Die ARD zeigt in „Sherlock – Der leere Sarg“ die Rückkehr des Meisterdetektivs

+
Er ist zurück – und die Reporter haben viele Fragen an den Meisterdetektiv. Szene aus „Sherlock“ mit Benedict Cumberbatch (Mitte) und Martin Freeman (rechts).

Von Ralf Stiftel Zwei Jahre lang hat John Watson um seinen Freund Sherlock Holmes getrauert. Jetzt sitzt er im Restaurant seinerFreundin Mary Morstan gegenüber und ringt um Worte für einen Heiratsantrag. Da nimmt der Kellner die Brille ab, vergisst den französischen Akzent und sagt nach einer langen Pause: „Nun, die Kurzfassung: Nicht tot!“

Der Meisterdetektiv hat sich nicht vom Dach gestürzt, wie Watson im „Reichenbachfall“ glaubte. Er lebt, sein sinistrer Bruder Mycroft, Agent beim MI6, hat ihn aus einem serbischen Folterkeller geholt („Tut mir leid, der Urlaub ist vorbei“). Terroristen planen einen Anschlag in London. Sherlock wird gebraucht. Und er braucht Watson. Jetzt könnte es losgehen in der Auftaktfolge zur dritten Staffel, „Der leere Sarg“. Aber zunächst muss Sherlock seinen tief gekränkten Freund versöhnen. Und er muss ihn überzeugen, den Schnurrbart abzurasieren: „Ich kann mich nicht mit einem alten Mann sehen lassen.“

2010 machte die BBC mit ihrer Übersetzung des Detektivklassikers ins 21. Jahrhundert weltweit Furore. In 180 Länder wurde die Serie verkauft, und die Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch (Sherlock) und Martin Freeman (Watson) starteten eine Hollywood-Karriere. Und die Fans waren begeistert. Ein Leichenwagen fuhr im Dezember 2013 durch London mit dem Sendedatum der ersten Folge der dritten Staffel.

Das Warten hat sich gelohnt. Holmes’ Rückkehr wird meisterlich mit britischem Humor inszeniert von Regisseur Jeremy Lovering und Autor Mark Gatiss. Schon der Trick, mit dem das Superhirn sein Ableben vorgaukelte, wird zum Running Gag. Der Zuschauer sieht das in immer neuen Variationen, mal wird ein Bungeeseil eingesetzt, mal sitzen der Detektiv und sein Erzfeind Moriarty als schwules Paar kichernd auf dem Dach. Ein Holmes-Fanclub versucht zu beweisen, warum sein Idol noch leben muss. Natürlich trifft nichts davon die Wahrheit.

„Der leere Sarg“ zeigt die Rückkehr des funktionellen Soziopathen, der die Polizei berät, wieder in hinreißend verwirrenden Bildern. Nie weiß man, ob das, was man gerade sieht, wirklich passiert, ob es erzählt wird, ob man einem Tagtraum folgt. Wo andere Serien gern mal Erklärungen ausbreiten, hält sich Sherlock an die Kurzfassung. Da kann dann ruhig etwas mehr passieren.

Das ist auch so superb gefilmt. Als Holmes Watson von seinem Überleben in Kenntnis setzt, betritt er das Nobelrestaurant und verkleidet sich als französischer Kellner, und das wird als ein Bewegungsablauf gezeigt, wie eine Choreografie von höchster Präzision, zu einem swingenden Chachacha. Wieder erlaubt uns eine gnädige Regie Einblicke ins Hirn des Genies, blendet bei einer rasanten Motorradfahrt durch London sozusagen sein Hirnnavi ein mit den Minuten bis zum Ziel. Mobiltelefone und Rechner sind tragende Elemente der Handlung, SMS springen wie Pop-Ups ins Bild. Wenn Holmes Watsons Verlobte analysiert, dann umgibt sie plötzlich ein Nebel von Begriffen: „Einzelkind, verstecktes Tattoo, kurzsichtig, clever, Lügnerin, Backt Brot selbst...“ So liest er die Welt. Und wenn er in seinem „Gedächtnispalast“ eine Erinnerung aufspürt, dann wird das vollends zum Bilderrausch mit Überblendungen, Verfremdungen und Schrift.

Mary Morstan bereichert eine ohnehin schon opulente Filmerzählung. Amanda Abbington, blass, blond, sehr britisch, verkörpert eine überaus undurchsichtige Frau, die den Ermittlern mehr als einmal weiter hilft. Das alte Team läuft ebenfalls zu großer Form auf, allen voran Mrs Hudson (Una Stubbs), die Watson und Holmes für ein Paar hielt.

Der Terroranschlag auf das Parlament spielt nicht zufällig am Guy-Fawkes-Day, und einige Handlungselemente sind der Comic-Verfilmung „V wie Vendetta“ nachempfunden (aber verändert, schon weil das Parlament stehen bleibt). Das schmälert das Vergnügen an einer intelligenten, spannenden und hochkomischen Erzählung nicht im Geringsten.

Die beiden weiteren Folgen werden an Pfingsten ausgestrahlt. In der Folge „Im Zeichen der Drei“ muss Holmes nicht nur einen Mord im verschlossenen Raum lösen, sondern auch die Festrede zu Watsons Hochzeit halten. Und in „Sein letzter Schwur“ trifft er auf einen Gegner, der Moriarty – und damit auch ihm – ebenbürtig ist.

ARD, Donnerstag, 21.45 Uhr, weitere Folgen 8. und 9. Juni

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare