Yorgos Sapountzis im Westfälischen Kunstverein

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Stoff zum Anschauen: Yorgos Sapountzis‘ Installation „Stechfliegen Festtage“ ist in Münster zu sehen. ▪

Von Marion Gay ▪ MÜNSTER–Es ist Nacht, die Stadt schläft. Einsam liegt der Platz da. Eine bunte Decke bewegt sich. Darunter kommt ein Mann zum Vorschein. Ein anderer Platz. Wieder die Decke. Wieder der Mann. „Hier bin ich“, scheint er zu sagen. Die Arbeit „Green night“ (2005) ist eines von neun Videos, zu sehen in der Ausstellung „Stechfliegen Festtage“ .

Der Westfälische Kunstverein Münster präsentiert ältere Videoarbeiten und aktuelle Installationen des in Berlin lebenden Künstlers Yorgos Sapountzis. Die Schau ist eine Kooperation mit der Ursula Blickle Stiftung im süddeutschen Kraichtal. Diesmal nutzt der Kunstverein ein leer stehendes Ladenlokal in der Friedrich-Ebert-Straße 113.

Sapountzis Arbeiten beziehen sich meist auf den öffentlichen Raum. Im Video „Nightlife“ (2001) nähert er sich nachts einem geparkten Auto. Er tritt gegen den Vorderreifen und tanzt zum Lärm der ausgelösten Alarmanlage. Im Film „Yeti-Lines“ (2006) ist der Künstler nachts auf dem Platz neben dem Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen. Die Bilder der Webcam zeigen ihn beim Auslegen von schwarzen Bändern auf dem Boden. Zuletzt entfernt er die Linien und verschwindet.

Immer geht es um das flüchtige Bespielen des öffentlichen Raumes, um die kreative Nutzung und das Sich-Annähern, das Sich-Einverleiben und Verlassen. Dabei interessiert den 1976 in Athen geborenen Künstler, was diese Erfahrungen in ihm auslösen und ob sie Spuren hinterlassen. Besonders deutlich wird das in der einminütigen Videoarbeit, die ihn beim Einnehmen eines Eigelbs in den Mund zeigen. Die Nahaufnahme gibt sein Gesicht wieder, beinah unbewegt, konzentriert. Eine Träne rinnt aus dem rechten Auge, langsam spuckt er das Eigelb aus. Es ist noch immer unversehrt.

Ähnlich theatralisch agiert er auch in der Videoarbeit „Knock knock monument“ (2004): Zunächst nimmt er Porzellanfiguren aus dem Schrank seiner Mutter und bindet sie mit Klebeband an seinem Gesicht fest. Dann läuft er auf einen Athener Platz und stößt mit dem Porzellan gegen eine Bronzeskulptur, so dass ein Rhythmus aus Klopfgeräuschen entsteht.

Während die Videoarbeiten mit ihrem Witz überraschen, sind die Installationen, die sich der Rohbau-Atmosphäre des Ausstellungsraumes anpassen, belanglos. Ineinander gesteckte Bauzäune trennen Nischen ab, in denen die Videos über Bildschirme und Leinwände flimmern. Bunte Stofffetzen sind in Kästen angeordnet und wirken wie Hinterlassenschaften von Bauarbeitern, oft zusammen mit undefinierbaren Gipsobjekten, Einkaufswagen und Pappen. Mit Stoff überdeckte Zeitungen bilden eine Art Fries. Nur die Fotos sind ausgespart und manchmal bis zur Unkenntlichkeit übermalt. Aus dem Zusammenhang gerissen, verlieren sie ihre Bedeutung und bleiben nichtssagend.

Bis 2.9., mi – so 13 – 19 Uhr,

Tel. 0251/ 46 157; www. westfaelischer -kunstverein.de

Quelle: wa.de

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