Der Westfälische Kunstverein zeigt „Trunks and Faces“ von Nicolas Party

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Ein seltsames Paar schuf Nicolas Party den Westfälischen Kunstverein: „Portraits“ (2014).

Von Ralf Stiftel MÜNSTER - Mit aufgerissenen Augen und kleinem rotem Mund blicken die Männer in den Raum. Es sind typisierte Gestalten, und wie eine Uniform tragen sie die farbkräftigen Pullover über den weißen Poloshirts. Gutbürgerliche Erscheinungen koppelte der Schweizer Maler Nicolas Party jeweils zu Paaren in seinen „Portraits“, die von Samstag an im Westfälischen Kunstverein in Münster zu sehen sind.

Das Institut knüpft mit der Ausstellung „Trunks and Faces“ an der großen Präsentation britischer Malerei im benachbarten Landesmuseum an. „Da hören sie 1980 auf, Nicolas Party wurde 1980 geboren“, meint Kunstvereins-Direktorin Kristina Scepanski. Und obwohl Party in Lausanne geboren wurde, hat er doch viel mit Großbritannien zu tun, weil er bis vor kurzem in Glasgow arbeitete. Seine Doppelporträts erinnern deutlich an die kühle, abstrahierte Malerei von David Hockney. Aber auch andere Klassiker der Moderne wie Matisse, Modigliani, Morandi, Botero standen Pate für seine farbstarken Bilder.

Es gibt allerdings auch Unterschiede. Zum Beispiel arbeitet Party nicht mit Öl- oder Acrylfarbe, sondern mit Pastellkreide. Das verleiht den Bildern eine tiefe, intensive Strahlkraft. Er ist also eigentlich Zeichner. Zudem hängen nicht nur fünf Doppelporträts, fünf stark abstrahierte Landschaftsbilder mit blattlosen Bäumen und zwei Stillleben mit Kannen in den Räumen. Er stellte auch raumhohe Säulen auf, die er mit Elefanten bemalte, deren Gesichter man nicht sieht, deren Beine giraffenhaft überlängt sind und die alle zur Wand gedreht sind. Man sieht keine Gesichter. Die Elefanten, die dem Besucher das Hinterteil zuwenden, werden zu Türsäulen, Portalfiguren. Party versah die Scheiben des Kunstvereins mit einem gesprayten Streifenmuster in schwarz und weiß. Im hinteren Raum malte er eine Landschaft an die Wände, einen „Schwarzwald“ aus Kohle als Hintergrund für ein Stillleben. „Trunk“ heißt Stamm, Koffer, Rüssel. Der Ausstellungstitel setzt doppelsinnig auf die Elefanten, die Bäume und die Porträts in einen Zusammenhang.

Diese Mischung aus Handwerk und Typisierung zeichnet Partys Arbeiten aus. Der Künstler setzt weniger auf das einzelne Bild als auf die Gestaltung des Ausstellungsraums zu einer Erlebnislandschaft, einem Gesamtkunstwerk.

8.11.–18.1.2015, di – so 11 – 19 Uhr, Tel. 0251/ 46 157, www. westfaelischer-kunstverein.de

Quelle: wa.de

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