Die New York Voices beim Klavierfestival Ruhr in Essen

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New York Voices in Essen: Kim Nazarian, Darmon Meaderm, Lauren Kinhan und Peter Eldridge (von links). ▪

Von Ralf Stiftel ▪ ESSEN–Einmal klopft Peter Eldridge auf das Piano: „After all – this is a Klavierfestival.“ Da hat der Bassist der New York Voices den Punkt getroffen: Wie das Vokalquartett ins Jazzprogramm des Klavierfestivals kommt, das weiß Intendant Franz Xaver Ohnesorg allein.

Sinn ergibt das nicht. Was aber nichts daran ändert, dass die Gruppe, die seit mehr als 20 Jahren zusammen singt und zwei Grammys gewonnen hat, ein richtiges Wohlfühlkonzert gab. Ihre Art Gesang mit engen, vollklingenden Harmoniesätzen und „Vocalese“-Einlagen, die Instrumentalsoli nachempfinden, kennt man von der berühmteren Gruppe Manhattan Transfer. Leider war die Essener Lichtburg nicht ausverkauft – abwesende Jazzfans haben etwas verpasst.

Die New York Voices haben ein weit gespanntes Repertoire, das natürlich auf dem Great American Songbook fußt, den Jazz-Standards der 1940er und 50er Jahre. Da sind sie richtig gut, wenn sie „Darn That Dream“ nicht als Ballade interpretieren, sondern als temporeiche Bop-Nummer. Wenn sie Klassiker von Lambert, Hendricks, Ross wie das „Cloudburst“ vortragen, bei dem Darmon Meader den Text seines Solos beinahe so atemlos schnell heraushaut wie seinerzeit Jon Hendricks. Oder wenn sie „Meu Amigo“ von Tom Jobim singen als brasilianische Fuge aus dem Geist von Bach, wobei die Stimmen und die Instrumente ihres deutschen Begleittrios um den Bassisten Christian von Kaphengst unisono geführt werden. Anderes gerät ihnen dagegen zu gefällig, plätschert dahin wie Smooth-Jazz in der Bar, wie die Eigenkomposition „The World Keeps You Waiting“. Auch Popmaterial veredeln sie, wie Paul Simons „Old Friends“ und Stevie Wonders „Don‘t You Worry ‘bout a Thing“, was sie zum energiegeladenen Latinjazz aufheizen.

Sie alle haben ihre Soli, Kim Nazarian und Lauren Kinhan ebenso wie Eldridge, der zwischendurch Claus-Dieter Bandorf am Piano ablöst, und Meader, der noch zusätzlich Saxophon spielt. Gut zwei animierte Stunden mit einer Musik, die hierzulande leider viel zu selten zu hören ist.

5.7. Altes Pfandhaus, Köln, http://www.altes-pfandhaus.de

Quelle: wa.de

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