1. come-on.de
  2. Leben
  3. Gesundheit

Kann eine Grippe-Impfung krank machen?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martina Lippl

Kommentare

Die Grippe oder Influenza gilt als eine gefährliche Virusinfektion. Jedes Jahr sterben in Deutschland hunderte Menschen daran. Trotzdem scheuen viele eine Grippeimpfung. Gibt es Gründe dafür?

Der Hals kratzt, der Schädel brummt und der Kopf fühlt sich bleiern an - wer sich eine Erkältung eingefangen hat, kennt das. Die Beschwerden sind zwar sehr unangenehm, allerdings verlaufen solche Infektionen harmlos.

Symptome einer Grippe (Influenza)

Bei einer Grippe oder Influenza quälen einen aus heiterem Himmel Kopfweh, Rücken-, Muskel- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Reizhusten und hohes Fieber (über 38,5 Grad Celsius). Der ganze Körper reagiert auf das Virus. 

Gesunde Menschen überstehen eine Grippe. Kommen die körpereigenen Abwehrkräfte mit den Viren klar, ist eine Influenza nach etwa fünf bis sieben Tagen überstanden. Grippekranke sind jedoch oft noch länger erschöpft und husten. 

Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem können Komplikationen auftreten: Gefürchtet sind Lungenentzündungen und bei Kindern können sich Mittelohrentzündungen entwickeln.

Ältere Menschen oder chronisch Kranke sollten sich vorsorglich gegen Influenza impfen lassen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI). Eine Impfung schütze und könne einen schweren Verlauf verhindern. Jedes Jahr sterben Hunderte Menschen an Grippe, das müsste nicht sein. 

Trotzdem herrscht beim Thema Grippeimpfung ein Misstrauen. Die Impfquote ist hierzulande sehr niedrig. Viele stellen die Wirkung des Impfstoffs in Frage oder haben Angst vor Nebenwirkungen. 

Was ist eigentlich im Grippeimpfstoff?

Der Impfstoff enthält Antigene gegen zirkulierende Influenzaviren. Jedes Jahr spricht die WHO eine Empfehlung für den aktuellen Impfstoff aus. Grippe-Viren können sich jedoch schnell verändern. Ständig treten neue Influenza-Virusvarianten auf. Eine genaue Vorhersage, welche Viren dann wirklich während der Grippesaison in Deutschland kursieren, ist schwierig. 

Nicht immer schützt der Impfstoff optimal. Im vergangenen Jahr war die Influenza-Impfung weniger effektiv.  

Die Impfstoffe für die neue Grippe-Saison 2016/2017 sollten Antigene folgender drei Stämme von Grippeviren enthalten:

Vierfach-Impfstoffe enthalten noch einen weiteren B-Stamm. 

Kann eine Grippe-Impfung krank machen?

Neben Grippe-Viren sind im Herbst und Winter zahlreiche andere Erreger unterwegs, die Atemwegsinfektionen wie Husten oder Schnupfen verursachen. Hinter einer Erkältung können 200 völlig andere unterschiedliche Viren stecken. So ist es natürlich möglich sich vor oder kurz nach einer Grippeimpfung eine fiebrige Erkältung einzufangen. Denn, gegen diese anderen Viren oder auch Bakterien schützt eine Grippeimpfung nicht. 

Allerdings schützt eine Impfung erst nach 10 bis 14 Tagen. Wer sich kurz vor dem Impfen angesteckt hat, bekommt leider die Grippe. In solchen Fällen die Influenzaimpfung zu verdächtigen, ist falsch.

„Von einer Grippeimpfung kann man keine Grippe bekommen“, betont RKI-Sprecher Günther Dettweiler. Eine Grippeimpfung ist gut verträglich, so Dettweiler. Nebenwirkungen, wie Rötungen und Schmerzen an der Einstichstelle, können jedoch auftreten. Da die Impfung, wie jede andere Impfung, körpereigene Abwehrkräfte anregt, kann es zu leichten Reaktionen kommen, die aber rasche wieder abklingen.

Nebenwirkungen einer Grippeimpfung

Unabhängig von der Impfstoff-Art können nach einer Grippe-Impfung Symptome wie bei einer Erkältung auftreten. Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen. 

Solche Reaktionen des Immunsystems klingen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos wieder ab. 

Hühnereiweiß-Allergie

In den vergangenen Jahren gab es Hühnereiweißfreie (in Zellkulturen hergestellte) Influenzaimpfstoffe. In der Saison 2016/17 werden diese nicht angeboten. 

Influenzaimpfstoffe werden laut Robert-Koch-Institut (RKI) üblicher­weise unter Verwendung von Hühner­eiern her­ge­stellt. Trotz einer sogenannten Aufreinigung können im Impfstoff Spuren von Hühner­ei­weiß enthalten sein. 

Allergiker sollten auf jeden Fall ihren Arzt zu Rate ziehen. Bei Personen, die nur mit leichten Symptomen auf den Konsum von Hühner­ei­weiß reagieren, können nach Ansicht des RKI mit allen zu­ge­lassenen Influenza-Impf­stoffen geimpft werden. Bei einer schweren Allergie ist eine klinische Überwachung notwenig.

Wer sich impfen lassen sollte

Risikogruppen sollten sich gegen Grippe impfen lassen, empfiehlt die STIKO. Darunter fallen:

Impfempfehlungen für Erwachsene

ImpfungWer braucht sie?Auffrischung
Diphtheriealle Personenalle 10 Jahre
Tetanusalle Personenalle 10 Jahre
FSMEPersonen in Risikogebietenalle 3 bis 5 Jahre
Hepatitis AGefährdete Personen, etwa bei Kontakt mit Infizierten oder im Gesundheitsdienst
Hepatitis BGefährdete Personen, etwa bei Kontakt mit Infizierten oder im Gesundheitsdienstalle 10 Jahre
HPVkeine Regelleistung, ungeimpfte erwachsene Frauen nach individueller Beratung
Influenza (Grippe)Personen ab 60 Jahren, med. Personal, Schwangere, chronisch Krankejährlich mit dem aktuellen Impfstoff
KeuchhustenUngeimpfte bei der nächsten Diphtherieund Tetanusimpfung
Masernnach 1970 Geborene, Ungeimpfte und nur einmal GeimpfteBei Erwachsenen, die nach 1970 geboren worden sind, kann eine Auffrischimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung) empfehlenswert sein – nämlich dann, wenn sie bislang noch keine zwei Impfungen erhalten haben.
PneumokokkenPersonen über 60, medizinisches Personalnur bei bestimmten Vorerkrankungen
Polio (Kinderlähmung)alle Personen einmalig im Erwachsenenalter
RötelnUngeimpfte oder nur einmal geimpfte Frauen im gebärfähigen Alter
Tollwutgefährdete Personen, z.B. Forstarbeiternotwendig
WindpockenFrauen mit Kinderwunsch, die keine Antikörper gegen den Ereger haben

ml

Auch interessant

Kommentare