Zweimal reicht nicht

Dritte Impfung gegen Corona: Auffrischung schon im Herbst oder Anfang 2022

Die dritte Corona-Impfung wird laut Experten schon Anfang 2022 fällig - oder gar früher. Müssen Menschen nachgeimpft werden, während andere noch keine Erstimpfung hatten?

Hamm - Dritte Impfung gegen das Coronavirus? Spätestens im kommenden Jahr (2022) müssen sich die Bürger in Deutschland wohl erneut impfen lassen. „Das Virus wird uns nicht wieder verlassen. Die aktuellen Corona-Impfungen werden deswegen nicht die letzten sein“, sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch Virologe Christian Drosten hatte sich bereits ähnlich geäußert. Bei vielen noch Ungeimpften dürfte sich die Sorge breit machen, dass Drittimpfungen nötig werden, bevor sie selbst überhaupt ihre erste Impfung erhalten haben. Doch ist diese Sorge begründet? (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Dritte Impfung gegen Corona: Schon 2022 Auffrischung nötig

Stiko-Vorsitzender Thomas Mertens erklärte zum Thema dritte Impfung: „Grundsätzlich müssen wir uns darauf einstellen, dass möglicherweise im nächsten Jahr alle ihren Impfschutz auffrischen müssen.“

Dritte Impfung gegen Corona: Immunität nur sechs Monate? Auffrischung nötig

Mertens wies darauf hin, dass die Hersteller nach eigener Aussage bereits an modifizierten Impfstoffen arbeiten, die gegen relevante derzeit bekannte Mutanten wirksam sein sollen. Nach Angaben des Stiko-Chefs ist es zudem denkbar, dass der Impfschutz bei einzelnen Gruppen bereits wieder nachlässt oder generell zu schwach ist. Das könne einzelne Altersgruppen betreffen oder auch Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Bei Patienten, deren Immunabwehr medikamentös gesteuert werde, könnte es sein, dass bereits kurzfristig eine dritte Impfung nötig sei, so Mertens.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet damit, dass die Immunität nach einer Impfung rund sechs Monate hält. Die erste Auffrischung werde deshalb für einige bereits im Herbst fällig sein, sagte er den Funke-Zeitungen. Sollten sich in Deutschland Mutationen verbreiten, gegen die die aktuellen Impfstoffe nicht so stark wirksam seien, müsse man möglicherweise auch schon früher mit einem angepassten Impfstoff beginnen. Gegen die südafrikanische Variante etwa wirkten die Vakzine von Astrazeneca und Johnson & Johnson nicht so gut. „Sollte sich diese Variante bei uns stark verbreiten, sollten die betroffenen Personen dann als erste besser immunisiert werden.“

Dritte Impfung gegen Corona: Das sagt Virologe Christian Drosten zur Auffrischung des Impfschutzes

Auch Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass eine dritte Corona-Impfung nötig sein wird. Er rechne damit, dass es schon jetzt gewissermaßen feststehe, dass „mehr als nur sehr eng umgrenzte Risikogruppen“ zum Winter hin eine einmalige Auffrischung ihres Impfschutzes bekommen werden, sagte Drosten bereits Ende April im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. Dies sei vergleichbar mit der alljährlichen Grippeschutzimpfung.

Viele Menschen, die noch immer auf ihre Erstimpfung warten, dürfte das verunsichern. Sie fragen sich vermutlich, ob andere dann bereits eine dritte Dosis bekommen, während sie selbst womöglich noch immer warten müssen. Ein nachvollziehbarer Gedanke - insbesondere, wenn sich die Impfkampagne weiter hinzieht. Gleichzeitig betonte etwa Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) noch im April, dass bis zum Ende des Sommers allen Bürgern ein Impfangebot gemacht werden könne.

Dritte Impfung gegen Corona: Impffortschritt - mehr als neun Millionen Deutsche haben vollen Schutz

Doch wie steht es derzeit überhaupt um den Impffortschritt? Nach offiziellen Angaben hatten bis zum Samstag 30,4 Millionen Menschen in Deutschland mindestens eine Corona-Impfung erhalten. Das sind 36,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mehr als neun Millionen Menschen (10,9 Prozent) haben bereits den vollen Impfschutz.

Seit dem Start der Impfkampagne in Deutschland vor fast fünf Monaten ist die Impfbereitschaft deutlich gestiegen. Das geht aus einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor. Danach wollen sich fast drei Viertel der Deutschen über 18 Jahre gegen das Coronavirus immunisieren lassen. 36 Prozent der Befragten haben sich schon mindestens einmal impfen lassen, weitere 38 Prozent haben vor, das noch zu tun. Zusammen sind das 74 Prozent.

Kurz vor Beginn der Impfkampagne am 27. Dezember hatten sich erst 65 Prozent für eine Impfung entschieden. 19 Prozent lehnten die Immunisierung damals ab, jetzt sind es nur noch 15 Prozent. Der Anteil der Unentschlossenen ist seit Ende Dezember von 16 auf 11 Prozent gesunken.

Dritte Impfung gegen Corona: Bundesländer heben Impfpriorisierung in Arztpraxen auf

Mehrere Bundesländer haben für die an diesem Montag beginnende Woche eine Aufhebung der Impfpriorisierung in Arztpraxen angekündigt. In Bayern und Baden-Württemberg dürfen alle bisher verfügbaren Corona-Impfstoffe ohne Rücksicht auf die staatlich vorgegebene Priorisierung beim Arzt verimpft werden. Auch Berlin hebt ab diesem Montag die Priorisierung für alle verfügbaren Corona-Impfstoffe bei Haus- und Betriebsärzten auf. Sachsen folgt zum 24. Mai. Allerdings dürfte vielerorts noch nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehen, dass alle Impfwilligen auch schnell einen Impftermin erhalten. In Nordrhein-Westfalen hat sich kürzlich etwas in der Impfpriorisierung geändert - allerdings dürfen weiterhin nicht alle Impfstoffe ohne Priorisierung verimpft werden.

Viele Menschen, die keiner priorisierten Gruppe angehören, müssen sich weiterhin gedulden, um eine Aussicht auf eine Erstimpfung zu haben. Online-Börsen wollen dabei helfen, einen Impftermin zu finden. - Mit Material von dpa

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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