Macht Corona geisteskrank?

Angststörung bis Schlaganfall: Jeder dritte Corona-Patient entwickelt laut Studie ernste Leiden – Monate nach der Diagnose

Je länger die Corona-Pandemie anhält, desto mehr Spätfolgen einer Coronavirus-Infektion werden bekannt. Britische Forscher kommen zu einer beunruhigenden These.

  • Bei lange andauernden Beschwerden nach einer Coronavirus-Infektion sprechen Mediziner von Long Covid*. Zu den Langzeit-Symptomen zählen unter anderem Müdigkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme, Kurzatmigkeit bis hin zu Depressionen.
  • Britische Forscher der University of Oxford haben sich speziell mit den Covid-Langzeitauswirkungen auf die Psyche befasst.
  • Ihre Studienergebnisse zeichnen ein beunruhigendes Bild.

Coronaviren können verschiedene Körpergewebe und Organe befallen. Je nach Körperareal kann es zu Symptomen wie Atemnot, Hautveränderungen bis hin zu Hörverlust kommen. Bereits im Sommer 2020 wurde bekannt, dass eine Coronavirus-Infektion auch das Gehirn angreift. So ging aus einer Pressemitteilung des Krankenhauses Barmherzige Brüder Regensburg hervor, dass Covid-19 Symptome wie Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit, Angstzustände bis hin zu Wahnvorstellungen zur Folge haben kann – die Rede ist vom sogenannten „Covid-19-Brain“.

Auch britische Forscher haben sich in einer aktuellen Veröffentlichung mit den psychischen Auswirkungen von Covid-19 beschäftigt. Dafür verglichen sie die elektronisch übermittelten Gesundheitsdaten von 236.379 Corona-Patienten mit Vergleichsgruppen, die an Grippe oder Atemwegsinfekten erkrankt waren. In der Studie heißt es: Jeder dritte US-Amerikaner, der 2020 an Covid-19 erkrankt war, wurde in den ersten sechs Monaten nach der Infektion wegen neurologischer oder psychiatrischer Erkrankungen behandelt. Wie das Ärzteblatt weiter berichtet, kam es am häufigsten zu Angststörungen und Depressionen. Aber auch Schlaganfälle und Demenzen wären laut der Auswertung bei Covid-19-Patienten häufiger als nach einer Grippe oder anderen Atemwegserkrankungen.

Im Video: Mehr über Long Covid

Lesen Sie auch: Langzeitfolgen: Corona-Patienten klagen sechs Monate nach der Erkrankung über Symptome.

Psychose nach Corona-Infektion

Die Studie der Oxford-Forscher ergab, dass Mediziner in ganzen 33,6 Prozent der analysierten Corona-Fälle sechs Monate nach der Diagnose Nervenleiden oder psychische Krankheiten diagnostizierten. 13 Prozent der Menschen erhielten zum ersten Mal eine derartige Diagnose, heißt es in der auf dem Fachportal medrxiv veröffentlichten Studie. „Die meisten Diagnosekategorien waren nach Covid-19 häufiger als nach Influenza oder anderen respiratorischen Infektionen, einschließlich Schlaganfall, Blutungen im Schädel oder im Gehirn, Demenz und psychotische Störungen“, schreiben die Forscher um Dr. Max Taquet von der Abteilung für Psychiatrie an der Universität von Oxford. Auch Depressionen wurden bei Covid-19-Patienten häufiger diagnostiziert. Diese Erkenntnis wird vom US-Institut Centers for Disease Control and Prevention (CDC) untermauert, die Depressionen als regelmäßig bei Corona-Langzeitpatienten beobachtetes Symptom auflisten.

Dr. Tim Nicholson, Psychiater und klinischer Dozent am King's College Hospital, gibt der britischen Nachrichtenplattform Guardian zufolge zu Bedenken, dass Covid-19 auch eine Psychose als psychiatrische Komplikation zur Folge haben kann.

Was ist eine Psychose?

Unter den Sammelbegriff Psychose fallen verschiedene psychische Störungen, die dazu führen, dass Patienten den Bezug zu sich selbst und zu ihrer Umwelt verlieren. Es kommt zu einer Persönlichkeitsveränderung, die die Betroffenen meist nicht selbst wahrnehmen. Man unterscheidet organisch bedingte und nicht-organisch bedingte Psychosen. Erstere wird durch Grunderkrankungen wie Demenz oder Multipler Sklerose, die Einnahme bestimmter Medikamente oder Drogen verursacht. Bei nicht-organisch bedingten Psychosen geht meist eine psychische Krankheit wie Depression oder Schizophrenie voraus oder aber Stress infolge einer Geburt.

Wann und wie lange psychische Beschwerden nach Covid-19 auftreten können, kann den Forschern zufolge nicht genau bestimmt werden. Auch könne ihre Studie nicht als Beweis dafür gesehen werden, dass eine Coronavirus-Infektion für die beobachteten psychischen Störungen verantwortlich ist. Es sei möglich, dass in den elektronischen Daten der analysierten Corona-Fälle nicht alle bisher aufgetretenen psychischen Störungen erfasst worden sind. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Mehr Quellen: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/122741/Studie-Psychische-und-neurologische-Stoerungen-nach-ueberstandener-COVID-19-haeufig

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Eine mit Coronaviren befallene Zelle
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