ARD zeigt „Tatort“ aus Wien: „Vergeltung“

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Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine neue Assistentin Bibiane Fellner (Adele Neuhauser) in „Vergeltung“. ▪

Von Kathrin Nolte ▪ Als Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) zu einem Tatort in einer Wiener U-Bahnstation gerufen wird, erwartet ihn ein Bild des Schreckens. Es ist bereits das dritte Opfer, ein jugendlicher Gewalttäter, der rechtskräftig verurteilt ist. Er wurde genauso umgebracht, wie er selbst sein Opfer getötet hatte. Ein Schnitt durch die Kehle. Der Wiener Tatort „Vergeltung“ nimmt sich der Jugendkriminalität mit einem packenden Fall an.

Nicht nur einen Serienmörder muss Moritz Eisner überführen, auch seine neue Assistentin bereitet ihm einiges an Kopfzerbrechen. Bibi Fellner (Adele Neuhauser), die er schon als Kollegin von der Sittenpolizei kennt, soll dem Einzelgänger Eisner unterstützend zur Seite stehen. Doch Fellner ist gezeichnet von ihrem Job und alkoholkrank, weshalb der Chefinspektor ihr zunächst kein großes Vertrauen schenkt. Er erwischt Fellner beim heimlichen Schnapstrinken auf einer Toilette. „Entweder ich rufe unseren Chef an oder Du hörst auf zu saufen“, stellt Eisner ihr ein klares Ultimatum. Bibi Fellner entscheidet sich für die Arbeit und kämpft fortan standhaft gegen ihre Sucht an. Die österreichische Schauspielerin Neuhauser mimt überzeugend eine Kollegin, die immer wieder zum Problem wird und gleichzeitig durch ihre unkonventionelle Art die Lösung des Falls vorantreibt.

Die von Drehbuchautor Uli Brée geschriebene und von Regisseur Wolfgang Murnberger, der 2007 bereits einen Krassnitzer-„Tatort“ gedreht hatte, inszenierte Geschichte ist von einer bedrohlich wirkenden Ernsthaftigkeit durchzogen und dazu noch erschreckend aktuell. Das Thema der Jugendgewalt zieht sich in den verschiedensten Varianten durch den „Tatort“. Sei es ein Prügel-Video auf dem Handy, das sich ein paar Halbwüchsige im Bus belustigt anschauen, oder Gewalt-Computerspiele, die eines der Opfer zu seinen Hobbys zählte. Das soziale Umfeld der Jugendlichen ist breit gefächert: von der überforderten Unterschichtenfamilie über den biederen Mittelstand, dem die Zeit fürs Kind fehlt, bis hin zur Schlagerqueen, die sich nur für sich selbst interessiert.

Vieles bei der Mordserie deutet auf das Motiv Rache eines der damaligen Opfer hin. Eine erste Spur führt die beiden Ermittler zu der therapeutischen Einrichtung „Pro Youth“, die sich auf die Resozialisierung jugendlicher Gewalttäter spezialisiert hat. Alle Opfer waren bei Dr. Jochen Schmitz (Harald Schrott) in Behandlung, und jedes war ein Problemjugendlicher, der schon früh mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Die Tochter der Schlagersängerin Jaqueline Stein (Aglaia Szyszkowitz) wird brutal zusammen geschlagen und schwebt in Lebensgefahr. Auch sie wurde von Dr. Schmitz behandelt – genauso wie Kira (Rasa Weber), die Bibi Fellner während ihrer Zeit bei der Sitte kennen lernte.

Dem Ermittler-Duo bleibt keine Zeit zum Durchatmen. Plötzlich nimmt das Geschehen eine unerwartete Wende, als Moritz Eisner auf dem Überwachungsvideo von der U-Bahnstation entdeckt, dass der Mörder schwarz lackierte Fingernägel hat. Ist der Täter eine Frau? Eisner vertraut seiner Kollegin im entscheidenden Moment und lässt sich auf ihre Idee ein, um dem Mörder eine Falle zu stellen...

Die Klischees und Vorurteile, die in den Medien und in der Öffentlichkeit mit Jugendgewalt in Verbindung gebracht werden, finden in „Vergeltung“ ihren Platz. Dem Handlungsablauf tut dies aber keinen Abbruch. Bis zuletzt fiebert man der Auflösung entgegen und fragt sich, ob die eigene Vorahnung bestätigt wird.

ARD, so, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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