpfungGegen das Coronavirus
Verabreichte Dosen in Deutschland105,7 Millionen (Stand: 20. September 2021)
Vollständig geimpft52,5 Millionen
% der Bevölkerung vollständig geimpft63,1 Prozent

Schützt Corona-Impfung Kinder vor Long Covid? Forscher überraschen mit Aussage

Forscher warnen davor, die Problematik von Long Covid bei Kindern und Jugendlichen zu beurteilen. Das lasse die aktuelle Studienlage kaum zu. Das schreiben australische Wissenschaftler in einem Artikel im renommierten The Pediatric Infectious Disease Journal. Die Frage nach Long Covid - als dem Anhalten von Corona-Symptomen über viele Wochen - ist brisant, weil das Syndrom ein Argument für Kinder-Impfungen sein könnte, sollte es weit verbreitet sein.

Mit der Frage nach Corona-Impfungen werden sich Eltern jüngerer Kinder in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland wohl spätestens im ersten Quartal 2022 beschäftigen müssen. Für diesen Zeitraum rechnet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) laut Funke Mediengruppe mit einer Zulassung für Impfstoffe für Kinder unter 12 Jahren. Biontech hat nun Daten zur Wirkung seines Impfstoffes Comirnaty für diese Altersgruppe vorgelegt.

Eine Zulassung ist aber nicht dasselbe wie eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Die hatte lange Zeit auch keine Empfehlung für die Impfung von 12- bis 18-Jährigen ausgesprochen - mit Verweis auf die aus ihrer Sicht dünne Datenlage. Die Debatte über eine Corona-Impfung von noch jüngeren Kindern ist noch hitziger. Mitten in sie hinein stoßen nun die australischen Forscher mit ihrem Übersichtsartikel.

Corona bei Kindern unter 12: Weniger Erkrankungen, doch Long-Covid-Risiko bleibt

Die meisten Kinder entwickeln demnach keine Symptome nach einer Corona-Infektion, manche erkranken leicht. Zwei Prozent müssen in einem Krankenhaus behandelt werden, schreiben die australischen Forscher mit Verweis auf verschiedene internationale Untersuchungen. Rund 0,03 Prozent sterben demnach als Folge der Infektion.

„Das geringe Risiko der akuten Erkrankung bedeutet, dass einer der Hauptvorteile einer Impfung von Kindern darin liegen könnte, sie vor Long Covid zu schützen“, sagt Nigel Curtis von der Universität Melbourne, einer der Autoren des Übersichtsartikels. Er und sein Team fassten 14 Einzelstudien zu Long Covid zusammen, die rund 19.426 Kinder einbezogen. Die typischen Symptome bei Kindern sind Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Bauchschmerzen und Muskel- sowie Gelenkbeschwerden.

Kinder ab 12 Jahre werden schon länger gegen Corona geimpft. Folgen bald die Jüngsten?

Nach höchstens zwölf Wochen war der Großteil der Kinder beschwerdefrei. Kinder scheinen zwar an Long Covid zu erkranken - aber weniger lange und ausgeprägt als Erwachsene. Die Autoren weisen allerdings auf die stark begrenzte Datenlage hin. „Die vorliegenden Studien geben keine klare Definition für das Syndrom an“, so Curtis. Zudem sei unklar, ob die berichteten Symptome überhaupt auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurückzuführen sind - oder beispielsweise Folgen eines Lockdowns.

Corona-Impfung für Kinder: Forscher kritisieren dünne Datenlage

Sollten Kinder also geimpft werden, um sie vor Langzeitfolgen der Erkrankung zu schützen? „In der Debatte über die Vorteile einer Impfung müssen wir das Risiko für Long Covid in dieser Altersgruppe kennen“, so Curtis. Die aktuellen Studien reichten dafür aber noch nicht aus.

Daniel Vilser, leitender Oberarzt für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Jena, sieht das ähnlich. „Die Studie fasst gut zusammen, wie die Datenlage im Moment aussieht“, sagt er zu dem Übersichtsartikel. „Aber die Daten sind noch nicht gut vergleichbar.“ Über 200 Symptome sind mit Long Covid assoziiert. Es gibt viele Überschneidungen zu Erkrankungen, die schlecht fassbar sind - beispielsweise zu Depressionen und psychosomatischen Krankheitsbildern. Die Übergänge sind fließend.

Oberarzt: „Schäden durch Lockdown schlimmer als durch das Virus“

Vilser stimmt mit den Autoren der Studie überein, dass die Symptome auch als Folge der Pandemie gewertet werden können. „Wenn wir die Schäden durch den Lockdown mit den Schäden durch das Virus betrachten: Dann überwiegt klar der Lockdown“, sagt Vilser. Seit Beginn der Pandemie ist die Inzidenz von psychosomatischen Erkrankungen bei Kindern stark gestiegen. „Dass es Long Covid bei Kindern nicht gibt, ist aber falsch. Es wäre schade, wenn die Betroffenen keine Hilfe bekämen.“

Müssen Menschen nach der Corona-Impfung mit Impfschäden und gar Langzeitfolgen rechnen? Experten klären jetzt auf und ziehen einen Vergleich zur Pockenimpfung. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare