ZDF zeigt Stieg Larssons „Millenium“-Trilogie

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Ungewöhnliches Paar: Hackerin (Noomi Rapace) und Journalist (Michael Nyqvist) in „Millenium: Verblendung“. ▪

Von Andreas Sträter ▪ Lisbeth Salander ist wie ein dunkler Raubvogel auf Rachemission gegen das weltumspannende Frauenhassertum. Stieg Larssons Anti-Heldin ist eine Hackerin, immer schwarz gekleidet, das Gesicht mit Ringen durchstochen, auf ihrem Rücken trägt sie einen mächtigen Drachen. Noomi Rapace und ihre perfekte Verkörperung der Lisbeth Salander haben den schmal budgetierten „Millenium“-Dreiteiler zu einem international beachteten Kinoerfolg gemacht. Das ZDF war an der deutsch-schwedischen Großproduktion beteiligt – und zeigt, wie gut Krimis jenseits der üblichen Ermittler-Paarungen sein können.

Lisbeth Salander hat einen knallharten Partner: Der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) ist ein Getriebener mit feinem Gespür für Unrecht und unlautere Machenschaften. Er lässt nicht locker, wenn er Brisantes aufdecken will. Für Blomkvist endet eine juristische Auseinandersetzung mit einer Verurteilung. Weil er beruflich unter Druck steht, nimmt Blomkvist einen hoch dotierten Auftrag des Patriarchen Hendrik Vanger (Sven-Bertil Taube) an, im Fall des Jahrzehnte zurück liegenden Verschwindens seiner Nichte Harriet zu recherchieren. Gemeinsam mit Lisbeth begibt sich der Journalist auf Spurensuche – und entdeckt die finsteren Abgründe einer heillos zerstrittenen Familie, die bis in die Nazi-Zeit zurück reichen. Durch ihre hervorragenden Computerkenntnisse wird auch Lisbeth zur Gefahr – vor allem für die Menschen, die ihr Böses wollen und mit denen sie nach und nach abrechnen will.

Während der erste Teil elegisch die perversen Abgründe einer Industriellenfamilie zelebriert, stürzen sich Teil zwei und drei in komplizierte Verflechtungen, bei denen es um Mädchenhandel und Vergewaltigung, Wahrheit und Lüge geht. Aber genau die zeichnen die wuchtige Doppelbödigkeit und die düstere Magie der erfolgreichen Wälzer aus. Fast 50 Millionen Exemplare hat Stieg Larsson in Deutschland verkauft, 200 Millionen Dollar Umsatz spülten die Kinofilme in die Kassen. Diesen Riesen-Erfolg hat Larsson selbst nicht erleben können: 2004 starb der Romanautor, der als Journalist Experte für Rechtsradikalismus und als solcher auch Herausgeber und Chefredakteur des schwedischen Magazins „Expo“ war.

In je zwei Mal 90 Minuten erzählen „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ atmosphärisch-dicht von einer übergroßen politischen Verschwörung. Die Regisseure Niels Arden Oplev und Daniel Alfredson haben den Stoff ursprünglich fürs Fernsehen entwickelt und mussten die Filme dann für das Kino stutzen. Die zusätzliche halbe Stunde der Fernsehfassung gegenüber der Kinoversion gibt der Geschichte mehr Raum zu atmen. Die Filme setzen vor allem den Dialog als Handlungsmotor ein, und wo es auf psychologisierende Elemente ankommt, geht die Kamera nah heran. Daraus erhebt sich die Skizze einer düsteren, verdorbenen Welt, in der Menschen nicht mehr fähig scheinen, Beziehungen einzugehen. Und so liegt in der stummen Scheu zwischen Blomkvist und Salander gleichzeitig eine große Zärtlichkeit.

Auch Hollywood möchte aus dem gewaltigen Stoff Profit schlagen und verfilmt die Romane derzeit mit bekannten US-Schauspielern neu. Bei der Besetzung von „The Girl With The Dragon Tattoo“, so der englische Titel, hat Regisseur David Fincher nichts anbrennen lassen: „Bond“ David Craig spielt Blomkvist, Robin Wright eine Nebenrolle. In die Rolle der Lisbeth schlüpft die relativ unbekannte Jungschauspielerin Rooney Mara, die wohl ewig im Schatten der großen Wucht stehen wird, mit der Rapace die Anti-Heldin verkörperte. Mara ist bekannt aus dem Horrorfilm „Nightmare On Elm Street“. Die Begegnung mit Freddy Krueger war keine schlechte Übung – als Lisbeth kommen aber fiesere Scheusale auf sie zu.

ZDF, sechs Teile, jeweils so, 22 Uhr

Quelle: wa.de

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