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Biontech oder Moderna: Wer soll beim Boostern welchen Impfstoff bekommen?

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Von: Tobias Hinne-Schneider

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Mit der Booster-Impfung soll die aktuelle Corona-Welle langfristig gebrochen werden. Wer bekommt welchen Impfstoff? Für wen wird die Impfung empfohlen? Alle Infos. 

Hamm - Die Corona*-Zahlen in NRW steigen weiter und weiter. Die 7-Tage-Inzidenz liegt mittlerweile bei fast 250 (Stand: 23. November). Die vierte Corona-Welle hat den Alltag längst im Griff. Mit Booster-Impfungen soll die Pandemie langfristig in den Griff bekommen werden. Geimpft werden soll beim dritten Mal nur mit einem mRNA-Impfstoff - möglich sind Biontech oder Moderna. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat einen Beschlussentwurf für eine Empfehlung präsentiert, in der sie allen ab 18 Jahren eine Booster-Impfung empfiehlt. Doch gibt es Einschränkungen.

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)

Biontech oder Moderna: Wer soll welchen Impfstoff beim Boostern bekommen?

Die in Deutschland verwendeten Covid-19-Impfstoffe schützen effektiv vor schweren Erkrankungen, verhindern Infektionen in erheblichen Maße und reduzieren die Ansteckungsgefahr für andere, heißt es seitens der Bundesregierung. Allerdings lasse der Impfschutz mit der Zeit nach, insbesondere bei älteren Menschen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Eine Auffrischungsimpfung kann den Impfschutz wieder deutlich erhöhen. Der Körper bildet mehr Antikörper und kann sich so noch besser vor dem Virus schützen. Da die Auffrischungsimpfung wie ein Booster wirkt, wird sie auch als Booster-Impfung bezeichnet.

Weil das Bundesgesundheitsministerium des geschäftsführenden Ministers Jens Spahn (CDU) zuletzt „Höchstbestellmengen“ beim Biontech-Impfstoff angekündigt hat, äußerten Ärzte und Patientenschützer scharfe Kritik. Das torpediere die große Booster-Offensive, die die Regierungschefs der Länder und der Bundestag ausgerufen haben, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. In einer Pressekonferenz relativierte Spahn später, erklärte eine Booster-Impfung mit Moderna sei ebenso gut wie mit Biontech.

Die Stiko empfiehlt zwar eine Auffrischungsimpfung für alle Personen ab 18 Jahren, aber nicht beide mRNA-Impfstoffe sind für alle Personen geeignet. Für unter 30-Jährige wird von einer Impfung mit Moderna abgeraten. Es bestehe bei diesem Impfstoff in der Altersklasse ein geringes, aber etwas höheres Risiko für Herzmuskelentzündungen als beim Impfstoff von Biontech/Pfizer. Dementsprechend erfolgt die Booster-Impfung für alle 18- bis 30-Jährigen mit Biontech - in allen anderen Altersklassen ist Biontech oder Moderna möglich.

Biontech oder Moderna: Jeder hat Anspruch auf eine Booster-Impfung

Priorität bei der Booster-Impfung sollen laut Stiko-Empfehlung Personen mit Immundefizienz, Personen ab 70 Jahren, Bewohner und Betreute in Einrichtungen der Pflege für alte Menschen sowie Personal in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen. Auch Menschen, die bisher keine Corona-Impfung erhalten haben, sollen vordringlich geimpft werden.

Laut Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums hat grundsätzlich jeder einen Anspruch auf eine Booster-Impfung. Derzeit kann frühestens mit zwölf Jahren eine Biontech-Impfung verabreicht werden. Schlussendlich entscheiden die Ärzte vor Ort, wer eine Booster-Impfung bekommt. Dabei halten sie sich in der Regel an die Empfehlungen der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) von Bund und Ländern oder der Stiko.

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Bei den Booster-Impfungen sollden die Impfstoffe von Biontech und Moderna verabreicht werden. © Jan Woitas/dpa

Die kostenlose Booster-Impfung sollte in der Regel im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfung der Grundimmunisierung verabreicht werden, heißt es von der Bundesregierung. Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate kann im Einzellfall erwogen werden.

Wer mit Astrazeneca- oder Johnson & Johnson geimpft ist, erhält eine Kreuzimpfung

Menschen, die mit einem Vektor-Impfstoff (Astrazeneca oder Johnson & Johnson) geimpft wurden, erhalten als Auffrischungsimpfung eine Kreuzimpfung. Ihnen wird die Booster-Impfung teilweise auch früher empfohlen, weil der Impfschutz weniger hoch ist als bei der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech oder Moderna).

Die Booster-Impfung soll in folgendem Zeitraum erfolgen:

Daten haben gezeigt, dass ein heterologes Impfschema (sogenannte Kreuzimpfung) – erst Vektor-Impfstoff, anschließend mRNA-Impfstoff – zu einer deutlich höheren Antikörperbildung führt als bei einem homologen Impfschema mit Vektor-Impfstoff, heißt es dazu von der Bundesregierung. Durch die Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff soll erreicht werden, dass neben der hohen Schutzwirkung durch eine Impfung mit mRNA-Impfstoff auch der Schutz vor einer COVID-19-Erkrankung für Personen mit einer abgeschlossenen Vektor-Impfstoffserie noch weiter erhöht wird.

Biontech oder Moderna: Mehr als fünf Millionen Booster-Impfungen

Erfolgte die Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff, soll möglichst der gleiche Impfstoff bei der Booster-Impfung geimpft werden. Das sei aber nicht entscheidend, erklärte Professor Leif-Erik Sander,  Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Charité Berlin. Er würde auch eine Dreier-Mischung empfehlen, sagte der Internist und Lungenarzt. Die Impfstoffe seien frei kombinierbar, wenn es sich beim Booster-Impfstoff um einen mRNA-Impfstoff handele.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) hat die Zahl der Booster-Impfungen mittlerweile in Deutschland die Marke von fünf Millionen überschritten. Aber nicht alle Menschen wollen sich die dritte Corona-Impfung unmittelbar verabreichen lassen. Impfwillige haben vereinzelt Sorgen vor Impfreaktionen oder gar Nebenwirkungen. „Die Impfreaktionen sind zumeist mild oder mäßig ausgeprägt“, heißt es vom RKI im Aufklärungsbogen zur Booster-Impfung. „Die Häufigkeit und die Art möglicher Nebenwirkungen nach der Auffrischimpfung sind vergleichbar mit denen nach der 2. Impfung.“

Die häufigsten Impfreaktionen bei der Booster-Impfung mit Biontech (nach Häufigkeit sortiert):

Die häufigsten Impfreaktionen bei der Booster-Impfung mit Moderna (nach Häufigkeit sortiert):

In NRW gelten jetzt auch neue Corona-Regeln. Vor allem für Ungeimpfte werden die Maßnahmen strenger. Die neuen Regeln orientieren sich an den jüngsten Bund-Länder-Beschlüssen. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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