Screening

Brustkrebs: Ab wann Mammographie zur Früherkennung sinnvoll ist

+
Gefahr Brustkrebs: Bisher sehen die nationalen Screening-Programme der meisten Länder vor, dass Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren einheitlich alle zwei Jahre zur Mammographie-Untersuchung eingeladen werden.

Frauen mit familiärer Vorbelastung haben ein unterschiedlich hohes Risiko für Brustkrebs. Wir erklären, ab wann eine Mammographie zur Früherkennung sinnvoll ist.

Frauen, deren Mutter, Schwester oder Großmutter an Brustkrebs erkrankt sind oder waren, haben ein größeres Risiko, selbst einen bösartigen Tumor in der Brust zu entwickeln – das ist seit langem bekannt. Das erhöhte Risiko trifft dabei auch jene Frauen, bei denen keine Mutation der Gene BRCA1, BRCA“ oder PALB2 diagnostiziert wurde. 

Frauen mit einer solchen genetischen Disposition gelten als Hochrisikopatientinnen; für sie empfehlen die Leitlinien eine jährliche Mammographie ab dem 30. Lebensjahr, weil bei ihnen maligne Tumore der Brust oft in weit jüngerem Alter auftreten als beim Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung.

Brustkrebs: Ab wann ist Mammographie für Frauen sinnvoll?

Aber auch Frauen mit familiärer Vorbelastung erkranken häufiger und oft auch früher an Brustkrebs. Doch ab wann sollten sie am besten zur Mammographie gehen? Bislang ist das nicht geklärt – obwohl es laut Deutschem Krebsinformationsdienst bei rund einem Drittel der Patientinnen weitere Fälle von Brustkrebs in der Familie gibt. Zum Vergleich: Von einer Genmutation sind nur etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebspatientinnen betroffen.

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und des Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg sowie von der schwedischen Universität Lund haben die Daten von in Schweden lebenden Frauen ausgewertet, die nach 1931 geboren wurden. Während des untersuchten Zeitraums von 1958 bis 2015 erkrankten insgesamt rund 119.000 dieser Frauen an Brustkrebs, rund 16.000 – 13,6 Prozent – hatten Angehörige, die zum Zeitpunkt ihrer eigenen Diagnose erkrankt waren.

Mammographie gegen Brustkrebs: Familiäre Vorbelastung der Frauen entscheidend

Aus der Anzahl und dem Alter bei der Diagnose der Verwandten ersten und zweiten Grades ermittelten die Forscher dann familiäre Vorbelastungen in unterschiedlicher Ausprägung. „Wir konnten feststellen, dass das Brustkrebsrisiko je nach Anzahl der erkrankten Verwandten ersten und zweiten Grades stark variierte. Und auch das Erkrankungsalter der Verwandten ersten Grades hatte Auswirkungen“, erklärt Elham Kharazmi, Co-Leiterin der Studie und Wissenschaftlerin in der Abteilung Präventive Onkologie des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen. Das individuelle Risiko wiederum diente den Forschern als Ausgangspunkt, um festzulegen, ab wann die Frauen jeweils am besten mit der Früherkennung beginnen sollten.

Die bisherige Praxis wird Frauen mit familiärem Vorbelastung, aber ohne diagnostizierte Mutation eines Brustkrebsgens nicht gerecht. Bisher sehen die nationalen Screening-Programme der meisten Länder vor, dass Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren einheitlich alle zwei Jahre zur Teilnahme an einer Mammographie-Untersuchung eingeladen werden. Eine Studie von Forschern der Universität zu Lübeck und des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut Berlin hat gerade erst belegt, dass die Brustkrebssterblichkeit seit 2008 nur noch in dieser Altersgruppe sinkt.

Brustkrebs: Neue Strategie für Mammographie bei Frauen

„Für die zukünftige Einschätzung des Brustkrebsrisikos und Empfehlung für den Start des Brustkrebsscreenings schlagen wir eine neue Strategie vor“, sagt Mahdi Fallah, Leiter der deutsch-schwedischen Studie und Leiter der Arbeitsgruppe Risikoadaptierte Prävention in der Abteilung Präventive Onkologie am NCT. 

Er veranschaulicht das an einem Beispiel: „Eine Frau, deren Schwester mit 43 Jahren an Brustkrebs erkrankt ist, erreicht das durchschnittliche Risiko 50-jähriger Frauen bereits im Alter von 38 Jahren, das heißt, zwölf Jahre früher. Ihr sollte damit auch ein entsprechend früherer Beginn in für die Brustkrebsfrüherkennung angeboten werden“, erläutert er: „Diese Art der Berechnung des persönlichen Risikos könnte neben der Berücksichtigung anderer Risikofaktoren helfen, die Brustkrebsfrüherkennung an das individuelle Risiko anzupassen.“

Weitere Risikofaktoren für Brustkrebs sind das Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel. Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe haben ein ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Vermutlich steigert auch die Hormonersatztherapie in den Wechseljahren das Risiko, hierzu sind die Ansichten nicht ganz einheitlich; umstritten ist auch, welchen Einfluss eine langjährige Einnahme der Pille hat. Auch wenn sich die Vorstellung hartnäckig hält: Stress und belastende Lebenssituationen erhöhen nach heutigem Wissensstand das Brustkrebsrisiko nicht.

Von Pamela Dörhöfer

Die 18 Jahre alte Jule Thaetner aus Kassel hat vergangenes Jahr eine Alternative zum Mammographie-Screening als Diagnoseverfahren zur Früherkennung von Brustkrebs* entwickelt.

Brustkrebs: Effekte des Mammographie-Screenings

In der Altersgruppe zwischen 50 und 69, der das Mammographie-Screening angeboten wird, haben Forscher zwischen 2003 und 2014 einen Rückgang der fortgeschrittenen Brustkrebs-Erkrankungen um durchschnittlich etwa 25 Prozent festgestellt. Bei jüngeren oder älteren Frauen, die nicht zum Screening eingeladen werden, war dieser Effekt nicht zu erkennen.

Die Wissenschaftler der Universität zu Lübeck und des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut Berlin hatten für ihre Studie die Krebsregisterdaten von 320 000 Frauen untersucht, die zwischen 2003 und 2014 in zehn ausgewählten Bundesländern an Brustkrebs erkrankt waren. Zusätzlich analysierten sie 280 000 Sterbefälle durch Brustkrebs aus den Jahren 1998 bis 2016.

Bei der Sterblichkeit zeigte sich ein ähnlicher Effekt wie bei den fortgeschrittenen Erkrankungen: Bei Frauen im Alter zwischen 50 und 59 gab es einen Rückgang von 25,8 Prozent, bei Frauen im Alter zwischen 60 und 69 einen um 21,2 Prozent. Verglichen wurden die Daten aus den Jahren 2003/2004 und 2015/2016. Bei Frauen ab 70 zeigte sich kein Rückgang, bei den unter 50-Jährigen nur ein Rückgang von 16,1 Prozent. Eine weitere Analyse zeigte, dass die Brustkrebssterblichkeit seit etwa 2008 nur noch in den Altersgruppen des Mammographie-Screenings gesunken ist. Bei jüngeren Frauen blieb sie konstant, bei älteren Frauen stieg sie sogar deutlich an.

Auch unerwünschte Effekte gibt es bei allem Positiven allerdings: In der Altersgruppe der 50- bis 69-jährigen Frauen stieg die Erkrankungsrate für Brustkrebs – inklusive Frühformen – um 19 Prozent im Vergleich zur Zeit vor Einführung des Screenings. Die Forscher sehen darin einen Hinweis auf Überdiagnosen. 

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare