Zwei Bücher über Krupp von Harold James und Diana Maria Friz

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Legendenpflege: Das Kruppsche Stammhaus von 1818/19 neben der ThyssenKrupp-Zentrale in Essen. ▪

Von Elisabeth Elling ▪ Der Krupp-Mythos glänzte lange Zeit nicht besonders. Der US-Historiker William Manchester identifizierte 1968 braune Rostflecken in der Vergangenheit des Stahlkonzerns. Sein „Krupp“-Buch war eine Skandalgeschichte über die Essener Fabrikanten, die in den Kriegen von Kaiser und Führer Geschäfte machten und Zwangsarbeiter quälten. Griffig, aber grob und fehlerhaft war diese Bild; Manchesters Werk ist längst selbst ein Zeitzeugnis.

Wie die Einschätzung des Konzerns sich versachlicht hat, zeigt Harold James‘ „Krupp“-Studie. Der Wirtschaftshistoriker von der US-Universität Princeton sucht nicht die steile These, sondern dröselt die Unternehmensgeschichte auf. Dabei liefert er keinen Persilschein zum im Vorjahr gefeierten 200-jährigen Firmenjubiläum, sondern zieht manches kritische Fazit. Das Verhalten im NS-Staat etwa hält er für schäbig – aber im Kontext der deutschen Wirtschaft für wenig auffällig. Groß machten Krupp nicht Kanonen, sondern zivile Produkte wie Münzstempel und Eisenbahnreifen. Die Legenden der Gründerjahre – so war Friedrich Krupp 1824 fast bankrott und zog mit Frau und Kindern aus der Villa in die Fachwerk-Kate, die später am Stammhaus nachgebaut wurde – ordnet James in größere Zusammenhänge ein. Doch schrumpft seine Distanz, je näher er der Gegenwart kommt. Die heutige Kruppstiftung unter dem Patriarchen Berthold Beitz lobt er als „Gemeinwohl-Kapitalismus“. Beitz ist der letzte in der Reihe der Krupp-Kapitäne, die James porträtiert.

Diana Maria Friz beschränkt sich auf eine Figur der dynastischen Folge: Bertha Krupp (1886-1957). Friz ist ihre Enkelin und schildert „Das Leben meiner Großmutter“, die als 16-Jährige nach dem skandalumwitterten Tod ihres Vaters das Imperium erbte. Ihre Biografie erschöpft sich jedoch in einer Fülle aus Fotos, Zeichnungen, Dokumente und belanglosen Vertraulichkeiten. Der Wahrheitsfindung dient es kaum, wenn Berthas findiger Gatte Gustav Krupp von Bohlen und Halbach ständig unter seinem Spitznamen „Taffy“ auftaucht oder wenn Hausdame Christel Kronen („Krönchen“) haarklein schildert, dass die Patriarchin sich endlich einen neuen Mantel nähen lässt, weil sie doch mit der „alten Wurscht“ nicht länger herumlaufen könne.

Die Bücher:

Taylor James: Krupp. Deutsche Legende und globales Unternehmen. Aus dem Englischen von Karl-Heinz Silber. Verlag C.H. Beck, München, 343 S., 19,95 Euro

Diana Maria Friz: Bertha Krupp und ihre Kinder. Das Leben meiner Großmutter. dtv premium, München. 344 S., 19,90 Euro

Quelle: wa.de

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