Zeichnungen von Susan Hefuna in Hagen

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Susan Hefuna: „Fenestra“, zu sehen in Hagen.

Von Ralf Stiftel HAGEN - Man sieht das Fensterkreuz, hinter dem eine helle, durchbrochene Gardine leicht zu flattern scheint. Muster überlagern sich. Diese kleine Zeichnung von 1994, „Fenestra“, lässt den Betrachter nicht ein. Man blickt auf das Blatt wie ein Fremder, der in der Straße einer orientalischen Stadt steht. Man wird gesehen. Aber man schaut nur auf eine Oberfläche.

Ein bisschen Fremdheit gehört zu den Zeichnungen von Susan Hefuna. Die Doppelsinnigkeit von Zeigen und Verbergen ist das Thema der deutsch-ägyptischen Künstlerin. Die Ausstellung „Buildings“ im Hagener Karl-Ernst-Osthaus-Museum verdeutlicht das überzeugend.

In ihrem Frühwerk ging Hefuna von dem Fenstermotiv aus. Das vergitterte und verhängte Fenster im arabischen Kulturraum, das Mashrabiya, schirmt die Bewohner vor fremden Blicken ab und gewährt Sicht nach außen. Im Haus sind meistens Frauen, die Männer sind unterwegs. Insoweit ist hier wesentlich weibliche Perspektive eingefangen. Der westliche Betrachter freilich findet – ohne von solchen Bezugspunkten zu wissen – vielleicht über die Ornamentik einen Zugang zu den Blättern, die noch in der Reduktion erkennbar bleibt.

Hefuna, 1962 geboren und ausgebildet an deutschen Kunstakademien (mit Abschluss am Frankfurter Städel-Institut), arbeitet in verschiedenen Medien. Spätestens seit ihrer Beteiligung an der Biennale von Venedig 2009 genießt sie internationale Beachtung. Tayfun Belgin, Direktor des Osthaus-Museums, könnte sich vorstellen, zum Abschluss seiner Tätigkeit in Hagen eine umfassende Retrospektive der Künstlerin auszurichten, die neben den Zeichnungen auch ihre zum Teil monumentalen Skulpturen, Installationen, Videos einbezieht. Zur Zeit erlaubt das Budget des Hauses ein solches Projekt nicht. Immerhin sind einzelne Wandarbeiten zu sehen. Die Synthese von westlicher Konzeptkunst mit einem Motiv traditioneller orientalischer Kultur vermittelt sehr schön ein Fenster, das aus Holz geschnitzt ist und im Gitter einen Text trägt: „Patience is beauty-full“ (2010). Die Schreibung verrätselt den Sinnspruch, dass Geduld schön sei, abstrahiert und betont durch die Trennung die Schönheit, unterstreicht mit dem zweiten L und der Spiegelung die Fülle. Aber man kann sich natürlich auch einfach an der Perfektion des alten ägyptischen Handwerks erfreuen.

Den Schwerpunkt der Schau aber bilden die Zeichnungen. Oft arbeitet Hefuna mit Transparentpapier. Dabei werden zwei, manchmal mehr Blätter übereinander gelegt. Es entsteht eine fast malerische Tiefe, obwohl sie nur einfache geometrische Formen freihändig übereinander legt. Die „Buildings“ gewinnen geradezu räumliche Präsenz, wenn die Rechteckstruktur sich mit den winkligen Formen darunter verbinden. Und weil die Künstlerin stets freihändig zeichnet, werden die Blätter nicht kühl oder steril.

Bis 2.11., di – so 11 – 18 Uhr,

Tel. 02331/ 207 3138 ,

www.osthausmuseum.de

Katalog, Kehrer Verlag, Heidelberg, 18 Euro

Quelle: wa.de

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