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FSME und Borreliose: Corona hilft Zecken – Infektionszahlen in Rekordhöhe befürchtet

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Von: Svenja Wallocha

Ein Warnschild mit dem Piktogramm einer Zecke hängt an einem Baum in einem Wald.
Ein Zecken-Rekordjahr folgt dem nächsten. Wer viel in der Natur unterwegs ist, sollte vorsichtig sein. (Symbolbild) © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die Corona-Pandemie und milde Temperaturen schaffen ideale Bedingungen für Zecken. Infektionskrankheiten wie FSME und Borreliose breiten sich stark aus. Wie Sie sich schützen können.

Frankfurt – Mit dem Frühling beginnt auch die Zecken-Zeit. Die Saison startet in Deutschland in der Regel im Februar und geht bis Oktober. Dieser Zeitraum kann sich bei entsprechenden Temperaturen jedoch verschieben. Expert:innen warnen bereits davor, dass bestimmte Zeckenarten als Folge der klimatischen Veränderungen schon früher nach Wirten suchen, die sie stechen können. Die oft unbemerkten Stiche können durchaus gefährlich für Menschen werden, denn Zecken übertragen Infektionskrankheiten wie Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Schon 2020 ist die Zahl der FSME-Fälle auf einen Rekordwert gestiegen, was nicht zuletzt mit der Corona-Pandemie* zu tun hatte. Denn im Lockdown zog es mehr Menschen bei gutem Wetter in die Natur. In Deutschland erkrankten so viele Menschen an FSME wie noch nie seit Beginn der Meldepflicht vor 20 Jahren, teilte bereits die Stuttgarter Universität Hohenheim mit. Auch für 2021 werden hohe Infektionszahlen erwartet. Damit setzt sich ein besorgniserregender Trend fort.

FSME und Borreliose: Warnung vor hohen Infektionszahlen – Zecken auf dem Vormarsch

„Ich erwarte das zweithöchste FSME-Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2001“, sagte Franz Rubel vom Wiener Institut für Öffentliches Veterinärwesen Anfang März. Überdurchschnittlich viele der kleinen Parasiten wird es im Laufe des Jahres geben. Das geht aus einer Prognose Rubels und anderer Forschenden der Vetmeduni Wien hervor, die auf Grundlage eines mathematischen Modells die Zeckendichte voraussagt. Das Prognosemodell wurde mit Zeckenbeobachtungen aus Süddeutschland im Zeitraum 2009 bis 2020 entwickelt. Nach dem Modell wird mit bundesweit 540 FSME-Fällen im laufenden Jahr gerechnet. In dieser frühen Prognose ist jedoch ein Punkt noch nicht einbezogen.

JahrFSME-Erkrankungen in Deutschland
2020704
2019445
2018583
Quelle: RKI

Denn wie bereits 2020 wird die Corona-Pandemie auch 2021 Einfluss auf das Freizeitverhalten haben. Mildes Wetter und steigende Temperaturen werden viele Menschen ins Freie locken. Lange Wanderungen und andere Outdoor-Aktivitäten finden in der Natur auf Wiesen und in Wäldern statt. „Wir brauchen da noch etwa zehn Prozent Corona-Aufschlag“, sagte Rubel. Nach 704 FSME-Erkrankungen im vergangenen Jahr, erwartet Rubel daher insgesamt rund 600 Fälle im Jahr 2021.

Doch wie können sich die Menschen vor Zeckenstichen und einer Erkrankung mit FSME und Borreliose schützen?

Zecken übertragen FSME und Borreliose: Wie sich Menschen vor Stichen schützen können

Vor allem Menschen, die in Risikoregionen wohnen, in denen viele Zecken* aktiv sind, sollten vorsichtig sein. Gegen FSME gibt es eine Impfung. Die meisten FSME-Infizierten bleiben zwar beschwerdefrei, aber in schweren Fällen kann diese Viruserkrankung zu einer Gehirnentzündung führen und das Rückenmark schädigen. Das Ansteckungsrisiko in Risikogebieten ist von Region zu Region unterschiedlich. Insgesamt, so Expert:innen, liegt die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich in einem Risikogebiet bei 1:50 bis 1:100.

Menschen, die sich in der Natur aufhalten und ein Risiko für Zeckenstiche haben, sollten sich impfen lassen. In Risikogebieten wie Baden-Württemberg und Bayern werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen. Gegen eine Borreliose-Infektion gibt es dagegen keine Impfung, hier hilft nur Vorsicht. Auf einige Dinge gilt es zu achten, wenn man sich länger im Freien aufhält.

Zecken in der Natur: „Wenn ein Mensch vorbeikommt, hält sie sich fest“

Zecken kommen überall dort vor, wo es Pflanzen gibt. Was viele jedoch nicht wissen: Zecken fallen nicht von Bäumen und sie können auch nicht springen. Stattdessen klettern sie auf Grashalme oder Büsche. „Wenn ein Tier oder ein Mensch vorbeikommt, wird sie bei Kontakt abgestreift und hält sich fest“, heißt es auf der Seite des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Spinnentiere sind also in einer Höhe von weniger als einem Meter, häufig sogar nur zwischen 10 und 50 cm über dem Boden zu finden. Es gibt jedoch auch Arten, die aktiv auf den Menschen zukrabbeln.

Zecken stechen oft an geschützten Stellen am Körper, damit sie nicht Gefahr laufen vom Wirt herausgerissen zu werden. Solche Stellen sind der Kopf aber auch an den Achseln, Ellenbeugen, Bauchnabel, im Genitalbereich oder den Kniekehlen. Der Körper sollte nach Spaziergängen in der Natur also gründlich abgesucht werden. Findet sich eine Zecke, gilt es, sie sofort zu entfernen* und die Stelle zu beobachten. Zeigt sich an der Stelle eine Rötung, die immer größer wird, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Schutz vor Zeckenstichen bietet geschlossene Kleidung und festes Schuhwerk. (svw mit dpa)*fr.de, merkur.de und 24vita.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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