Per Webcam am Tatort: Neue Folgen der BBC-Serie „Sherlock“

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Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch, links) und Dr. John Watson (Martin Freeman) in der Serie „Sherlock“. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ Spätestens als er auf dem Sofa im Buckingham Palace sitzt, bekleidet mit nichts als einem Bettlaken, spürt Sherlock Holmes, dass dieser Fall etwas größer ist als die bisherigen. Sein zwielichtiger Bruder Mycroft, der Geheimdienstler, serviert den Tee und wispert etwas von Verstrickungen in höchsten Kreisen. Und der Zuschauer hat wieder dieses Kitzeln, das eine der besten Fernsehserien aller Zeiten auslöst: „Sherlock“ ist zurück.

Die drei neuen Folgen der BBC-Serie bleiben um nichts hinter dem zurück, was die ersten Fälle versprachen. Die Produzenten und Drehbuchautoren Steven Moffat und Mark Gattis haben die klassischen Detektivgeschichten von Arthur Conan Doyle ins 21. Jahrhundert fortgeschrieben, ohne ihren Geist zu verraten. Die Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch (Holmes) und Martin Freeman (Dr. Watson) haben durch sie in Hollywood Karriere gemacht: Cumberbatch spielt den Schurken im nächsten Star-Trek-Film, Freeman den „Hobbit“ in einer Tolkien-Verfilmung. Aber ihr Spiel in „Sherlock“ bleibt ein Haupt-Vergnügen. Man muss das ja mit Leben füllen: Cumberbatch gibt den Soziopathen, der auf gewöhnliche Menschen verständnislos herabblickt, dem Etikette und Rücksicht fremd sind und der seinen Partner schon mal mit dem Laptop an einen weniger interessanten Tatort schickt, damit der per Webcam für ihn die Fakten einsammelt. Oder der einem Klienten ans Herz legt, sich eine Zigarette anzustecken, damit er selbst ganz nah herantreten und möglichst viel inhalieren kann, weil er gerade am Entzug leidet. Freeman darf viel mehr sein als der spießige Adlatus. Sein Watson ist mit geerdetem Witz und Einfühlungsvermögen eine Hilfe für den Ermittler.

Das ist so frisch erzählt. Allein wie uns die Regie die Welt mit Holmes‘ Augen zeigt, als eine Art Computerprogramm, bei dem man die Zeit beschleunigen oder einfrieren kann wie bei einem Video, bei dem an kleinen Details Erläuterungen auftauchen. Oder auch nicht, wie bei der rätselhaften Domina und Erpresserin Irene Adler (Lara Pulver) in der ersten Episode, „Ein Skandal in Belgravia“. Die tritt in ihrer besten Verkleidung vor das Duo. Nackt. Und Holmes sieht nur Fragezeichen. Irene Adler hat eine junge Frau bei Spielen fotografiert, über die man besser nicht öffentlich spricht. Sherlock soll diese Aufnahmen besorgen, die auch das Interesse einiger hartgesottener CIA-Agenten geweckt haben. Offensichtlich geht es um weit mehr als nur den guten Ruf der Royals. Irgendwie führen Spuren in den internationalen Terrorismus. Und Holmes scheint kein Mittel gegen die Reize und Listen der attraktiven Miss Adler zu finden.

Schon die ersten Minuten dieser Folge packen, die an den Schluss der ersten Staffel anknüpfen, an eine tödliche Pattsituation zwischen Holmes und seinem genialen Gegenspieler Moriarty (Andrew Scott), zwischen einer Sprengladung und Scharfschützen. Wie sich dieser Moment löst, zum Disco-Hit „Stayin‘ Alive“ der Bee Gees, das ist britischer Humor vom Feinsten.

Immer wieder spielt die Serie auf die literarische Vorlage an. Watson berichtet von den Fällen in einem vielgelesenen Internet-Blog, selbst der berühmte Deerstalker-Hut des klassischen Holmes kommt zu einem fein ironisierten Einsatz.

Mit Moriarty ist Holmes noch nicht fertig. In Folge drei, „Der Reichenbachfall“, treffen sie wieder aufeinander. Bei Doyle stirbt Holmes, indem er die Reichenbachfälle hinabstürzt. Der Fernseh-Sherlock fährt nicht in die Schweiz, aber er wird stürzen. Der Zuschauer muss nicht bangen: Die dritte Staffel ist bereits angekündigt.

Die ARD startet die neue Staffel „Sherlock“ mit „Ein Skandal in Belgravia“, Donnerstag, 20.15 Uhr.

Die zwei weiteren Folgen werden an Pfingsten ausgetrahlt: „Die Hunde von Baskerville“, die um ein Genlabor heulen, 27.5., 21.45 Uhr;

„Der Reichenbachfall“, der Showdown mit Moriarty, 28.5., 21.45 Uhr.

Quelle: wa.de

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