Coronavirus

Corona und Grippeviren: Wissenschaftler fürchten Rückkehr im November 

Harmlose Erkältungs-Coronaviren flauen im Sommer ab - sind aber im November wieder voll da. So könnte auch Corona zurückkehren - inklusive der Grippe. 

  • Seit Beginn der Corona-Pandemie* hoffen viele auf ein Abflauen der Infektion in den warmen Sommermonaten
  • Sämtliche Viren kehren dann im Winter mit neuen Mutationen zurück
  • Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befürchten gleichzeitige Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2* und anderen Grippeviren

Seit dem Auftauchen des neuartigen Coronavirus stellt sich die Frage, ob die Epidemie im Sommer abflauen wird – so wie Erkältungskrankheiten weniger werden und die Grippe für einige Monate gänzlich verschwindet. Die derzeit sinkende Zahl der Neuinfektionen könnte unter anderem auch darauf zurückzuführen sein. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Universitätsmedizin Essen, geht davon aus, dass auch Sars-CoV-2 von saisonalen Einflüssen abhängig ist. „Wir sehen, dass die Reproduktionsrate jetzt zum Sommer hin auch in jenen Ländern sinkt, wo die Kontaktverbote nicht so streng durchgehalten werden wie bei uns“, sagt der Virologe. „Diesen saisonalen Effekt sehen wir bei allen Coronaviren.“

Coronaviren sind anfällig gegen Hitze und UV-Strahlung

Die Gründe dafür sind komplex: Coronaviren zählen zu den Viren mit einsträngiger Ribonukleinsäure (RNA) statt doppelsträngiger DNA als Erbgut. Die RNA ist instabiler als die DNA, insbesondere gegenüber Hitze und UV-Strahlung. „Da die Viren in Tröpfchen durch die Luft fliegen, werden sie durch Sonnenlicht leicht deaktiviert“, erklärt Dittmer. Auch höhere Luftfeuchtigkeit mögen Coronaviren nicht. Hinzu kommt, dass das angeborene Immunsystem im Mundraum bei kalter Witterung weniger gut als bei warmen Temperaturen funktioniert.

Corona im Sommer: Sars-CoV-2 könnte nach Pause wieder voll zurückkehren, inklusive neuer Grippeviren

Die vier bekannten, in unseren Breiten kursierenden Coronaviren, die etwa für 20 bis 25 Prozent der Erkältungsinfekte verantwortlich sind, ziehen sich meist im Juni zurück und kommen erst wieder, wenn es kälter wird, sagt Dittmer. Sie sind dabei allerdings nicht völlig weg, sondern „übersommern“ in Menschen mit geschwächter Immunabwehr. „Wenn es kälter wird, verbreiten sie sich dann auch wieder verstärkt unter Menschen mit normal funktionierendem Immunsystem“, erklärt der Virologe.

Die Grippe zeige eine noch stärkere saisonale Abhängigkeit: „Sie verschwindet Ende März und kommt im November wieder“, erläutert Dittmer, „mit der Besonderheit, dass die Influenzaviren im Frühjahr von der Nord- auf die Südhalbkugel ziehen. Wenn wir Ruhe haben, leiden die Menschen in Australien unter der Grippe.“

Kombination aus Corona und Influenza möglicherweise besonders gefährlich - Experten empfehlen Grippeimpfung

Während der Reise um die Welt verändern sich die Influenzaviren – deshalb muss jedes Jahr ein neuer Grippeimpfstoff entwickelt werden. „Influenzaviren sind besonders mutationsfreudig und können sich leicht auch mit anderen verwandten Influenzaviren mischen“, sagt Ulf Dittmer. Oft zirkuliere in einer Saison mehr als nur ein einziges Grippevirus: Das sei auch der Grund, warum in der schweren Grippesaison 2018 so viele Menschen an Influenza gestorben sind, erklärt der Virologe: „Im Klinikum Essen haben wir Patienten behandelt, die sich mit zwei oder drei verschiedenen Grippeviren gleichzeitig infiziert hatten.“

Problematisch könnte es auch werden, wenn sich im kommenden Herbst und Winter Menschen möglicherweise mit Influenza und Sars-CoV-2* infizieren, sagt Dittmer – weshalb eine Grippeimpfung mehr denn je zu empfehlen sei.

Wissenschaftler sicher: Corona wird im Sommer nicht verschwinden

Darauf hoffen, dass das Sars-Coronavirus-2 wie sein Vorgänger, das 2002/2003 kursierende Sars-Coronavirus-1, im Sommer komplett verschwinden wird, könne man hingegen nicht, sagt der Wissenschaftler: „Sars-1 ist anders als das aktuelle Coronavirus sofort nach der Infektion in die tiefen Atemwege gewandert und hat deshalb immer schwere Infektionen verursacht und zu vielen Todesfällen geführt. Das erschwert dem Virus aber die Verbreitung“, erläutert Dittmer. „Viren, die weiter oben in den Atemwegen oder an beiden Stellen sitzen, haben es wesentlich leichter. Sars-CoV-2 gehört dazu. Das Virus wird im November wiederkommen.“

Von Pamela Dörhöfer

Rund um das neuartige Coronavirus herrscht viel Unsicherheit. Wir beantworten Fragen rund um Corona und die Lungenkrankheit Covid-19.*

*fr.de ist teil des bundesweiten Ippen Digital Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa

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