Werke von Hermann EsRichter in Lippstadt

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Organisches mischt sich mit Technik: Hermann EsRichters Skulptur „O.T. (Anlage 25 - Platzanlage 2)“ ▪

LIPPSTADT ▪ Der Titel führt in die Irre. „Luzide Protomorphe u.a.“ hat Hermann EsRichter seine Ausstellung überschrieben. Das klingt nach verstiegener Akademikerkunst, und die vom Lippstädter Kunstverein angebotene Übersetzung „hell-klare Vor-Gestalten“ macht es nicht unbedingt besser. Von Andreas Balzer

Doch der Titel täuscht. Die 34 Bilder, Plastiken, Installationen, die der mit seinen 73 Jahren noch äußerst agile Künstler in Lippstadt zeigt, überraschen durch visuellen Reichtum, sinnliche Präsenz und einen eigenen Witz. „Er ist kein junger Künstler mehr, aber es ist eine junge Kunst“, sagt der künstlerische Berater des Kunstvereins, Erich Franz.

Welcher Gattung die Werke genau zuzuorden sind, ist nicht immer genau zu sagen. Handelt es sich bei den Bildern um Malerei? Ja, sicher. Aber darauf beschränkt sich EsRichter nicht. Fast immer bedient sich der in Oberhausen und Mülheim lebende Künstler der Collage. So integriert er in seine Bilder vorgefundene technische Elemente wie Telefondrähte, Glasfaserkabel oder Kupferplatten, denen er primitive organische Strukturen gegenüberstellt, etwa farbige Schwammabdrücke oder Formen, die an Einzeller erinnern.

Malerei, Zeichnung, Aufgedrucktes und Vorgefundenes fließen ineinander, ohne komplett zu einer Einheit zu verschmelzen. Erich Franz spricht von „visuellen Ideen-Aggregaten“. „Das Visuelle bildet Kontakte für Ideen – nicht technisch-naturwissenschaftlich, sondern visuell-sinnlich.“

Ihre Spannung gewinnen die Werke aus in immer neuen Variationen durchgespielten Polaritäten. So treffen organischen Strukturen auf geometrische Elemente. Nicht zufällig stößt der Betrachter immer wieder auf die Komplementärfarben Rot und Grün. Dabei sind Rot und Grün „nicht nur Farben, sondern Erfahrungsgegensätze“, betont Franz im Katalog. Eine Interpretationsmöglichkeit hat der Künstler gegeben, Rot sei die Farbe des Blutes und des Lebens, Grün entspreche der Welt der Blätter und der Pflanzen. Doch solche Deutungen werden von den Werken nur ermöglicht, nicht vorgegeben.

Prägend in vielen Arbeiten ist der Gegensatz Natur/Technik. Konstituierend ist er für vier Plastiken, die wie medizinische Apparaturen wirken. Technische Geräte wie Thermofühler aus einer Heizung sind per Draht mit Objekten (Wachs auf Spachtelmasse) verbunden, die wie menschliche Organe aussehen. Man ist immer wieder versucht, Erklärungen zu finden. Sind es Herzschrittmacher? Finden hier Messungen an offenen Organen statt? Der Reichtum der Arbeiten besteht darin, dass sie viele Assoziationsmöglichkeiten eröffnen, ohne sich auf Eindeutiges reduzieren zu lassen.

Bis 14.10., di – fr 16 – 19, mi 16 – 21, sa, so 11 – 13 Uhr. Tel.: 02941/ 78 713,

http://www.kunstverein-lippstadt.de, Katalog 10 Euro

Quelle: wa.de

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