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Kälteschock im Sommer: Sprung ins kühle Wasser kann tödlich sein

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Wer bei Sommerhitze ins kalte Wasser springt, kann sterben. Es droht der schnelle Tod durch Kälteschock. Was passiert im Körper? Und wie verhindert man das?

Hamm - Sommer, 35 Grad, die Sonne knallt erbarmungslos. Was wäre jetzt schöner als die Abkühlung durch einen Sprung ins kalte Wasser? Doch Vorsicht: Wer mit erhitztem Körper ins Wasser springt, riskiert einen Kälteschock - und sein Leben. Denn im Körper setzen zwei Reflexe ein, die zum Tod durch Ertrinken führen können.

PhänomenKälteschock
Tritt auf durchwiderstreitende Reflexe des Körpers
Möglichen FolgenTod

Kälteschock: Schneller Tod lauert beim Sprung ins Wasser

Im Mai 2022 starb ein Schüler aus Nordrhein-Westfalen im Comer See. Italienische Medien gehen davon aus, dass ein Kälteschock die Ursache für den Tod des 17-Jährigen im 5 Grad kalten Wasser war. So eisig muss das Wasser jedoch nicht sein, um lebensgefährlich zu werden. „Es reicht eine Wassertemperatur von 12 bis 16 Grad“, sagt Notfallmediziner Ulrich Jost von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Haben wir vorher den ganzen Tag in der Sonne gelegen und sind aufgeheizt, kann sogar 16 bis 18 Grad warmes Wasser gefährlich werden.

Aber was passiert genau bei einem Kälteschock? Beim Sprung ist kalte Wasser setzen in unserem Körper zwei widerstreitende Reflexe ein. Setzen sie gleichzeitig ein, kann das zum Tod führen. An heißen Tagen lauert eine weitere Gefahr - und zwar im Auto. Zwei Gegenstände sollten sie auf keinen Fall im Inneren liegen lassen.

Der erste Reflex ist der sogenannte Tauchreflex. Wenn man komplett ins Wasser eintaucht, verlangsamt sich unser Puls. Die Atmung wird zum Stillstand gebracht und der Herzschlag verlangsamt sich. Das ist normal. Als Reaktion auf eine niedrige Wassertemperatur (Kältereiz) wird der Puls jedoch gleichzeitig schneller - und zwar umso mehr, je aufgeheizter der Körper ist und je kälter das Wasser. Das Herz ist verwirrt und hört auf zu schlagen. Das kann tödlich enden – innerhalb von zwei Minuten.

Kälteschock: Zwei widerstreitende Reflexe im Körper

„Bei einem Kälteschock kommt es so schnell zum Tod, dass es gar nicht mehr zu einer Unterkühlung kommen kann“, sagt Ulrich Jost. Die Effekte sind umso ausgeprägter, je größer die Temperaturdifferenz zwischen Wasser- und Körpertemperatur ist und je mehr Körperoberfläche von Wasser umschlossen ist. 80 Prozent der Todesfälle im Zeitraum von 1 bis 3 Minuten sind laut DLRG durch sofortiges Ertrinken bedingt. 

Ein Kälteschock kann alle treffen - auch gesunde und durchtrainierte Menschen. Personen mit Gefäß- oder Herzerkrankungen sind aber stärker gefährdet.

Es gibt einfache Wege, einen Kälteschock zu vermeiden. Wer seinen Körper ans kalte Wasser gewöhnt, indem er langsam ins Meer oder den Badesee geht, hat keine Probleme. Ist unser ganzer Körper und vor allem Nacken und Gesicht Schritt für Schritt mit dem kalten Wasser in Berührung gekommen, ist der Körper die neue Temperatur gewöhnt. Also: Reingehen statt reinspringen ist bei Hitze im Sommer die deutlich sicherere Lösung. Eine andere Möglichkeit: Den Kopf über Wasser halten, denn dann bleibt der Tauchreflex aus.

Kälteschock: So schützen Sie sich beim Baden

Wer es gern grundsätzlich hat, kann seinen Körper regelrecht trainieren, wie es etwa Wildwasserfahrer und Kanuten tun. Dafür sollte man jeden Morgen sieben Sekunden ganz kalt und dann wieder für ein paar Sekunden ziemlich heiß duschen. Diesen Vorgang kann man für ein bis zwei Minuten wiederholen. Eine Garantie dafür, keinen Kälteschock zu erleiden, ist das Wechselduschen jedoch nicht.

Ein weiterer Risikopunkt ist Alkohol. Gerade bei einem Hitzetag mit Freunden am Meer kommt hin und wieder Bier zur innerlichen Anwendung. Damit ins Wasser zu springen, ist besonders gefährlich, denn mit Alkohol im Blut kann ein Kälteschock noch schneller eintreten.

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