Das Werk von Willi Sandforth in Ahlen

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Klare Kompositionen zeichnen das Werk von Willi Sandforth aus: „Gestuftes Weiß“ (1984) ist in der Werkschau zu sehen.

Von Marion Gay AHLEN - Eingeschlossen zwischen schwarzen Balken sind die beiden blauen Rechtecke. Waagerecht darüber eine weiße Form wie eine Absperrung. Das Bild „Durchteilte Symmetrie“ (1988) erinnert an einen Fahrstuhl, ein Fenster oder ein Warnzeichen und besticht in seiner Klarheit.

Unter dem Titel „Dem inneren Kompass folgend“ präsentieren das Fritz-Winter-Haus Ahlen und das Ahlener Kunstmuseum eine großartige Werkschau mit rund 100 Gemälden und Grafiken von Willi Sandforth. Die Arbeiten stammen aus allen Schaffensphasen und dokumentieren den künstlerischen Werdegang von den frühen gegenständlichen Arbeiten über die abstrakten Werke bis hin zu den konkret-konstruktiven Farb-Form-Variationen der letzten vierzig Jahre. Der 92jährige Künstler gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der konkreten Kunst in Nordrhein-Westfalen. Zur gemeinsamen Ausstellung erscheint erstmals das Werkverzeichnis der Gemälde Sandforths mit einer kunsthistorischen Einordnung von Dagmar Kronenberger-Hüffer.

Der 1922 in Ahlen geborene Künstler absolvierte zunächst eine handwerkliche Ausbildung und studierte an der Bielefelder Werkkunstschule, setzte nach dem Krieg und der Gefangenschaft in Frankreich sein Studium in Kassel fort. Anfang der 50er Jahre arbeitete er als Restaurator in München, kehrte aber 1954 nach Ostwestfalen zurück, wo er bis heute lebt.

Das Kunstmuseum zeigt die Entwicklung des Künstlers beginnend mit einem für einen Sechzehnjährigen unglaublich ausgereiften Porträt der Mutter (1938). Acht Jahre später setzt sich der Künstler im düsteren, farbig und formal bereits reduzierten Triptychon „Das Ende“ (1946) mit den Kriegserfahrungen auseinander. Zwei waagerechte Bilder flankieren das senkrechte, rechts und links drücken sich Menschen an eine Mauer, in der Mitte schleppen sich Arbeiter oder Soldaten dahin. Obwohl Sandforth gegenständlich malt, benutzt er schon die streng geometrische Komposition seiner späteren Arbeiten.

Unabhängig von Trends ging es Sandforth immer darum, Fläche und Form in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander zu setzen. Während sich viele Künstler in den Nachkriegsjahren strikt von der gegenständlichen Malerei abwandten und praktisch von einem Tag auf den anderen nur noch abstrakt malten, ließ sich Sandforth Zeit mit seiner künstlerischen Entwicklung. So finden sich Mitte der 60er Jahre viele Stadt- und Baumansichten, aus deren Formen sich freie Kompositionen entwickeln. Die Arbeit „Weiße Architektur“ (1971) greift Bögen und Verschachtelungen einer Stadt auf, wirkt gleichzeitig auch wie der Blick in einen Baukasten. Und obwohl sich Sandforth im Laufe der Jahre immer mehr den freien Formkompositionen zuwendet, entstehen vor allem auf Reisen nach wie vor gegenständliche Stadtansichten oder Porträts.

Das Fritz-Winter-Haus, das den Künstler bereits seit Mitte der 70er Jahre vertritt und sein Werk in bisher vier Einzelausstellungen gezeigt hat, konzentriert sich auf das Spätwerk. Zu sehen sind vor allem Kompositionen in Blau-Schwarz wie zum Beispiel das großformatige Gemälde „Gehaltenes Trapez“ (1995). Die schwarzen Flächen umschließen das Weiß wie einen Rahmen, kleine blaue Balken brechen zu allen Seiten aus, geben Spannung und halten das Ganze doch in Balance. Reduziert und von fast meditativer Stille auch die quadratische Arbeit „Gegeneinander“ (1985).

Gleichzeitig zeigt das Kunstmuseum die Ausstellung „Anerkannt. Verfemt. Wiederentdeckt. – Ein Expressionist der Zweiten Generation“ mit rund 100 Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken von Herbert Ebersbach (1902 – 1984). Der Bielefelder Künstler hatte an den Kunstakademien Dresden und Düsseldorf studiert und bereits ein beeindruckendes Werk geschaffen, als er 1933 wegen links-politischem Engagement ins Konzentrationslager kam. Zurück nach 13 Monaten musste er feststellen, dass seine Familie bis auf wenige Ausnahmen alle seine Arbeiten vernichtet hatte. Obwohl er zeitlebens malte, vor allem farbintensive Landschaften und Porträts, und auch zahlreiche „Kunst am Bau“-Projekte realisierte, blieb ihm die künstlerische Anerkennung bis heute verwehrt.

Eröffnung Fritz-Winter-Haus Samstag, 15 Uhr; Kunstmuseum Samstag, 17 Uhr

Eröffnung Ebersbach Sonntag, 11 Uhr,

alle Ausstellungen bis 27.4.,

Winter-Haus di, mi, sa 15 – 18, so 11 – 18 Uhr; Tel. 02382/ 61582

www.fritz-winter-haus.de

Kusntmuseum di, mi , fr 14 – 18, do 14 – 20, sa, so 11 – 18 Uhr,

Tel. 02382/ 91830

www.kunstmuseum-ahlen.de

Werkverzeichnis Sandforth 30 Euro

Quelle: wa.de

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