Schluss mit Sparbuch

Anlagetrend ETF-Fond: Experte klärt auf, welcher Sparplan zu Ihnen passt

+
Wer frühzeitig einen ETF-Sparplan fasst, kann später mit satten Renditen rechnen.

Immer mehr Deutsche sind auf der Suche nach Alternativen zum Sparbuch und wählen börsengehandelte Indexfonds als Geldanlage. Ein Einblick in den Aktiendschungel.

Wenn's um Geldanlagen geht, dann hört man immer öfter den Begriff ETF. Das Kürzel steht für Fonds, die an der Börse gehandelt werden (Exchange Traded Funds). Mit ihnen können Anleger einfach und günstig gleichzeitig in viele verschiede Aktien oder Anleihen weltweit investieren – und deutlich höhere Renditen erzielen, als wenn das Geld nur auf dem Sparbuch liegt. Was muss man über ETFs wissen und wie wählt man sie aus?

ETF-Experte Markus Jordan hat Vorschläge für vier Anlegertypen erarbeitet. Jordan ist Chef des Extra-Magazins aus München, das die Entwicklungen auf dem deutschen ETF-Markt seit einem Jahrzehnt beobachtet und analysiert.

ETF-Experte erklärt: So leicht kann man weltweit investieren

Vielen Sparern blutet das Herz: Seit 2014 ist der Zins auf Sparbeträge mehr oder weniger eingefroren. Wer Pech (und ein großes Vermögen) hat, muss sogar Strafzinsen zahlen. Als Alternative empfehlen Banken und Experten, in Aktien zu investieren. Doch die große Mehrheit der Deutschen scheut Aktien wie der Teufel das Weihwasser. Nur 15,7 Prozent der Bevölkerung (über 14 Jahren) besitzen Aktien oder Aktienfonds. Die Angst vor Verlusten, die viele Sparer abschreckt, ist verständlich. Viele haben noch den Börsencrash des Jahres 2000 im Kopf. Experten halten diese Angst aber für übertrieben – auch die der Verbraucherzentralen. Sie raten zu ETF, börsengehandelten Fonds. Ihr typisches Merkmal: Mit ihnen können Anleger einfach und günstig gleichzeitig in viele verschiede Aktien oder Anleihen weltweit investieren. Klingt gut, aber jeder Anleger sollte nicht nur wissen, wie das Produkt heißt, das er kauft, sondern es auch verstehen. Hier die Fakten.

So funktionieren Indexfonds

Indexfonds zeichnen die Entwicklung von Börsenindizes wie des Dax (Deutscher Aktien Index) nach. Wenn zum Beispiel der Dax um ein Prozent nach oben geht, legt der Wert eines Dax-ETF in etwa ebenso viel zu (das gleiche gilt natürlich für Verluste). ETF gibt es sowohl als Aktienfonds, Rentenfonds, Rohstofffonds oder Mischfonds. Ein Fonds sammelt das Geld der Anleger und legt es in verschiedene Werte an. ETF lassen sich jederzeit an der Börse kaufen und verkaufen. Wer sich für einen Einstieg entscheidet, kann das sofort tun und muss dafür keine komplizierten Wege gehen.

Was ist besser: aktives Fondsmanagement oder ETF?

Die meisten Anleger setzen nach wie vor auf aktiv gemanagte Fonds, bei denen ein Fondsmanager dafür bezahlt wird, Aktien für den Fonds auszuwählen. Auf lange Sicht liegen die Anleger mit ETF jedoch meist besser: Kaum einem Fondsmanager gelingt es, dauerhaft seinen Vergleichsindex zu übertreffen. Noch ein Vorteil: Durch ihre einfache Struktur werden ETF deutlich günstiger angeboten als aktiv gemanagte Fonds.

Welche Rendite ist bei Aktien drin?

