Das Westfälische Landestheater feiert die Rolling Stones mit einer Revue

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Sie lieben den Rock ‘n’ Roll: Hannes Staffler und Jessica Kessler in der Rolling-Stones-Show des Westfälischen Landestheaters.

Von Ralf Stiftel CASTROP-RAUXEL - Hier fühlen sich die Besucher wieder ganz jung, wie 65. Die Songs von „Jumpin’ Jack Flash“ bis zu „Honky Tonk Woman“ singen sie natürlich mit. Ulrike spricht ihnen allen aus dem Herzen, wenn sie festhält: „Sie gehören zu meinem Leben.“ Heute sei sie tolerant, versichert Ulrike. Sie gehe nicht mehr aus dem Raum, wenn ein Beatles-Song läuft.

Mit der Revue „Let’s Spend The Night Together“ hat das Westfälische Landestheater einen sicheren Publikumserfolg ins Programm gehoben. Pianist, Autor und Regisseur Tankred Schleinschock, routinierter Macher solcher musikalischer Abende, hat rund 20 Titel aus der stärksten Phase der Rolling Stones von den 1960er bis in die 1970er Jahre mit einigen szenischen Einlagen zusammengestellt. Das zieht auch in etwas größerem Rahmen, open air auf dem Marktplatz von Castrop-Rauxel. Im Juni-Wind wiegt sich das Schallplatten-Mobile der Bühnendeko, und alle Plätze sind besetzt.

Man fühlt sich wie damals, als die Stones am 11. September 1965 die Halle Münsterland rockten. Dann hört man vom Taxifahrer, den die Polizei zum Noteinsatz ruft: Bill Wymans Taxi war am Kamener Kreuz liegen geblieben. Und er musste noch zu seinem Auftritt.

Ein richtiges Stück sieht man nicht. Schleinschock umfüttert die Songs eher locker mit Anekdoten und skurrilen Bühnenfiguren. Da werfen Guido Thurk und Bülent Özdil sich als lebende Marionetten aufs Kasperletheater und mimen die Alten aus der Sesamstraße. Thomas Zimmer als Sticky Fingers moderiert wie ein Zirkusdirektor im schwarz-weiß gemusterten Frack. Ihm steht Voodoo zur Seite, Thomas Tiberius Meikl als Katzenmensch mit Hornbrille. Was das Theatralische betrifft, hat der Abend seinen Höhepunkt im wahrhaft majestätischen Auftritt Vesna Buljevics als Queen, die sich als Stones-Fan outet und dann unter der Krone losrockt: „It’s only Rock ‘n’ Roll, but I like it“. Und am Ende verschwindet sie mit James (Thurk) wie das Paar aus „Dinner for one“.

Aber wer das ganze Songbook der Rolling Stones auf dem Zettel hat, der braucht keine dramaturgischen Gipfel zu stürmen. Hier geht es schließlich um „Satisfaction“, „Angie“ und „Beast Of Burden“, zu dem fünf Schauspieler im transsexuellen Stewardessen-Look posieren wie einst das große Vorbild. Schleinschock hat für das „Lippe-Saiten-Orchester“ gestandene Rocker rekrutiert, die den rauen Sound der frühen Jahre souverän hinzaubern. Die Arrangements zielen auf Wiedererkennbarkeit. Da klingelt die Gitarre bei „The Last Time“ wie das Original, die Riffs kommen trocken-kompakt. Und auch unbekanntere Repertoire-Schätze wie „Hip Shake“ finden Platz.

Stimmlich hat das WLT ja durchaus seine Stärken. Zur Revue wurden aber sicherheitshalber einige Gäste engagiert, die es richtig krachen lassen. Der Musicalprofi Hannes Staffler hat in vielen Produktionen von „Evita“ bis „Jesus Christ Superstar“ Routine gesammelt, und in „We will rock you“ spielte er mit Queen-Gitarrist Brian May. Er rockte auch in vielen Stones-Titeln und hatte speziell mit „Sympathy For The Devil“ einen schönen Auftritt, wobei sein rotes Teufels-Cape ein wenig an Draculas Mantel erinnerte. Den Trinkersong „Salt Of The Earth“ sang er als Reinhold, der selbst den Terminplan des Papstes umwarf, um in Wien die Stones hören zu können, mit weanerischem Text. Bei „Happy“ brachte er das Publikum richtig auf Touren. Beim abschließenden „Brown Sugar“ standen alle Zuschauer. Ist es ein Wunder, dass drei Zugaben gefordert wurden?

Das lag aber sicher auch an den beiden Damen an Stafflers Seite. Jessica Kessler hat ebenfalls große Musical-Erfahrung, und gleich bei ihrem ersten Solo hängte sie sich richtig rein: In „Time Is On My Side“ krönte sie die Schlussriffs mit machtvollen Rock-Koloraturen. Vera Marhold zeigte sich als stimmgewaltige Duo-Partnerin Stafflers. Hier teilen Fans auf der Bühne mit großer Spiellust ihre Begeisterung mit den Nostalgikern im Publikum und lassen die Steine rollen.

Termine u.a. 1.–6.7. Bottrop, Bergarena; 26.10. Kurhaus Hamm, Tel. 0 23 05 / 97 80 20, www. westfaelisches-landestheater.de

Quelle: wa.de

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