"Wir rocken weiter"

"Rock am Ring"-Termin 2015 steht, Ort noch nicht

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"Rock am Ring" verläuft in diesem Jahr laut Polizei äußerst friedlich. Sorgen bereitet den Veranstalter die Frage nach dem zukünftigen Standort des Festivals.

NÜRBURGRING -  Dem Ende wohnt ein Neuanfang inne: Rock am Ring wird überleben. Noch ist nicht endgültig klar, an welchem Ort das Traditions-Festival fortgeführt wird, aber das es weitergeht, steht außer Frage.

"Wir rocken weiter! 5. - 7. Juni 2015" steht auf kämpferischen Plakaten, vor denen sich Konzertveranstalter Marek Lieberberg und seine beiden Söhne Daniel und André am Samstagabend fotografieren ließen. Der Termin steht, nun gilt es nur noch den Veranstaltungsort zu vereinbaren. Die Verhandlungen mit der Stadt Mönchengladbach laufen, erste Medienvertreter haben bereits auf dem Gelände des ehemaligen Militärstützpunktes JHQ Rheindahlen zur Probe gecampt, um das Areal auf seine Festivaltauglichkeit hin zu testen. Auch gibt es bereits eine facebook-Seite zum Thema "Rock am Ring: Mönchengladbach sagt willkommen" mit mehr als 30 000 likes. Eine nächste wegbereitende Besprechung mit allen Beteiligten ist für Dienstag in Mönchengladbach angesetzt.

Zwischenbilanz der Polizei:

Die Polizei sprach am Samstagabend von einer großen Party ohne Aggressionspotenzial. Von einem Publikum, das die Kirche in Nürburg, dank der Ring-Besucher aktuell einem 100.000-Seelen-Dorf, lasse. Zu Problemzonen entwickelt hätten sich die Wellenbrecher, die das Publikum eigentlich schützen sollen: Dort hätten sich die Taschendiebstähle gehäuft. Zudem seien auf den Campingplätzen zahlreiche Zelte aufgeschnitten worden. Da viele Besucher offenbar darauf verzichtet hatten, die Wertfächer zu nutzen, seien etliche in den Zelten eingelagerten Wertgegenstände gestohlen worden. Bis Samstagabend ereigneten sich 26 Verkehrsunfälle mit wenigen Leichtverletzten. Sollten die restlichen eineinhalb Tage ähnlich friedlich verlaufen, handele es sich um eine Großveranstaltung ohne besondere Vorkommnisse, so die Polizei.

Nicht alles ist bierernst in der Debatte um den neuen Veranstaltungsort. Doch der Kern ist bitter. Capricorn, die neuen Herren am Nürburgring, hatten versucht, Marek Lieberberg neue Konditionen für die Traditionsveranstaltung aufzuzwingen, die vor 29 Jahren hier ihre Geburtsstunde erlebte. Lieberberg blieb hart und zog sich schließlich zurück. Capricorn suchte sich Unterstützung und will künftig in Konkurrenz zu Lieberberg treten, der die Marke "Rock am Ring" an anderem Ort weiterführt. Am Ring will man zeitgleich zu Lieberbergs Veranstaltung ein neues Musikfestival an den Start bringen: Es soll "Grüne Hölle" heißen, ebenso wie die Partymeile an der Nordschleife des Nürburgrings. Capricorn und die Deutsche Entertainment AG (Deag) sollen zu diesem Zwecke einen Vertrag für zunächst fünf Jahre geschlossen haben.

Wer hat "Rock am Ring" erfunden?

Streitigkeiten darum, wer Rock am Ring eigentlich erfunden hat und auf wessen Wissen Reformern des Festival-Dinos fußen, schwelen weiter. Doch Lieberberg machte am Samstag deutlich, dass er und seine Familie sich auf diese Schlammschlacht nicht einlassen werden.

Man merkt Marek Lieberberg an, dass die vergangenen Tage Spuren hinterlassen haben. Seine Stimme transportiert eine Mischung aus Kampfgeist, Wehmut und die Überzeugung, selbst Wegbereiter gewesen zu sein: Eine gewisse Borniertheit seitens der Behörden, Vorbehalte und fehlende Netzwerke seien Schwierigkeiten gewesen, denen er sich bei dem Versuch, ein Multitagefestival an den Start zu bringen, ausgesetzt gewesen sei, so Lieberberg. Das Festival habe den Bann gebrochen für die Festivalveranstalter, die danach kamen. "Ohne die Idee und die Umsetzung von Rock am Ring damals unter schwierigsten Bedingungen wäre das nicht möglich gewesen", ist Marek Lieberberg heute überzeugt.