Auf lange Sicht sind Aktien die aussichtsreichste seriöse Geldanlage. Durchschnittlich brachte der globale Aktienmarkt in den vergangenen drei Jahrzehnten um die acht Prozent Wertzuwachs pro Jahr. Doch ist eine Geldanlage mit ETF nicht ohne Risiko. Der Wert eines ETF verändert sich permanent mit den Schwankungen der Aktienmärkte. Bei einem Verkauf der Fondsanteile zu einem ungünstigen Zeitpunkt sind hohe Verluste möglich. Während Einlagen bei Tages- oder Festgeld bei Banken mit guter Einlagensicherung nicht verloren gehen können, ist der Erhalt des angelegten Geldes bei Fonds nicht garantiert.

Der Faktor Zeit bei Aktienanlagen

Die Zeit, einen Börsencrash auszusitzen, hat nicht jeder. Daher sind Aktienanlagen auch nicht in jedem Fall das Richtige. Wer etwa einen Immobilienerwerb zu einem bestimmten Zeitpunkt fest eingeplant hat, sollte das dafür vorgesehene Geld sicher anlegen. Sonst könnte ein Kursrutsch am Aktienmarkt die Lebensplanung sprengen.

Wie sicher sind ETFs?

ETF sind seit dem Jahr 2000 in Deutschland erhältlich. Alle ETF unterliegen strengen rechtlichen Vorgaben. Das ist ein wichtiger Grund, warum die Finanztest-Experten ETF empfehlen können. Anleger müssen sich keine Sorgen darüber machen, ob die für den Fonds verantwortliche Gesellschaft oder die Bank, die den Fonds verwahrt, irgendwann einmal insolvent werden könnte. An das Fondsvermögen kommen die Gläubiger dann nicht heran, denn es gehört unwiderruflich den Anlegern.

So bauen Sie ein ETF-Portfolio auf

ETF eignen sich gut, um damit ein Portfolio für die langfristige Geldanlage aufzubauen. Die Finanztest-Experten empfehlen ein Modell, das aus einem Renditebaustein und einem Sicherheitsbaustein besteht. Der Renditebaustein ist ein ETF auf den Weltaktienindex MSCI World. Der Sicherheitsbaustein besteht aus einem ETF mit sicheren Anleihen oder einem Tagesgeldkonto. Der Anteil des Aktienfonds beträgt je nach Risikotyp des Anlegers 25, 50 oder 75 Prozent.

Auch interessant: Aktien kaufen für Anfänger: Tipps für Ihren erfolgreichen Einstieg.

Was muss man bei ETFs versteuern?

Dividenden, Kursgewinne und Zinserträge müssen bei ETF, wie bei allen anderen Fonds auch, versteuert werden. Für die Versteuerung von Kapitalanlagen gilt in Deutschland die Abgeltungssteuer. Dabei werden pauschal 25 Prozent fällig. Der Solidaritätszuschlag (und Kirchensteuer) kommen dazu.

Von jung bis alt: Welcher ETF-Sparplan passt zu mir?

Für Einsteiger: 

Julian R.,17, macht eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Er verdient zwar nicht viel, aber Dank der Unterstützung seiner Eltern kann er 100 Euro monatlich für die Altersvorsorge beiseitelegen.

Antwort: Julian verfügt über einen langfristigen Anlagehorizont, er kann daher zu Beginn seiner Sparphase voll auf Aktien setzen. Kurzfristige Schwankungen machen ihm nichts aus. Um das Risiko einzelner Aktienanlagen zu minimieren, sollte er sein Kapital möglichst breit streuen. Dazu bieten sich ETF an, die das Geld über viele Aktien aus den Industrie- und Schwellenländern streuen. Am bequemsten kann er über einen ETF-Sparplan investieren. Dabei wird seine Sparrate monatlich in ETF-Anteile investiert. So kann er Stück für Stück (zum Beispiel auch mit den vermögenswirksamen Leistungen des Arbeitgebers) ein Vermögen ansparen.

Bei der einfachsten Lösung mit nur einem ETF empfiehlt ETF-Experte Markus Jordan, auf den SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF (Wertpapierkennnummer): A1JJTD) oder den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (WKN: A1JX52) zu setzen. Die beiden nach Marktkapitalisierung gewichteten Produkte decken mit circa 8.800 bzw. 2.900 Unternehmen aus 45 Ländern rund 98 Prozent des Weltmarktes ab. Damit wird das Risiko breit gestreut. Auch der SPDR MSCI ACWI UCITS ETF (WKN: A1JJTC) bietet Zugang zu Aktien aus Industrie- und Schwellenländern weltweit, enthält jedoch keine kleinen Unternehmen (Small-Caps). Er umfasst trotzdem noch mehr als 2.400 Werte und setzt sich aus 47 Länderindizes (23 aus entwickelten Märkten und 24 aus Schwellenmärkten) zusammen.

