ARD zeigt „Im Fluss des Lebens“

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Ruth Maria Kubitschek und Charles Brauer in „Im Fluss des Lebens“. ▪

Von Andreas Sträter ▪ Ihr neuer Roman erzählt vom Tod und von der Liebe. Im wahren Leben kommt der Autorin Agnes Berg das Thema leidvoll nahe: ihre Tochter Johanna ist mit ihrem Ehemann tödlich auf Mallorca verunglückt. Agnes Berg ist im Film „Im Fluss des Lebens“ eine starke Frau, die dem Ruf ihres Herzens folgt. Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek folgt in der ARD-Degeto-Produktion den Anweisungen aus ihrem eigenen Roman. Starke Frauenfiguren liegen Ruth Maria Kubitschek – wenngleich sie mit dieser überzuckerten Schnulze in allzu weiche Gewässer schippert. Regisseur Wolf Gremm ordnet alle weiteren Figuren der starken Protagonistin unter.

Schriftstellerin Agnes Berg fährt mit einem seltsamen Gefühl auf die Insel, denn ausgerechnet zwischen ihr und ihrer verstorbenen Tochter Johanna herrschte nach einem schmerzlichen Streit jahrelang Funkstille. An den übrig gebliebenen Kindern will Agnes Berg wieder das gut machen, was sie als Mutter versäumt hat: Sie will sich um die Kleinen kümmern und ihnen Wärme und Geborgenheit schenken. Doch die Kinder kennen ihre Oma nicht und fremdeln. Auch das Kindermädchen Inez (Marijam Agischewa) macht der alten Dame Vorhaltungen. Doch die Stimmung unter der Sonne des Südens wird besser, als sie Richard Guttmann (Charles Brauer) kennen und lieben lernt. Seine Rollenzuweisung sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: Anwalt und Freund der Familie. Dazu trägt er einen Hut. Dann tritt noch Maria (Ellen Schwiers), die Mutter ihres unbekannten Schwiegersohns, ins Leben von Agnes Berg. Die beiden freunden sich an.

Im Film überwiegen anfangs Schuldgefühle und Schmerz, später siegt die Liebe. So weit, so trivial. Dramatisch wird das vorsehbar inszenierte Stück zu keinem Zeitpunkt. Die Dialoge werden in den schönsten Gärten Mallorcas vorgetragen, es gibt Bilder von Land und Leuten, und zum Essen werden von der Dienerin gefüllte Feigen mit Walnüssen serviert. Der Zuschauer hat das seltsame Gefühl, dass der Tod zweier liebgewonnener Mensch immer mehr zur Nebensache wird. Regisseur Gremm verzichtet auf Konflikte und setzt auf ein Gebet. Als Ruth Maria Kubitschek neben ihrer auf dem Leichenbett liegenden toten Filmtochter steht, schickt sie ein Gebet in den Himmel und sagt: „Geliebte göttliche Mutter, hülle diese beiden Seelen in deine Gnade und führe sie heim ins Licht.“ Dazu drückt die Kubitschek herrlich auf die Tränendrüse.

Drehbuchautor Mathias Klaschka hat sich darauf beschränkt, alltägliche Situationen der neuen Familie aneinander zu reihen – und zeigt Kubitschek mit Anhang am Esstisch, im Kinderzimmer, bei der Beerdigung und im Gespräch im feudalen Wohnhaus. Die Bilder, die er findet, sind zweifelsohne wunderschön. Was fehlt, ist die Wahrheit. Denn diese Situationen stimmen irgendwie nicht. Die Situationen stehen einfach so im Raum, sie sind behauptet, lustlos gespielt, ohne jegliche innere Spannung. Negativ fällt Katerina Jakob, bekannt aus dem „Bullen von Tölz“, auf, die als die beste Freundin seltsam blass und künstlich rüber kommt. Ein bisschen mehr „Tölz“ hätte Jakob auf Mallorca sicherlich gut gestanden.

Auf der Insel erstickt jede Szene, jeder Monolog in einem allzu süßen Lavendelduft. Es sind Düfte, die auch ein bisschen alt und modrig riechen.

Fr, ARD, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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