Dank an die Söhne

Erst später habe er erkannt, dass er zwar ein guter Organisator sei, aber ohne seine Söhne wäre es ihm nie gelungen, das Festival zu immer neuen Höhen zu führen, resümierte Lieberberg senior: "Beton allein macht kein Festival, und Steine allein schreiben noch keine Legende." Viele hätten ihn seit dem Ausgang der Verhandlungen mit Capricorn gefragt: "Was ist denn der Ring, wo ist denn der Ring?" Er antwortete darauf am Samstag fast philosophisch mit der Lessingschen Ring-Parabel, die sich ohne Probleme auf die aktuelle Situation übertragen lasse. Rock am Ring - das seien die fantastischen Fans und die großartigen Bands. Das sei auch das Rock-am-Ring-Team, das in Gänze erhalten bleibe. Das seien Freundschaften und Netzwerke, die Rock am Ring begründet habe und die unabhängig von Standorten Bestand hätten. "Wir gehen hier mit Wehmut und nicht im Zorn, denn wir wissen, was wir in knapp 30 Jahren hier geleistet haben", sagte Marek Lieberberg. Und gönnte sich einen kleinen Seitenhieb in Richtung Capricorn: Wenn nun Leute, die noch nie ein Festival veranstaltet hätten, eine Wundertüte versprächen, dann könne sich das auch schnell mal als Mogelpackung erweisen.

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Entsprechend gelassen sieht man im Hause Lieberberg der neuen Konkurrenzveranstaltung entgegen: "Wir sind sehr zuversichtlich, nicht zweiter Sieger zu sein", so Lieberberg mit Verweis auf das in mehr als 30 Jahren erworbene Know-How im Bereich der Rockmusik. Mehr wollte er allerdings am Samstag noch nicht verraten und bat um Verständnis: "Wir mussten erst einmal mit der Situation fertig werden." Ein bisschen drang dann doch nach außen: etwa die Nachricht, dass sich der neue Standort durchaus gut eigne, um eine offene Zeltbühne anzubieten, so André Lieberberg. Man fürchte die neue Herausforderung nicht, im Gegenteil, man habe sich die nötige Erfahrung erarbeitet, um entspannt Neues ausprobieren zu können, so der Junior.

Fühler ausgestreckt

Nichts desto trotz hat die Lieberberg Konzertagentur GmbH bereits die Fühler ausgestreckt und sich im Mönchengladbacher Umfeld informiert: Längst weiß man, dass der Kammmolch, sollte er auf dem gewünschten Gelände sein Dasein fristen, absolut schützenswert ist. Und, dass die befreundeten Macher vom zeitgleich im benachbarten Landgraaf (NL) stattfindenden Pinkpop sich durch eine unmittelbare räumliche Nähe zu Rock am Ring nicht bedroht fühlen würden, sollte man sich in letzter Instanz für Mönchengladbach als Ausweichquartier entscheiden. > Überstürzt wird die Entscheidung pro Mönchengladbach nicht: Rock am Ring sei eine Marke, die weltweit etwas gelte und entsprechend wohl überlegt werde man agieren, so Lieberberg sinngemäß.

Bilder sehen Sie hier:

Rock am Ring 2014 - letztes Mal am Nürburgring

Künstler, die sich dem Ring verbunden fühlen, dort teils auch groß geworden sind, haben bereits ihr Bedauern ausgedrückt. So auch unter anderem Rea Garvey, der selbst am Freitag noch einmal am Ring auftrat: Rock am Ring, das sei nicht einfach eine Location, sondern vielmehr eine Philosophie, so der The-Voice-Juror. Ein Ort, an dem Künstler behandelt würden wie Könige und Königinnen und ein Netzwerk, das weltweit einzigartig sei.

Mönchengladbach wäre ideale Lösung

Marek Lieberberg selbst wagte sich im Zuge des letzten Festivals am Nürburgring zwischen die Wellenbrecher und kam dort in Begleitung von Fernsehkameras nach eigenen Angaben mit rund 1000 Fans ins Gespräch. Für all die Fans der Konzerte am Nürburgring tue es ihm in der Seele weh, dass er den Standort aufgeben müsse, so Lieberberg. Immerhin mehr als zwei Millionen Menschen hätten Rock am Ring über die Jahre miterlebt und mitgeformt, zusammen mit Rock im Park, das es seit 20 Jahren gibt, seien es annähernd drei Millionen Besucher, die rund 1800 verschiedene Bands sahen. Spätestens seit dem Jahr 2002 sprechen die Ringrocker zudem ein gewichtiges Wörtchen mit, wenn es um die Reformierung der Kult-Veranstaltung geht. Vieles wurde auf ihren Wunsch hin verbessert, vieles ausprobiert und manches Mal auch wieder verworfen. Die Ring-Community ist stark und aktiv und beeinflusste auch manch anderen Veranstalter in seinen Planungen.

Bekommt Rock am Ring in Mönchengladbach den Zuschlag, so wäre es für die Veranstalter eine ideale Lösung. Eingebettet in einen Landschaftspark, würden sich dann Festival- und Naturerleben miteinander verbinden. "Wir haben Rock im Park von München nach Nürnberg bringen und dort hervorragend positionieren können", resümierte Marek Lieberberg. Er gehe davon aus, dass das auch mit Rock am Ring möglich sei.

Quelle: wa.de

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