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„Welle der Ungeimpften“: Virenexperte zeigt auf, wie Bürger gelbe & rote Krankenhausampel verhindern können

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Von: Juliane Gutmann

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Statt der Inzidenz gibt in Bayern seit 2. September die Krankenhausampel vor, welche Corona-Maßnahmen gelten. Uni-Professor Reichl erklärt im Interview, was jetzt wichtig ist.

Jetzt zählt nur noch, wer wirklich schwer an Corona erkrankt: Seit 2. September gilt in Bayern die sogenannte Krankenhausampel. Steht sie auf Grün, entfallen die Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich, die FFP2-Maskenpflicht wird aufgehoben und Geimpfte können sich über mehr Freiheiten freuen wie etwa den Clubbesuch ab Oktober. Der Inzidenzwert als bisher wichtigster Richtungsweiser in Hinblick auf die geltenden Corona-Maßnahmen wird durch die Krankenhausampel abgelöst. Viele Mediziner begrüßen diesen Schritt. Zum Beispiel der Pandemiebeauftragte des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München, Christoph Spinner. Er sieht die Inzidenzzahlen zwar als wichtig an*, um einen allgemeinen Blick über die Pandemiesituation zu bekommen. „Auf der anderen Seite spielen aber für uns die Krankenhausbelegungen und -aufnahmen eine sehr viel größere Rolle“, wird er in einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur zitiert.

Auch Virenexperte Professor Dr. Dr. Franz-Xaver Reichl von der Ludwig-Maximilians-Universität München sagt im Merkur-Interview, dass die „Krankenhausampel sinnvoll ist“. Man dürfe allerdings die Inzidenzen nicht außer Acht lassen. Er sieht in erster Linie das Problem, dass die Krankenhausampel nur die schweren Corona-Fälle abbildet – Menschen mit mild verlaufender Krankheit würden nicht erfasst werden. Reichl sieht die Gefahr, dass strengere Corona-Maßnahmen infolge zu spät erlassen werden könnten: „Wenn die Patienten im Krankenhaus landen, dann ist es ja schon zu spät, in Anführungszeichen gesetzt. Das sind ja schon schwer Erkrankte. Wir wollen ja, dass die Patienten gar nicht ins Krankenhaus kommen“, so der Toxikologe.

Rote Krankenhausampel verhindern: Professor Reichl sieht nur eine Möglichkeit

Um dies zu erreichen, wäre der Inzidenzparameter von großer Relevanz. Denn er lässt ablesen, in welche Richtung sich die Corona-Fallzahlen entwickeln. Erreichen sie eine problematische Zahl, könne man frühzeitig die richtigen Maßnahmen ergreifen, etwa Kontaktbeschränkungen. „Bin ich schon bei der Ampel, ist es ja zu spät“, wie Mikrobiologe Reichl im Interview zu Bedenken gibt.

Prof. Franz-Xaver Reichl ist Beauftragter für die Biologische Sicherheit von Bakterien und Viren an der Ludwig-Maximilian-Universität München.
Prof. Franz-Xaver Reichl ist Beauftragter für die Biologische Sicherheit von Bakterien und Viren an der Ludwig-Maximilians-Universität München. © Marcus Schlaf

Auf Gelb springt die Krankenhausampel, wenn innerhalb von sieben Tagen mehr als 1.200 Patienten mit einer Corona-Erkrankung neu in bayerische Kliniken aufgenommen werden müssen. Auf Rot schaltet die Ampel, wenn mehr als 600 Corona-Patienten auf Intensivstationen in Bayern liegen, wie der Bayerische Rundfunk informiert. Aktuell zeigt die Ampel Grün (auf der Seite des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege können Sie den aktuellen Status einsehen).

Kommt es zur roten Ampel, werden wieder strengere Corona-Maßnahmen verhängt, um das Gesundheitssystem vor Überlastung zu schützen. Doch wie kann sie verhindert werden? Reichl sieht den Schlüssel in der Impfquote: „Wenn schon sehr viele Menschen geimpft sind, dann wird es aller Voraussicht nach nicht zu einer solchen roten Ampel kommen“, erklärt er im Merkur-Interview. Einen totalen Lockdown sieht er zwar nicht mehr kommen, allerdings sei ein Teillockdown im Fall der roten Krankenhausampel nicht auszuschließen. Deshalb ist es Reichl zufolge so wichtig, „dass wir diese Zeit jetzt nutzen zum Impfen, dass es soweit gar nicht kommen kann“.

„Welle der Ungeimpften“: Impfquote nimmt großen Einfluss auf Krankenhausauslastung

Je höher die Impfquote, umso niedriger die Inzidenzen und entsprechend weniger Menschen müssen wegen Corona ins Krankenhaus, so der Virenexperte. Doch der Impf-Fortschritt stagniert aktuell, was Professor Reichl als bedenklich einstuft. Vor allem, weil wir uns ihm zufolge in der vierten „Welle der Ungeimpften“ befinden: Über 90 Prozent der Corona-Patienten in Kliniken hätten sich nicht gegen Corona impfen lassen. Impfungen würden nicht nur vor schweren Krankheitsverläufen schützen, sondern auch vor Virus-Mutanten, so Reichl. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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