Wilsberg-Erfinder Jürgen Kehrer führt durch Münster

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Von Elisabeth Elling ▪ Immer damit rechnen, dass ein Radfahrer auftaucht. Und immer bedenken, dass der Original-Münster-Krimi nicht jenes quotenstarke Gezanke der beiden „Tatort“-Helden Thiel und Boerne ist, sondern dass am Anfang „Wilsberg“ war. Das sind die einprägsamsten Tipps der „Gebrauchsanweisung“. Verfasst hat sie ein Autor, der sein Zähneknirschen über den Erfolg des Nachahmer-Produkts nicht unterdrücken kann: „Wilsberg“-Erfinder Jürgen Kehrer.

Sein in Häppchen gegliederter Münster-Führer ist trotz Eitelkeiten und robusten Verkürzungen meist unterhaltsam. Er stiefelt von Anekdote zu Anekdote, von den Täuferkäfigen am Lambertikirchturm bis zum ausgestopften Affen des Zoo-Gründers Professor Landois. Anschaulich beschreibt er, wie der Kanalhafen Anfang der 1980er zum linksalternativen Biotop in CDU-dominierter Umgebung wird (mit Kehrer als linksalternativem Chronisten) und dann zum Touristenziel verkommt.

Die Ausflüge ins Umland verlaufen dagegen holprig. Da wird die kleine Vechte zum Fluss, Clemenshafen im „münsterländischen Nirgendwo“ verortet. Für die Pättkestour empfiehlt er ein Hollandrad mit drei Gängen als ausreichend – womit er wiederum Recht hat. Historische Punktbohrungen enden allerdings in Hohlräumen. Kehrer vergleicht den umstrittenen FDP-Politiker Jürgen W. Möllemann mit dem letzten Weimarer Kanzler Heinrich Brüning. Und seine „ganz kurze Geschichte des Münsterlands“ ist in der Tat nur: ganz kurz.

Die „Gebrauchsanweisung“ erfasst dennoch die besondere Mentalität der Bischofs- und Universitätsstadt. Sie spiegelt eine auch von Kehrer nicht in Frage gestellte Wohlfühl- und Wohlstandsgewissheit, den Kern des Münsteraner Konservatismus.

Jürgen Kehrer: Gebrauchsanweisung für Münster und das Münsterland. Piper Verlag, München, 224 S., 14,99 Euro.

Quelle: wa.de

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