Zauberkatze im Flug erwischt

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Eintauchen in die Katzenwelt: Die „Cats“-Produktion ist in der Region zu erleben. ▪

ZÜRICH ▪ Die Verwandlung in eine Katze dauert: Mehr als drei Stunden brauchen einige der Darsteller des Musicalklassikers Cats, bis sie aussehen wie Bombalurina, Jellylorum und der Katzenpatriarch Alt-Deuteronimus. Noch länger dauert es, bis sie sich bewegen können wie Katzen. Wochenlanges hartes Training haben die Sänger und Tänzer hinter sich. Cats ist derzeit im Theaterzelt auf Tournee durch Europa. In der Region ist die deutschsprachige Produktion demnächst in Bielefeld und Oberhausen zu sehen. Von Edda Breski

Die Vorlage zu Cats hat T.S. Eliot geschrieben: „Old Possums Book of Practical Cats“ (1939), das „Katzenhandbuch“, in dem Eliot in skurrilen, eigenwilligen Versen darüber spekuliert, was eine Katze – möglicherweise  – denkt und wie sie gerne behandelt werden möchte. Das Musical aus der Feder von Andrew Lloyd-Webber und Trevor Nunn ist inzwischen das meistgespielte seiner Art. Möglichst nah an das 30-jährige Original heran wollten die Produzenten der aktuellen Cats-Show im Theaterzelt.

Es ist ein sehr klassischer Musicalabend geworden, ein Cats mit viel Tanz, einem sehr gut geschulten Ensemble, das ein unglaublich stressiges Programm zu stemmen hat. Eine Revue, die von den flimmernden, oft chaotischen und zunehmend knalligen Bildern neuerer Musicalproduktionen Abstand hält. Das wirkt zunächst einmal reduziert, trotz des Trubels, den die 24 Darsteller auf der Bühne entfalten. Geflimmert und geblitzt wird nur ganz kurz. Der Schwerpunkt liegt auf den Ensemblenummern und auf Tanz.

„Das ist Geschmackssache, nicht wahr?“ sagt Dominik Hess. Der gebürtige Kölner spielt den Frauenhelden unter den Katzen, Rum Tum Tugger, eher eine Sprech- als eine Tanzrolle. Er posiert im hautengen Anzug mit Fellkragen, schwingt aufreizend die Hüften. „Viel tanzen ist nicht wirklich mein Ding“, sagt er. Der 23-jährige Hess hat im vergangenen Jahr in Essen die Titelrolle in „Buddy Holly“ gespielt, bevor er sich für Cats bewarb. „Eine Musicalrolle spielt man meist so ungefähr ein Jahr“, erklärt er; dann komme oft ein Wechsel. Als Buddy hat er viel szenisch gearbeitet. Nun also Cats, das vor allem durch Bewegung wirkt.

Die Darsteller sollen ihr Menschsein ablegen, sagt der Produktionsmanager Juan Carlos Escandell. Demonstrativ spricht das Team von „Katzen“ und meinen die Darsteller. Dominik Hess sagt: „Es soll alles sehr mystisch wirken, und irgendwie unerwartet.“ Zu ihm passe der Rum Tum Tugger ganz gut. „Ich spiele Sachen gern lustig.“

Die Originalchoreografie für Cats hat 1979 vor allem Gillian Lynne ausgearbeitet, eine einstige Ballerina des Royal Ballet. Von ihr stammt auch die Choreografie für das „Phantom der Oper“. Die Katzen bewegen sich also sehr klassisch. Die Mischung aus Jazztanz, Ballett und Charakterschritten kommt in der Show sehr gut zur Geltung. Daran ist mit dem Ensemble sichtbar lange gefeilt worden. Der Tänzer Wayne Sleep, ebenfalls vom Royal Ballet, hat die originalen Soli für „Mr. Mistoffelees“ entworfen. Der Darsteller der schwarzen Zauberkatze hat also praktisch Ballettsoli zu tanzen und fliegt mit Grand Jeté in Serie über die Bühne.

„Die Szenen im ersten Akt sind sehr genau choreografiert“, sagt Karen Selig (27), die die Katze Jellylorum spielt. „Im zweiten wird es etwas freier.“ Das merkt man dem Stück an, gerade die erste Hälfte hat einige Längen. Ziemlich lang geraten ist auch der Exkurs im Stück, die Erinnerung des Theaterkaters Gus, der noch einmal in die Rolle von „Growltiger“ schlüpft, seinem größten Erfolg auf der Bühne. Der Kampf mit den Pekinesen und die schillernde Szene mit Piraten und Asiaten („The Ballad of Billy McCaw“) wirkt erst einmal deplatziert, macht aber, wenn man sich darauf einlässt, doch noch einen Heidenspaß, weil sie mit so viel Schwung gespielt wird.

Der Umfang der Cats-Theaterzeltproduktion ist riesig: 58 Lkw werden gebraucht, um sämtliches Equipment, von den Zeltplanen bis zu den Sitzen, von Garderoben bis zu den Zuschauertoiletten, an den neuen Spielort zu bringen, sagt der Produktionsmanager Escandell. Alles wird mitgebracht, von Roadies aufgebaut und findet unter dem riesigen schwarzen Zelt Platz. Wer hineingeht, findet zunächst ein Foyer vor, das auf den ersten Blick fast größer wirkt als der Zuschauerraum, so sehr täuschen die schwarze Plane und die Anordnung der Sitzreihen über die Raumgröße hinweg. 1 800 Menschen finden im Spielzelt Platz – zum Vergleich: Das sind so viele wie im großen Saal der Philharmonie in Essen.

Das Raumwunder Spielzelt enthält eine halbrunde, nach vorne gezogene Bühne, die in alle Richtungen bespielt wird: Nicht nur die Zuschauer vorne sehen die Gesichter der Katzen, auch die an den Seiten haben Darsteller vor sich, die zu ihnen hin agieren. Sichteinschränkungen gibt es auf den Sitzreihen ganz hinten. Dafür werden während der Show allerdings auch die Korridore zwischen den Stuhlreihen bespielt.

Hinter den Kulissen verbergen sich die Garderoben und das Orchester, das der Zuschauer erst zum Schlussapplaus zu sehen bekommt. „Man soll keine Menschen auf der Bühne sehen, sondern nur Katzen“, erklärt Escandell.

Backstage wird es während einer Vorstellung eng und hektisch: 40 Personen kümmern sich um die 24 Darsteller, die pro Abend auf die Bühne müssen. Sie helfen vor allem bei den schnellen Umzügen, die die „Katzen“ zu bewältigen haben. Fast alle haben gleich mehrere Rollen.

Quelle: wa.de

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