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Wimmelbild im Wohngebiet: Das dürfen Autofahrer im „verkehrsberuhigten Bereich“

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Von: Marcus Efler

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Oft falsch als „Spielstraße“ bezeichnet, beginnt hinter dem blauen Schild ein „verkehrsberuhigter Bereich“. Autofahrer haben besondere Pflichten – dürfen aber etwas, das sonst verboten ist.

München – Groß, blau, mit Haus und Kind und Ball darauf: Die Geschichte dieses Verkehrsschildes ist voller Missverständnisse. Und zwar seit den ersten Modellprojekten Ende der 70er, und erst Recht seit der Aufnahme in die Straßenverkehrsordnung (StVO) 1980. „Spielstraße“, denken viele Autofahrer beim Anblick dieses Wimmelbildes – und bremsen auf 30 km/h ab.

Und haben damit schon zwei Fehler begangen. Der erste: Das Zeichen 325.1 weist keine Spielstraße aus (in eine solche dürfen, wenn überhaupt, nur Anlieger einfahren), sondern einen „verkehrsberuhigten Bereich“. Wie eine „Fahrradstraße“ ist der für Autos zwar freigegeben, aber wer – Fehler Nummer zwei – dort mit besagten 30 km/h durchbrettert, riskiert nach dem aktuellen Bußgeldgeldkatalog einen Punkt in Flensburg.

Wimmelbild im Wohngebiet: Das dürfen Autofahrer im „verkehrsberuhigten Bereich“

Denn es gilt Schrittgeschwindigkeit. Was die Sache auch nicht gerade einfacher macht, da dieser Begriff nicht genau definiert ist. Radarmessgeräte schlagen meist ab 10 km/h an, aber vor Gericht werden bei der Klärung der Schuldfrage nach einem Crash auch mal 7 oder 15 km/h angesetzt. Mit Tacho-Anzeige 10 ist man wahrscheinlich auf der sicheren Seite – wenn man sonst alles richtig macht, vorsichtig fährt und es erst gar nicht erst zu einem Unfall etwa mit einem Radfahrer kommt.

Allerdings sind auch manche Radler etwas zu flott unterwegs. Denn das Schritttempo gilt auch für sie (und E-Roller). Die verbreitete Annahme, Fahrradfahrer und Fußgänger hätten hier gegenüber Autos grundsätzlich Vorrang, ist ebenfalls falsch: Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt. So gilt an Kreuzungen ganz gewöhnlich rechts vor links.

Wimmelbild im Wohngebiet: Rücksicht statt starrer Gesetze

Immerhin dürfen Radler, Fußgänger und spielende Kinder die ganze Fahrbahn nutzen – dabei den übrigen Verkehr aber nicht behindern. Noch so eine Gummi-Regelung. „Weghupen“ von radelnden Rentnern ist jedenfalls nicht wirklich empfehlenswert. Im Großen und Ganzen setzt das Konzept des „verkehrsberuhigten Bereiches“ mehr auf gegenseitige Rücksichtnahme (wie auch bei verengten Fahrstreifen) als auf starre Gesetzestexte, eine „erhöhte Sorgfaltspflicht“ gilt für alle.

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Schild „verkehrsberuhigter Bereich“
Hinter diesem Schild beginnt der „verkehrsberuhigte Bereich“. (Symbolbild) © Jan Woitas/dpa

Wimmelbild im Wohngebiet: Parken entgegen der Fahrtrichtung erlaubt

Die sollten Autofahrer auch beim Parken beachten. Denn einfach das Auto an den nächstbesten Laternenpfahl stellen (der möglicherweise diesen merkwürdigen Ring zeigt), könnte einen Strafzettel zur Folge haben. Parken ist nämlich grundsätzlich erst mal verboten, auch wenn keine entsprechenden blau-roten Schilder darauf hinweisen. Nur auf speziell dafür gekennzeichneten Flächen ist es erlaubt – und dann, anders als in normalen Straßen, auch entgegen der Fahrtrichtung.

Autofahrer haben hinter dem Wimmelbild also nicht nur mehr Pflichten, sondern dürfen in diesem Fall sogar mehr. Damit ist es nach dem Losfahren allerdings wieder vorbei. Bei der Ausfahrt aus dem „verkehrsberuhigten Bereich“ auf eine normale Straße gilt dieselbe Regelung wie bei der von einem Privatgrundstück: Alle anderen haben Vorfahrt.

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