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Horex-Motorräder: Die neue Auflage kommt aus Landsberg

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Ein edles Stück: die Horex VR6.

Lange war es ruhig um Horex. So ruhig, dass Motorradenthusiasten das Ableben der Traditionsmarke befürchteten. Doch jetzt darf der Sechszylinder wieder brüllen.

Nach dem Aus der Augsburger Motorradschmiede im Jahr 2014 hatte zwar das Unternehmen 3C-Carbon aus Landsberg am Lech zum 29. Januar 2015 Maschinen, Motorräder, Teile, Marken und Patente gekauft, aber außer zwei limitierten Sondermodellen namens Silver Edition und Black Edition kamen in der Zeit danach keine verlässlichen Nachrichten, die auf einen Fortbestand oder gar eine Weiterentwicklung der Marke schließen ließen.

Pro Tag werden zwei Horex-Motorräder gefertigt

Nun hat Karsten Jerschke angekündigt, dass auf der Motorradmesse Intermot in Köln (3. bis 7. Oktober) ein neues Modell stehen werde. Und der Chef und Macher von 3C-Carbon hat unsere Redaktion gleich zu einer Probefahrt mit einem aktuellen Modell gebeten. "Wir haben das VR6-Prinzip beibehalten", erzählt Karsten Jerschke über die Aktivitäten in der Zeit seit der Übernahme, "aber an den Motorrädern haben wir jede Schraube in die Hand genommen." Und so gut wie keine weiter verwendet. Das Konzept mit dem eng gebauten Sechszylinder-V-Motor sei gleichgeblieben, alle beweglichen Teile habe man aber im Grunde ausgetauscht. Die technische Kompetenz hat die 3C-Carbon Group. Das Unternehmen fertigt Spezialteile für die Autoindustrie, die Formel 1 und den Flugzeugbau. Zudem ist man erfolgreich im Motorradrennsport zugange.

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In einer Manufaktur entstehen nun pro Tag zwei Horex-Motorräder, jedes versehen mit dem Namen des Erbauers auf einer kleinen Plakette. Und geschaffen mit edlen Komponenten: Rahmenheck und vorderer Kotflügel sind aus Carbon, das Zentralfederbein wird auch in der Motorradmeisterschaft IDM verwendet (und schlägt mit rund 2.000 Euro zu Buche) und als Krönung das aus dem Vollen gefräste Tankemblem – natürlich von Hand lackiert. Das hat seinen Preis. Bei 38.500 Euro startet die Liste für die beiden Versionen Classic und Café Racer, die dank individueller Gestaltungsmöglichkeiten noch ein gutes Stück nach oben verschoben werden kann.

Horex in Ingolstadt und Bad Homburg kaufen

Die Kundschaft kann’s offensichtlich verschmerzen. Eine mittlere dreistellige Stückzahl sei bereits ausgeliefert, sagt Karsten Jerschke. An Kunden, die "eine große Liebe und Verständnis für ein Exzellence-Produkt haben", die oft schon viele andere Motorräder gefahren sind und die eine große Technikbegeisterung hätten. "Sie sehen das Außergewöhnliche und überlegen sehr genau, was sie kaufen und fahren." Im Übrigen wären auch die historischen Horex-Motorräder immer etwas teurer als die Mitbewerber gewesen: "In den 1950er Jahren war eine Horex doppelt so teuer wie eine BMW."

Derzeit gibt es sogenannte Flagship Stores in Ingolstadt und der Horex-Geburtsstadt Bad Homburg. Im kommenden Jahr soll in Landsberg ein weiterer entstehen. Das Vertriebsnetz werde sukkzessive ausgebaut. Nicht mit Exklusiv-Händlern, "aber mit exklusiver Betreuung". Und mit neuen Modellen: 2019 dürfte noch eine Horex mit komplett neuem Antrieb präsentiert werden. Mit der Ruhe ist es also definitiv vorbei.

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Fahrbericht Horex: Unterwegs mit der VR6 Classic

Natürlich fährt der Horex-Chef auch selbst. Leider aber derzeit nur dienstlich, für Genussfahrten habe er momentan keine Zeit. Zu viel zu tun. Aber die Fotofahrten für den aktuellen Prospekt hat Karsten Jerschke höchstpersönlich gemacht. Das betont er im Gespräch und lässt eine VR6 Classic für unsere Redaktion vorfahren. "Sie ist ein Big Bike mit dem Handling einer 600er", gibt er uns zum Start mit auf den Weg. Super handlich sei sie, Sound und Fahrerlebnis auch vom Allerfeinsten. Viel Vorschusslorbeeren also vom Chef.

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Zunächst aber sticht das Riesen-Cockpit mit den Dimensionen eines mittleren Tablet-Computers ins Auge. Da können jede Menge Informationen übersichtlich präsentiert und leicht abgelesen werden. Ob es aber zum Klassik-Stil des Motorrades passt, liegt im Auge des Betrachters. Wir haben uns über die Fülle der Anzeigen gefreut, die man zur Abfrage nicht mühsam durchklicken muss. Das kann man natürlich auch und in Kürze sei auch das Thema Connectivity spruchreif. Dann wird der Startknopf gedrückt.

Impressionen: Horex-Motorräder

Horex: 163 PS und riesiges Cockpit haben ihren Preis

Der Sechszylinder erwacht zum Leben, klingt aber erst einmal relativ zahm. Alles, was man zum Fahren wissen muss, erschließt sich einem sofort – Schalter, Hebel, Griffe sind genau da, wo man sie braucht. Es stellt sich sofort das Gefühl ein, dieses Bike zu kennen. Und man vergisst gleich, dass man ein Zweirad aus dem sehr gehobenen Preissegment bewegen darf. Respekt ja, aber Ehrfurcht ist nicht nötig. Der erste Gang lässt sich problemlos einlegen (die weiteren fünf natürlich auch), alles funktioniert exakt und leichtgängig. Nach eher verhaltenen ersten Metern dürfen die Pferdchen nach dem Ortsschild dann endlich rennen. 163 PS leistet der VR6, was genügen sollte, die 242 Kilogramm schwere Horex ordentlich auf Trab zu bringen. Und das tut der Motor. Und zwar auf eine sehr souveräne Weise. Im unteren Drehzahlbereich geht es eher dezent zur Sache, dann aber entweicht aus den beiden Auspuffrohren ein mächtiger Sound.

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Wir konzentrieren uns aber lieber aufs Fahren. Dank des gegenüber den ersten Horex-Modellen niedrigeren Schwerpunkts liegt die Classic sauber und satt auf der Straße, setzt Lenkbefehle exakt um und lässt sich problemlos um Kurven dirigieren. Immer wieder muss man den Blick vom riesigen Cockpit losreißen, in dem auf dem LED-Display eine verführerische Vielfalt an Informationen angezeigt wird. Bis knapp über 10.000 U/min kann man den Motor drehen lassen, die Hälfte reicht aber bereits, um mehr als zügig unterwegs zu sein. Dank exzellenter Bremsen wird aber allzu üppiger Vorwärtsdrang jederzeit wieder in zivilisierte Bahnen gebracht. Die Lorbeeren, die Karsten Jerschke vor unserer leider viel zu kurzen Fahrt so üppig verteilt hat – wir können sie nun bestätigen. Die VR6 Classic hält, was versprochen wurde. An den Preis wollen wir aber lieber nicht denken.

vp

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