ARD zeigt „Carl und Bertha“ zum Start der „Themenwoche Mobilität“

+
Bertha Benz (Felicitas Woll) bei ihrer Pionier-Fahrt: Ihre Söhne müssen schieben. Szene aus „Carl & Bertha“. ▪

Von Elisabeth Elling ▪ „Demokratisieren“ wolle er die Mobilität, sie für jedermann bezahlbar machen, sagt Carl Benz (Ken Duken) in dem ARD-Film „Carl und Bertha“. Pferdekutschen kann sich Mitte des 19. Jahrhunderts nur eine schmale Oberschicht leisten. Mit seinen edlen Absichten wird Benz (1844-1929) posthum zum Patron der ARD-Themenwoche „Der mobile Mensch“. Anlass ist der 125. Geburtstag des modernen Automobils: Benz fertigte in Mannheim das erste Gefährt mit Verbrennungsmotor und elektrischer Zündung. Ein Dreirad, das er sich 1886 patentieren ließ.

Der Film „Carl & Bertha“, den die ARD am Montag ausstrahlt, ist eine zentrale Produktion des Programmschwerpunkts. Eine Schmonzette, in der allein die Ausstattung und Hauptdarstellerin Felicitas Woll als energische Bertha Benz (1849- 1944) überzeugen.

Gezeigt wird vor allem die Hartnäckigkeit, mit der das Paar an Carls Idee festhält. Obwohl seine Tüfteleien kein Geld einbringen und vier Kinder zu ernähren sind. Obwohl manche Zeitgenossen den „pferdelosen Wagen“ amüsant finden („Es gibt doch wohl hinreichend Pferde?“), Investoren ausweichen und Augenzeugen der ersten knatternden Probefahrt die Polizei alarmieren.

Mehr historischen Kontext liefert das Drehbuch (von Grimmepreisträger Stefan Rogall) aber nicht. Die rasante Industrialisierung, das Wuchern der Städte, wirtschaftliche und politische Turbulenzen, Fortschrittsoptimismus und Rückständigkeiten einer Zeit, als in Mannheim noch der badische Großherzog regierte und im Deutschen Reich Kaiser Wilhelm I. und Kanzler Bismarck: Davon ist nichts zu sehen. Der Film wirkt streckenweise wie eine lustlose Auftragsarbeit. Immerhin schmückt sich der Autokonzern mit „Carl & Bertha“ als „Teil der der Jubiläumskommunikation von Mercedes-Benz“. Er lieh Pläne, Bilder und Modelle aus dem Firmenarchiv aus.

Die Optik stimmt, aber die Dialoge hat Rogall zurechtgedengelt wie Carl Benz das Kupferblech für seinen Gasmotor. Gestelzt wird geplaudert („Du meinst das also wirklich ernst, Carl.“). Plump wird erzählt: Immer ist es diese Marktfrau, deren hochgezogene Augenbrauen die gesellschaftliche Missachtung der sonderlichen Familie Benz ausdrücken. Und stets vermeldet eine Schlagzeile eine technischen Neuerung. Die Zeitung hält sich dann ein Zugreisender auf dem Abteilplatz gegenüber vor die Nase.

In der Regie von Till Endemann zeigt Ken Duken einen eigenbrötlerischen Carl Benz, der im August 1888 aufgeben will: „Ich habe die Kraft nicht mehr, Bertha.“ Und sie: „Was ist aus unseren Träumen geworden?“ Diese Szene (mit Donnergroll und Platzregen dramatisch aufgemantelt) eröffnet den Film. Er endet nach einer weiträumigen Rückblende mit Bertha Benz‘ kühner Überlandfahrt. Nach dem regnerischen Streit nimmt sie den Wagen, um zu ihrer Mutter nach Pforzheim zu fahren – der 103 Kilometer lange Praxistest für Carls Erfindung. Nach dieser Pioniertat wird alles gut.

Felicitas Woll zeigt Bertha Rieger, verheiratete Benz, als eigensinnige höhere Tochter. Sie tippt die wilhelminischen Rollenklischees von „Trotzkopf“ und „Nesthäkchen“ an, macht aber trotzdem die Vorzeigegattin plausibel, die in der familiären Privatsphäre das Steuer fest im Griff hat, in der Öffentlichkeit aber ihrem Mann den Vortritt lässt. Vielleicht tuckert die Beziehung von Carl und Bertha deshalb reibungsloser als das Benz-Dreirad.

„Carl & Bertha“: ARD, mo, 20.15 Uhr

Große Beweglichkeit beweist die ARD mit all ihren Radio- und TV-Sendern, um den Programmschwerpunkt „Der mobile Mensch“ zu füllen. Unter den Beiträgen sind Neuproduktionen, aber auch viele Wiederholungen und Beliebigkeiten. Hier eine Auswahl:

Das Wort zum Sonntag mit Monsignore Stephan Wahl über den Wanderprediger Jesus (21. Mai, 23.25 Uhr, ARD).

Die 80er-Jahre-Serie Auf Achsemit Manfred Krug und Marius Müller-Westernhagen wiederholt der SWR in der Nacht zu Sonntag (21. Mai, 23.25 Uhr).

Der MDR fährt Die beliebtesten Radwege Mitteldeutschlands ab (22. Mai, 20.15 Uhr).

In der Quizshow „Wer zeigt‘s wem?“ treten Weltreisende gegen Dauercamper an (23. Mai, SWR, 22.30 Uhr).

Im WDR-5-Radiohörspiel Wer nicht stirbt, wird älter muss eine alte Dame ins Heim, weil ihre Schwester verreist (24. Mai 20.05 Uhr).

Aufgeregte Autofahrer zeigen die Reportagen Wut am Steuer (24. Mai, NDR, 22.35 Uhr) und Immer Ärger mit den Brummis (27. Mai, Hessischer Rundfunk, 11.25 Uhr).

Rangar Yogeshwar fragt am Samstagabend im Ersten: Wie bewegt sich Deutschland? („Die große Wissensshow“, 26. Mai, 20.15 Uhr).

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare