Zeichnungen von Albert Stuwe im Museum Abtei Liesborn

+
Blick aufs Zeichenwerk: Albert Struwes „Sanguinische Landschaft“ (1961) in der Abtei Liesborn. ▪

Von Marion Gay ▪ LIESBORN–Das Gesicht des Mannes wirkt klein unter dem Turban. Wie ein Turm ragen die Stoffbahnen auf, feine Linien markieren Falten und Wülste. Ganz oben im Stoff lässt sich das Gesicht einer Frau erkennen.

Die Arbeit „Mann mit Turban“ (1969) ist eine von rund 100 Bleistift- und Tuschezeichnungen von Albert Stuwe, zu sehen im Museum Abtei Liesborn. Der 1998 verstorbene Künstler wäre in diesem Monat 90 Jahre alt geworden. Der Großteil der Werke stammt aus der Schenkung der Familie Scheiwe-Löer, die von 1945 an bis in die Mitte der 70er Jahre Arbeiten von Stuwe sammelte. Die anderen Werke gehören dem Kreiskunstverein Beckum-Warendorf, dessen Gründungsmitglied Stuwe war, der die meiste Zeit seines Lebens in Ennigerloh verbrachte.

Die Ausstellung führt chronologisch durch das zeichnerische Werk, das in diesem Umfang erstmals präsentiert wird, und beginnt mit dem Bild „Der Sonnenaufgang“ (1945). Stuwe, gerade aus dem Krieg zurückgekehrt, zeichnet sich selbst inmitten einer verwüsteten Welt, umringt von den Skeletten verdorrter Bäume. Thematisch ähnlich das „Selbstbildnis“ von 1946: der Künstler hält die Pinsel in der Hand, Falten zerfurchen seine Stirn. Beeindruckend, wie gekonnt der Faltenwurf der Kleidung ausgeführt ist, wie präzise der Stoff der Tischdecke.

Es folgen Arbeiten aus den 50er Jahren, in denen Menschen die Hauptrolle spielen. Porträts, Gruppenbilder – erstaunlich, wie individuell und detailfreudig Stuwe seine Personen ausstattet. Sie tragen Hüte, Turbane, mit Ornamenten versehene Kleidung. Oft sind sie durch Pflanzen mit den Landschaften verbunden, wie z.B. im Bild „Drei Köpfe, die aus der Erde wachsen“ (1956). Kahle Bäume stehen auf den Köpfen der drei alten Männer, auf dürren Ästen sitzen Geier. Im Hintergrund rauchen die Schornsteine der Fabriken, Bauern stehen ratlos herum.

Die Schau ist eine Reise in eine wildverzweigte Fantasiewelt, für die der Besucher viel Zeit mitbringen sollte. Beeindruckend, mit welcher Präzision und Detailversessenheit der Zeichner seine Motive auf Papier bringt. Überall tauchen Bilder im Bild auf, menschliche Gesichter, Fische, Vögel. So in der Zeichnung „Sanguinische Landschaft“ (1961): Wieder ist der Künstler selbst im Bild, diesmal als Stabpuppe, den Oberkörper auf einen Stock gesteckt. Ein Fisch liegt auf dem Trockenen, Bäume verzahnen sich zu einem Gittergerüst, dahinter sind Türme und Windmühlen. Wer hinsieht, entdeckt in der Fülle der Details die Namen von Stuwes Familienangehörigen.

Viele der Zeichnungen thematisieren den Tod, ohne dabei bedrückend zu wirken. Für Stuwe gehörte der Tod selbstverständlich zum Leben dazu. So ist der Tod beispielsweise ein lustiges Kerlchen, das wie ein Karnevalsprinz eine Gruppe verkleideter Leute anführt („Tod führt eine Gruppe von sechs“, 1951). Und eins der späteren Werke zeigt zwei alte Menschen zusammen mit vielen Uhren („Zwei Köpfe alter Menschen“, 1975). Ihre Zeit ist bald abgelaufen, ihre Augen sind umschattet, die Gesichter zerfurcht. Dennoch lächeln sie vage.

Zeitgleich ist eine Ausstellung mit 100 Arbeiten, darunter Aquarelle, Zeichnungen, Materialbilder und Collagen, des Ahlener Künstlers Franz-Josef Kosel anlässlich seines 60. Geburtstags zu sehen.

Bis 3. April; di-fr 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, sa/so 14 bis 17 Uhr; Tel. 02523/ 98240

http://www.museum-abtei-liesborn.de

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare