ARD zeigt „Bloch“-Film mit Dieter Pfaff

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Bloch (Dieter Pfaff, links) mit dem Prediger Martin (Matthias Habich) vor dem Kölner Dom. ▪

Gibt es Wunder? Genau vor dem Kölner Dom predigt täglich Martin in seinem abgewetzten Mantel, mit einem tragbaren Holzkreuz. Eines Tages stürzt genau vor seinen Füßen eine Radfahrerin. Tot sei sie, sagt eine Krankenschwester, die Martin zuhört. Dann reicht er dem Mädchen die Hand, und sie steht wieder auf. Martin glaubt, dass er gerade ein Wunder bewirkt hat, dass Gott ihn auserwählt hat als neuen Heiland. Von Ralf Stiftel

Der Titelheld der Serie „Bloch“ kümmert sich in jeder Folge um ein anderes seelisches Leiden. In „Der Heiland“ geht es um religiösen Wahn. Martins Tochter bittet den Therapeuten, sich um den immer mehr in seine Vorstellungen abdriftenden Propheten zu kümmern. Ist das überhaupt ein Fall für einen Psychologen? Bloch weilt gerade in Köln, weil sein Mentor Cornelius gestorben ist. Bloch soll den Nachlass regeln – das Haus verkaufen, die Patienten vorübergehend betreuen und dann weiter überweisen. Der Seelenheiler trägt an der Trauer um seinen Lehrer, was ihn selbst zweifeln lässt an der Zuständigkeit seines Fachs. Denn Martin schadet niemandem, gibt vielmehr mit seinen beseelten Bibel-Deutungen seiner kleinen Anhängerschar neuen Lebensmut.

Der Film von Franziska Meletzky (Buch: Marco Wiersch) leidet darunter, dass Martins Geschichte zu durchschaubar ist. Den Kunsthandwerker, der in seiner Wohnung eine private Kapelle installiert, hat der Tod seiner Frau aus der Bahn geworfen. Er gibt sich die Schuld daran. Das vergiftet auch die Beziehung zu seiner Tochter (Catherine Bode). Die verborgene Krankheitsursache, die Bloch in seinen Fällen normalerweise kriminalistischen Spürsinn abverlangt, sie liegt dieses Mal einfach zu offen, als dass richtige Spannung aufkommen könnte.

Zu gewaltsam wirkt auch die Verflechtung mit Blochs eigener Situation. Das hatte die Regisseurin in ihrem ersten Bloch „Bauchgefühl“, in dem der beleibte Therapeut mit Magersucht konfrontiert wurde, besser gelöst. Dass der Psychologe angesichts des Todes eines nahen Menschen empfänglich wird für religiöse Rituale, ist schon wenig glaubwürdig. Dass dann aber auch noch Tommy (Jonathan Dümcke), der Sohn von Blochs Lebensgefährtin Clara, gerade auf Sinnsuche in einer freichristlichen Gemeinschaft ist und den Psychologen zum offenen Gottesdienst mitnimmt, überzieht dann vollends. Und die großartige Ulrike Krumbiegel hat als Clara die undankbare Aufgabe, Kisten zu packen und Möbel zu schleppen.

Was den Film trotzdem sehenswert macht, ist die Besetzung. Der große Charakterdarsteller Matthias Habich schafft es, den „Heiland“ Martin eben nicht als abgedrehten Spinner zu spielen, sondern als tief Leidenden, der oft völlig klar wirkt. Seine Dialoge mit Bloch-Darsteller Dieter Pfaff loten menschliche Grenzsituationen aus, und der Zuschauer glaubt da doch, was dem Drehbuch eigentlich nicht abzunehmen ist: dass für Augenblicke das Charisma des Erleuchteten das des Heilers überstrahlt.

Auch filmisch hat die Folge große Momente: Kameramann Hubert Schick macht den Kölner Dom zum Mitakteur, lässt das Sonnenlicht überirdisch durch das filigrane Maßwerk der Kathedrale brechen. Und das bunte Treiben auf der Domplatte ist mit überzeugendem Realismus eingefangen.

ARD, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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