Für junge Leute:

Lisa K., 22, Psychologiestudentin, hat von ihrer Großmutter 10.000 Euro geschenkt bekommen und möchte diese als Grundstock für ihre Alterssicherung nutzen. Welche ETF bieten sich dafür an?

Antwort: Lisa hat ebenfalls einen langen Anlagehorizont bis zur Rente. Daher bietet sich, so ETF-Experte Markus Jordan, auch für sie ein Aktien-Investment mit Fokus auf globale Industrie- und Schwellenländer an. Da sie über einen größeren Anlagebetrag verfügt, kann sie in zwei verschiedene ETF investieren und anhand der Verteilung des Anlagebetrages selbst über die Gewichtung von Industrie- und Schwellenländern entscheiden.

Wenn ihr ein reines Aktieninvestment zu risikoreich ist, kann sie auch nur einen Teil ihres Anlagebetrages in Aktien investieren, den anderen Teil kann sie auf ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto einzahlen. Als ETFs bieten sich hier der iShares Core MSCI World UCITS ETF (WKN: A0RPWH) in Verbindung mit dem iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF (WKN: A111X9) an. Mit dieser Kombination investiert Lisa in die 1.640 größten Unternehmen aus 23 Industrienationen weltweit plus circa 2.040 große, mittlere und kleine Aktienunternehmen aus Schwellenländern, wie zum Beispiel China, Indien und Brasilien. Eine Alternative hierzu bietet die Kombination aus dem Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF (WKN: A12CX1) und dem Vanguard FTSE Emerging Markets UCITS ETF (WKN: A1JX51). Eine mögliche Aufteilung ist, 70 bis 60 Prozent in Industrieländer und die restlichen 30 bis 40 Prozent in Schwellenländer zu investieren.

Fürs Mittelalter:

Bernd K., 45, Facharbeiter in der Automobilindustrie, hat 60.000 Euro geerbt und möchte diese sicher anlegen, aber natürlich mit mehr Ertrag, als die aktuellen Zinsen für Bankguthaben bringen.

Antwort: Bernd, so ETF-Experte Markus Jordan, sollte sein Vermögen zum Teil schon in sichere Anlagen investieren. Daher bietet es sich an, ein über verschiedene Anlageklassen gestreutes ETF-Portfolio aufzubauen. In dieses Portfolio gehören neben Aktien-ETF auch Anleihen-, Immobilien- und Rohstoff-ETF. Durch diese Vermögensverteilung erreicht Bernd eine maximale Risikostreuung und kann damit das Risiko der Gesamtanlage erheblich minimieren. Mit vier ETF kann er diese Strategie umsetzen. Dazu investiert er im Bereich Aktien in den Vanguard FTSE All- World UCTIS ETF (WKN: A1JX52), im Bereich Anleihen in den Lyxor EuroMTS Highest Rated Macro-Weighted Gov. Bond 1–3 Jahre (DR) UCITS ETF (WKN: LYX0Z6), für den Bereich Immobilien in den iShares Developed Markets Property Yield UCITS ETF (WKN: A0LEW8) und für den Bereich Rohstoffe in den Lyxor Commodities Thomson Reuters/Corecommodity CRB TR UCITS ETF (WKN: A0JC8F).

Eine sinnvolle Gewichtung ist 63 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen und je 3,5 Prozent in Immobilien und Rohstoffe. Eine weitere Alternative kann ein digitaler Vermögensverwalter sein. Diese Anbieter kümmern sich automatisch um die richtige Anlagestrategie und passen diese je nach Marktumfeld an. Digitale Vermögensverwalter nutzen meist auch ETF, kosten aber. Das Entgelt liegt je nach Anbieter zwischen 0,5 und einem Prozent.

Für Rentner: 

Das Ehepaar Inge und Hans B. ist seit 1. Januar in Rente und hat sich für die Altersvorsorge zusammen 200.000 Euro angespart, um sich auch im Ruhestand noch etwas gönnen zu können. Wie können sie ihr Geld in ETF so anlegen, dass es sich lohnt, sie aber trotzdem jederzeit Zugriff haben, um sich beispielsweise ihren Traum von einer Weltreise zu erfüllen?

Antwort: Die einfachste Lösung, so ETF-Experte Markus Jordan, für das Ehepaar ist eine Anlage in einem ETF-Portfolio. Bei einem ETF-Portfolio investiert der Anleger in verschiedene Anlageklassen. Diese ETF investieren neben Aktien und Anleihen auch in andere Anlageklassen wie Rohstoffe, Immobilien oder Geldmarkt. Sie verfolgen damit zwei wesentliche Ziele: Rendite und Streuung. Die Besonderheit: Das Ehepaar muss nicht in verschiedene ETF investieren, sondern kann bequem über einen ETF in eine breit gestreute Anlagestrategie investieren. Die Mehrkosten gegenüber einem Einzel-ETF-Portfolio liegen bei rund einem halben Prozent pro Jahr (je nach ETF-Portfolio).

Weiterer Vorteil: Über einen Auszahlplan könnte das Ehepaar monatlich für einen bestimmten Betrag ETF-Anteile verkaufen und so die Rente aufstocken. Auch Verfügungen von größeren Beträgen sind ohne Bindungsfristen jederzeit möglich. Inzwischen gibt es sogar fertige Portfolio-ETF mit unterschiedlichen Aktienquoten. Damit könnte das Ehepaar eine für ihr Risikoverständnis passende Anlagestrategie auswählen. Auch hier ist eine sinnvolle Alternative ein digitaler Vermögensverwalter, der das Kapital nach der Risikoneigung der Kunden verwaltet – natürlich mit ETF.

Und das sagt eine Aktienmillionärin zu ETF-Fonds

Wenn's um die Börse geht, dann gibt es kaum jemanden, der sich so viel Respekt erarbeitet hat wie Beate Sander. Selbst Vorstandsbanker suchen ihren Rat. Die ehemalige Berufsschullehrerin aus Ulm war schon 59, als sie begann, sich mit Aktien zu beschäftigten. Inzwischen hat sie aus rund 30.000 Euro Einstiegskapital ein (Aktien-)Millionenvermögen gemacht. Auch heute – mit 81! –beschäftigt sie sich täglich bis zu 16 Stunden mit der Börse. Was hält sie von ETF?

Sander: "ETF sind vor allem für Leute sinnvoll, die weder Lust noch Zeit haben, sich intensiver mit der Börse zu beschäftigen. EFT sind preiswert und jeder versteht sie. Und sie bieten sich besonders für junge Leute an, die etwas für die Altersvorsorge tun wollen und die noch wenig Geld haben. 1.000 Euro sollten's aber schon sein, die man investiert, weniger macht keinen Sinn."

Auch Sander hat ETF-Anteile. Einfach liegen lässt sie die aber natürlich nicht: "Wer sich intensiver damit beschäftigt, kann natürlich deutlich höhere Erträge erzielen." Ihr Tipp: ETF, die sich am M-Dax anlehnen, schneiden besser ab, als wenn man nur den Dax nimmt. Für interessant hält sie auch ETF, deren Dividenden reinvestiert werden. "Wenn's gut läuft, dann verdoppelt man so in 20 Jahren seine Anteile, ohne weiteres Geld investieren zu müssen."

Außerdem empfiehlt sie auch, zu splitten: Für 5.000 Euro würde ich fünf ETF zu je 1.000 Euro nehmen, die unterschiedlich riskant sind. Damit erhöhen sich dann die Chancen." Angst vor Verlust hat Sander keine. Sie meint: "Wer jetzt sein Geld auf dem Sparbuch hat, der verliert auf jeden Fall."

Lesen Sie auch: Mit diesem kleinen Trick sahnen Sie später 1.000 Euro Extra-Rente pro Monat ab.

tz

Das sind die fünf lukrativsten Geldanlagen der Welt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare