Uni Hamburg

Forscher veröffentlicht Studie zum Ursprung des Coronavirus: Heftige Kritik an Theorie der Labor-Herkunft

Mit einer Studie zum Ursprung des Coronavirus hat die Uni Hamburg Aufsehen erregt. Der Nanowissenschaftler Prof. Dr. Roland Wiesendanger will Indizien gefunden haben, die auf ein Labor in Wuhan, China deuten.

[Update] Hamm - Vor rund einem Jahr tauchten die ersten Fälle des Coronavirus in Deutschland auf. Ein Ende der Pandemie ist trotz des Beginns der Impfungen nicht in Sicht. Forscher der Uni Hamburg wollen nun Hinweise auf den wahren Ursprung des Coronavirus gefunden haben - und stoßen auf heftige Kritik. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/Corona\tBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Corona: Studie zum Ursprung des Virus Indizien sollen auf Labor in Wuhan weisen

Die Zahl und die Qualität der Indizien sprächen für einen Laborunfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan in China, lautet die Theorie einer Studie unter der Leitung des Nanowissenschaftlers Prof. Dr. Roland Wiesendanger. Die Studie basiere auf einem „interdisziplinären wissenschaftlichen Ansatz sowie auf einer umfangreichen Recherche unter Nutzung verschiedenster Informationsquellen“, heißt es am Donnerstag in einer Pressemitteilung der Uni Hamburg. Sie liefere keine hochwissenschaftlichen Beweise, wohl aber „zahlreiche und schwerwiegende Indizien“.

Die kritische wissenschaftsbasierte Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Ursprung der Pandemie sei schon heute von großer Bedeutung, wird Prof. Dr. Wiesendanger zitiert. „Denn nur auf Basis dieses Wissens können adäquate Vorkehrungen getroffen werden, die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten ähnlicher Pandemien in Zukunft so klein wie möglich zu halten.“

Die Studie wurde bereits im Januar 2021 fertiggestellt und, so die Mitteilung aus Hamburg, zunächst in Wissenschaftskreisen verteilt und diskutiert. Mit der Veröffentlichung solle nun eine breit angelegte Diskussion angeregt werden - das ist gelungen. Die Kritik an der Studie ließ nicht auf sich warten. Vor allem die Methodik wird infrage gestellt - stützt sich Wiesendanger doch bei seinen Recherchen „unter anderem auf wissenschaftliche Literatur, Artikel in Print- und Online-Medien sowie persönliche Kommunikation mit internationalen Kolleginnen und Kollegen.“ Wiesendanger soll auch Quellen wie das rechte Portal „Epoch Times“ sowie fragwürdige Youtube-Channel und Twitter-Accounts genutzt zu haben, bemängelt das ZDF. „Eine Studie kann und darf man das nicht nennen“, wird der Redaktionsleiter des Science Media Centers in Köln zitiert. Ein weiterer Kritikpunkt an der Studie, wie auch msl24.de* berichtet: Professor Dr. Roland Wiesendanger ist als Nanophysiker nicht vom Fach.

Corona: Studie führt Indizien für Theorie vom Labor-Ursprung an

Die Indizien, die die Forscher so zusammengetragen haben, sind vielseitig. So habe bis heute kein Zwischenwirtstier identifiziert werden können, das die Übertragung von Sars-CoV2-Erregern von Fledermäusen auf den Menschen ermöglicht haben könnte. Die Zoonose-Theorie besitze daher, anders als bei früheren Coronaviren-bedingten Epidemien wie SARS und MERS, keine fundierte wissenschaftliche Grundlage.

Xie Wen vom Zhongnan-Krankenhaus der Universität Wuhan, testet im klinischen Labor Proben von Patienten.

Als weiteres Indiz nennt die Wiesendanger-Studie die erstaunlich gute Fähigkeit der Sars-CoV-2-Viren, an menschliche Zellrezeptoren anzukoppeln und in die menschlichen Zellen einzudringen. Möglich machten dies spezielle Zellrezeptor-Bindungsdomänen mit einer speziellen Spaltstelle des Coronavirus-Zacken-Proteins. Beide Eigenschaften zusammen seien bislang bei Coronaviren nicht bekannt gewesen und wiesen auf einen nicht-natürlichen Ursprung des Erregers hin.

Corona: Studie der Uni Hamburg stellt Theorie vom Fischmarkt infrage

Die Studie stellt auch die bisherige Theorie infrage, wonach das Virus auf einem Fischmarkt in Wuhan zuerst aufgetaucht sein soll. „Fledermäuse wurden nicht auf dem in Verdacht geratenen Fischmarkt im Zentrum der Stadt Wuhan angeboten“, fasst die Mitteilung der Uni Hamburg zusammen. Im virologischen Institut der Stadt Wuhan gebe es jedoch eine der weltweit größten Sammlungen von Fledermauserregern, welche von weit entfernten Höhlen in südchinesischen Provinzen stammen sollen. „Es ist extrem unwahrscheinlich, dass sich Fledermäuse aus dieser Entfernung von nahezu 2.000 km auf natürliche Weise auf den Weg nach Wuhan begeben haben, um dann in unmittelbarer Nähe dieses virologischen Instituts eine weltweite Pandemie auszulösen.“

Wiesendanger will in zahlreichen Publikationen Belege dafür gefunden haben, dass eine Forschungsgruppe am virologischen Institut in Wuhan über viele Jahre hinweg gentechnische Manipulationen an Coronaviren vorgenommen haben - „mit dem Ziel, diese für Menschen ansteckender, gefährlicher und tödlicher zu machen.“ Erhebliche Sicherheitsmängel in dem Institut seien schon vor dem Ausbruch der Pandemie dokumentiert worden.

Corona: These im krassen Widerspruch zur WHO

Als einen direkten Hinweis auf einen Laborursprung des Sars-CoV-2-Erregers werten die Hamburger Forscher Berichte über eine junge Wissenschaftlerin, die sich bereits im Oktober 2019 infiziert haben soll. Es gebe zahlreiche Hinweise darauf, dass sich der Erreger ausgehend vom virologischen Institut in der Stadt Wuhan und darüber hinaus verbreitet habe - und Hinweise auf eine entsprechende Untersuchung durch chinesische Behörden in der ersten Oktoberhälfte des Jahres 2019.

Diese These steht im krassen Widerspruch zur Weltgesundheitsorganisation (WHO), die ein eigenes Forscherteam nach China entsandt hatte. Die Frage nach dem Ursprung konnten die Wissenschaftler nicht abschließend beantworten, einen Laborunfall stuften sie aber als „extrem unwahrscheinlich“ ein.

Wie lange hält die Corona-Pandemie noch an? Eine Einschätzung ist schwierig ob der aktuellen Verbreitung der Mutation. Eine Inzidenz unter 35 in Deutschland ist das Ziel. Doch ist das überhaupt möglich? Es gibt eine erste düstere Prognose. Die Menschen sehnen sich nach Freiheit außerhalb des Lockdowns. Ohnehin sei ein dauerhafter Lockdown „verfassungsrechtlich nicht haltbar“. *msl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Cheng Min/dpa

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