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Kreuzimmunität schützt wohl vor Infektion mit Corona - Hoffnung für neue Impfstoffe?

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Von: Daniel Schinzig

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Wer sich bereits mit einem „normalen“ Coronavirus infiziert hat, ist auch vor Covid-19 geschützt. Das zeigt eine neue Studie. Was das bedeutet. 

Hamm - Früher hat man sich nichts Böses dabei gedacht: Die Nase lief, der Hals hat geschmerzt: Vor allem im Winter blieb kaum einer vor einer Erkältung verschont. Das war vor allem eines: nervig! Doch eine in der Vergangenheit durchgestandene Erkältung könnte nun auch etwas Positives haben: Forscher in England haben herausgefunden, dass Personen, die bereits mit einem „normalen“ Coronavirus infiziert waren, auch vor einer Covid-19-Erkrankung geschützt sind. Und das könnte enorme Auswirkungen auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie haben.

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Einwohner83.129.285 (Stand: 30. Juni 2021)

Kreuzimmunität: Forscher bestätigen Schutz vor Corona

Die Situation, die das Forscherteam um Rhia Kundu vom Imperial College London auf ihre Untersuchung gebracht hat, kam seit Beginn der Pandemie immer wieder vor: Eine Person infiziert sich mit Corona, eine andere Person im selben Haushalt jedoch nicht. Wie konnte es sein, dass Menschen für einen längeren Zeitraum mit einer an Covid erkrankten Person zusammenleben und dabei vollkommen gesund bleiben? Eine These, die immer wieder genannt wurde: Kreuzimmunität.

Was genau das heißt: Die scheinbar gegen das Coronavirus immunen Menschen hatten in der Vergangenheit bereits Kontakt mit einem harmloseren Coronavirus. Denn auch, wenn Corona erst seit Pandemiebeginn zur Prominenz der Krankheitserreger zählt, so existieren solche Viren nicht erst seit zwei Jahren. Bereits seit langer Zeit kursieren zumindest vier bekannte Arten des Coronavirus als Erreger saisonaler, harmloser Erkältungen.

Dass eine Infektion mit einem „normalen“ Coronavirus tatsächlich Auswirkungen hat, wenn man in Kontakt mit SARS-CoV-2 kommt, haben die Forscher in England nun mit ihrer neuen Studie tatsächlich belegen können. Ihre Ergebnisse haben sie am Montag (10. Januar 2022) im Nature Communications veröffentlicht.

Studie bestätigt Kreuzimmunität - T-Zellen reagieren auf Coronavirus

Laut der Studie scheinen T-Zellen eine wichtige Rolle bei der Kreuzimmunität zu spielen. Die Forscher untersuchten im September 2020 Menschen, die nachweislich Kontakt mit einer an Covid erkrankten Person hatte. Nur die Hälfte dieser 52 beobachteten Menschen waren aber erkrankt. Das wurde mittels eines PCR-Tests nachgewiesen.

Jetzt wurde sich das Blut der Probanden angeschaut und T-Zellen charakterisiert, die sich durch Kontakt mit harmloseren Viren der Corona-Familie gebildet haben. Die Forscher überprüften jetzt gezielt, ob diese T-Zellen auch wirklich auf SARS-CoV-2 reagieren. Und tatsächlich: Bei der Gruppe, die nicht erkrankt war, wurde eine höhere Anzahl an kreuzreaktiven T-Zellen entdeckt als bei denen, die sich bei ihren Mitbewohnern angesteckt hatten, berichtet der ORF.

Die Entdeckung der Wissenschaftler geht noch weiter. Die T-Zellen reagierten auf die Proteine aus dem Inneren des Virus. Was die Reaktion auf das Spike-Protein, das als Antigen für die meisten verwendeten Covid-19-Impfstoffe dient, betrifft: Diese unterschied sich nicht zwischen den beiden untersuchten Gruppen.

Kreuzimmunität: Hat die Studie Auswirkungen auf die Impfstoffe gegen Corona?

Die neuen Erkenntnisse zur Kreuzimmunität könnten enorme Auswirkungen haben. So könnte es durch diese Ergebnisse zu einer Entwicklung von Impfstoffen kommen, die breiter gegen das pandemische Coronavirus wirken. Diese neuen Vakzine sollten nicht nur dafür sorgen, dass sich Antikörper und T-Zellen gegen das Spike-Protein richten, sondern auch die anderen Proteine im Inneren des Virus angegriffen werden.

 Ein kranker Mann liegt im Bett und misst Fieber.
Wer in der Vergangenheit in Berührung mit harmloseren Coronaviren kam, ist laut einer neuen Studie vor Covid-19 geschützt. (Symbolbild) © Andreas Gebert / dpa

Ajit Lalvani, Seniorautor der Studie, ist sich sicher, dass dies eine große Evolution der Corona-Impfstoffe bedeutet. Denn die internen Proteine des Coronavirus mutieren wesentlich weniger leicht als es das Spike-Protein tut. Würden die Impfstoffe nun zu einer Immunantwort und T-Zellen führen, die das Innere des Virus angreifen, könnten wesentlich schwerer Mutationen entstehen, die die Wirkung der Vakzine beeinflussen. Kurz gesagt: Impfstoffe dieser Art könnten wesentlich zuverlässiger auch vor zukünftigen Varianten von SARS-CoV-2 schützen.

Lalvani, der auch Direktor der Forschungseinheit für Atemwegserkrankungen am Imperial College in London ist, möchte das aber nicht missverstanden wissen: Es sei sehr wichtig, sich mit den aktuellen Impfstoffen zu schützen. Auch, wenn man in der Vergangenheit häufig erkältet war und eventuell schon Kontakt mit „normalen“ Coronaviren hatte: Die T-Zell-Antwort sei nur ein Teil des immunologischen Schutzes, erläutert der Experte laut dem ORF.

Wer derzeit Erkältungssymptome hat, möchte natürlich wissen, ob es sich nur um eine banale Erkältung handelt oder doch um eine Infektion mit Corona. Immer mehr Stimmen werden laut, dass Schnelltests die neue Mutation Omikron nicht so gut erkennen. Es gibt mittlerweile allerdings eine Liste, auf der zu sehen ist, welche Antigentests zuverlässig sind. Die neue Corona-Variante hat ebenfalls Auswirkungen auf die Quarantäne-Regeln in NRW. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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