Werke von Hans Jaenisch im Fritz-Winter-Haus Ahlen

Klare Strukturen: Die Keramikskulptur von Hans Jaenisch ist im Ahlener Fritz-Winter-Haus zu sehen. ▪ Foto Gay

Von Marion Gay ▪ AHLEN–Die Köpfe thronen auf langen Hälsen, die Arme erinnern an Flügel. Diese „Drei Grazien“ (1950) sind grazile Geschöpfe, beinah transparent und auf das Wesentliche reduziert. Das Bild ist zu sehen in der beeindruckenden Retrospektive des Künstlers Hans Jaenisch (1907–1989) im Ahlener Fritz-Winter-Haus. Mehr als achtzig Gemälde und Zeichnungen sowie rund dreißig Skulpturen sind zu sehen, aus der Zeit von 1927/28 bis in die späten achtziger Jahre.

Jaenisch, geboren 1907 in Thüringen, zog mit sechzehn Jahren nach Berlin. Schon 1927 hatte der Autodidakt als Mitglied der „November-Gruppe“ seine erste Ausstellung, zwei Jahre später unterrichtete er an der Berliner Kunstschule „Der Weg“, die 1933 geschlossen wurde. Zu dieser Zeit fanden surreale Elemente Eingang in sein Werk. So tauchen zwischen Farbfeldern immer wieder verzerrte und überlängte Käfer, Krebse oder Menschen auf. Surreal wirkt auch das Bild „Reisegruppe“ (1979): Sieben geometrische Figuren verlieren sich im Blau. Farbverläufe zerschneiden die Gruppe. Ihre untere Hälfte verschwimmt scheinbar in Wasser, während die Oberkörper ausfransen, als wollten sie sich in Luft auflösen. Als Soldat im 2. Weltkrieg in Tunis hatte Jaenisch die Farbe für sich entdeckt sowie die islamische Ornamentik. Später wird er filigran gezeichnete Musterbänder wie zufällig in die Bildkomposition integrieren, so bei den Temperabildern der achtziger Jahre, wo Ornamente den Boden oder Horizont markieren.

Nach Krieg und Gefangenschaft experimentierte Jaenisch mit verschiedenen Techniken, trug Farben dick mit dem Spachtel auf die Leinwände auf, so dass reliefartige Strukturen entstanden, oder bemalte zerknülltes Papier, um netzartige Strukturen entstehen zu lassen.

Ab 1953 lehrt Jaenisch an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Während sich andere Künstler dem Informel zuwenden, sind Jaenischs Arbeiten klare Kompositionen aus farbigen Flächen, feinen Linien und Strukturen, in die sich Ornamente mischen. So besteht das Bild „Katze und Vogel“ (1957) aus ungleichmäßig bemalten Farbkästchen, die eine Art Fernseher ergeben. Darin ist der Kopf einer Katze erkennbar.

Eine neue Schaffensperiode beginnt, als Jaenisch Mitte der 1960er Jahre sein Atelier auf die Insel Amrum verlegt. Ab jetzt bestimmen maritime Landschaften, Schiffe und Seevögel sein Werk. Die Formen sind stark reduziert, Musterstreifen deuten Masten und Wirbelsäulen an, verwaschene Farben und Verläufe fangen die Stimmung von Meer und Nordseewetter ein. Auch die kleinen Bronzeskulpturen, die ab Anfang der 50er Jahre entstehen, folgen dem Prinzip der Reduktion. Die Körper der Tiere und Menschen sind schmal und langgestreckt. Schwungvoll verbiegen sie sich und werden zu poetischen Zeichen.

Bis 30.4., di, mi, sa 15 – 18 , so 11 – 18 Uhr, Tel. 02382/61582, http://www.fritz-winter-haus.de

Quelle: wa.de

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