ZDF-Krimi „Mörderisches Wespennest“

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Die Aschberger Dorfpolizei (Thomas Thieme, Daniela Schulz) lässt Zehender (Hinnerk Schönemann) pusten. ▪

Von Elisabeth Elling ▪ 250 Euro am Tag, Spesen inklusive. Privatdetektiv Finn Zehender (Hinnerk Schünemann) hat sein Honorar im Voraus kassiert und bestellt im Aschberger Gasthof erst mal Mittagessen: „Frischer Krabbencocktail“. Seine Auftraggeberin hat Geld für zwei Tage, bis dahin soll er in dem niedersächsischen Kaff den vermeintlichen Selbstmord von Bauer Schuch untersuchen. Dessen Nichte Becky (Anna Schudt) geht von Mord aus. Zehender fragt ein bisschen herum, schon hat er ein „Mörderisches Wespennest“ angestochen.

Der lakonische Krimi von Markus Imboden (Regie) und Holger Karsten Schmidt (Buch) ist der Auftakt einer losen ZDF-Filmreihe. Der schräge und wortkarge Witz lehnt sich an ihren tollen Nord-Western „Mörder auf Amrum“ (2010) an, doch Hinnerk Schünemann variiert hier die Figur des etwas schlichten Ermittlers. Zehenders Muckibuden-Kreuz, sein alter 7er BMW mit passendem Fahrstil, die aus unbekannten Gründen beendete Kripo-Karriere: Ein bisschen prollig und nicht ganz koscher sind dieser Ermittler und seine Methoden, aber auch listiger, als es auf den ersten Blick scheint. Zehender wird bald von den lokalen Ordnungshütern ausgebremst. Polizeihauptmeister Mühlfellner (Thomas Thieme), der seine emsige Jung-Kollegin Anna Wippermann (Daniela Schulz) schikaniert, beharrt auf Selbstmord.

Das könnte familiäre Gründe haben: Der Tote sammelte aktenordnerweise Material über die Machenschaften des anderen Mühlfellner-Bruders, eines Bauunternehmers (großartig und großkotzig: Uwe Bohm). Vorteilsnahme und Bestechung sind in Aschberg noch beliebter als Memoryspielen mit Skatkarten, das die schmallippige Bürgermeisterin (Rose Enskat) so gut beherrscht. Das halbe Dorf tritt zum Turnier an.

Aschberg ist fiktiv, liegt aber mit endlosen Maisfeldern, Windrädern und Zinnteller-Nippes unverkennbar in der niedersächsischen Tiefebene. Dieser Begriff beschreibt hier nicht nur geologisches, sondern auch kulinarisches Flachland. Für den Krabbencocktail kramt der Wirt nach Dosenöffner, Ketchup- und Majoflasche. Am Ende lappt noch ein Salatblatt aus dem Glas. Und auch ein doppelter Champagner wird korrekt eingeschenkt.

ZDF, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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