"Schönste Zimmer-frei-Sendung"

Christine Westermann schwärmt von Jörg Hartmann

Christine Westermann

KÖLN/MENDEN - Am 17. November 2013 war der umstrittene Dortmunder "Tatort"-Kommissar Jörg Hartmann Gast der kultigen WDR-Fernsehsendung "Zimmer frei". Für Gastgeberin Christine Westermann war es "die schönste Sendung, die wir in diesem Jahr gemacht haben", wie sie im Interview gesteht.

Von Susanne Fischer-Bolz

Jörg Hartmann

"Es war ein Vergnügen, mit ihm Sendung zu machen. Er ist sehr sympathisch und ein großartiger Schauspieler", sagt Christine Westermann über Jörg Hartmann. Der umstrittene Tatort-Kommissar war bei "Zimmer frei" zu Gast - die Sendung lief am 17. November 2013 (klicken Sie hier für den Link zum Stream auf der WDR-Seite!). "Es war die schönste Sendung, die wir in diesem Jahr gemacht haben", sagt Christine Westermann im Interview. Die Journalistin, die ihr Herz auf der Zunge trägt, kommt am 10. Dezember zum Autorenherbst nach Menden und stellt dort auch ihr neues Buch "Da geht noch was. Mit 65 in die Kurve" vor.

Frau Westermann, Sie kommen zur Abschlussveranstaltung des Autorenherbstes am 10. Dezember nach Menden. Auf was dürfen sich die Besucher denn freuen?

Christine Westermann: Auf 100 Prozent Christine Westermann (lacht). Ich glaube, dass viele, die zu diesem Abschluss kommen, das regelmäßig machen und mich schon kennen. Ich freue mich auf Menden, weil der Andreas Wallentin der Buchhändler meines Vertrauens ist, mit dem ich seit einigen Jahren eng zusammenarbeite. Ich finde, dass er eine tolle Arbeit macht. Das soll kein "Honig-ums-Maul-Schmieren" sein -- es ist wirklich ein Mann, der die Bücher im Herzen hat.

Ist er es, der Ihnen Bücher empfiehlt, die Sie dann vorstellen?

Westermann: Ja klar. Es ist nicht so, dass alle Bücher, die ich empfehle, von Andreas kommen, aber wir machen die Literatursendung auf WDR 5 zusammen und da telefoniert man natürlich in den Wochen vorher. Da sagt er dann: "Lies mal das", oder: "Das könnte dir gefallen." Umgekehrt geht das auch.

Ich kenne Ihre Buchtipps von WDR 2 und habe mich oft gefragt, wie Sie die Auswahl treffen?

Westermann: Hier kommen immense Mengen an (lacht) -- in normalen Monaten bestimmt 40. Und dann muss man einfach aussortieren. Ich habe mich gestern Abend mit fünf Büchern hier hingesetzt. Ich lese meist 20 Seiten "rein" und wenn es mir nicht gefällt, lege ich es auch wieder weg. Gestern habe ich fünf Bücher angelesen und vier wieder weggelegt. Das war ein schlechter Tag (lacht). Aber das gehört dazu und ich empfinde es auch als eine Verantwortung. Wenn die Leute sagen: "Was die Westermann empfiehlt, das gefällt mir", dann kann ich nicht sagen: "Das Buch ist nur okay, aber ich kann es empfehlen." Nein, es müssen 100 Prozent sein.

Ich glaube, es würde mich mächtig unter Druck setzen, wenn ich 40 Bücher da liegen hätte und sollte alle an- und weiterlesen...

Westermann: Natürlich ist das ein Druck. Aber ich lese nicht alle 40 Bücher. Man kann schon davon ausgehen, dass man beim achten Buch fündig wird (lacht). Manche Bücher stelle ich mir auch ganz nach vorn, weil es ein Autor ist, den ich mag.

In ihrem neuen Buch "Da geht noch was" schreiben Sie humorvoll, aber auch melancholisch über das Alter. Am 2. Dezember werden Sie 65. Hat das Buch Ihnen selbst geholfen, sich jetzt auf den Tag zu freuen, oder gibt es nichts zum Feiern?

Westermann: Doch, ich freue mich sehr. Aber das hat nichts mit dem Buch zu tun (lacht). Ich mache immer vorher so ein Riesentheater um runde Geburtstage. 65 ist schon ein Einschnitt. Man merkt das äußerlich. Der Körper altert. Aber auf meinen Geburtstag freue ich mich immer. Das hat was mit der Kindheit zu tun. Am Geburtstag war man zu Hause immer die Prinzessin. Und das habe ich zeitlebens beibehalten. In den vielen Monaten vor meinem Geburtstag hat mich die Frage umgetrieben: Wo will ich mit meinem Leben noch hin und wo will das Leben hin mit mir? Aber jetzt steht die Freude im Vordergrund. Dabei werde ich gar nicht hier sein. An meinem Geburtstag sitze ich in der Jury des Deutsche Reporterpreises in Berlin. Am Abend davor werde ich mit Freunden reinfeiern. Das wird schön.

Sie gehören zu den Frauen, die andere bewundern. Sie sind attraktiv und erfolgreich - niemand würde für möglich halten, dass Sie sich die Dellen an den Beinen anschauen. Geben Sie da nicht sehr viel von sich preis?

Westermann: Also, ich guck' mir die nicht ständig an (lacht). Aber wenn ich vorm Spiegel rumwackle, dann sehe ich die Dellen schon. Und ja, ich gebe bestimmt viel preis. Aber ich bin so ein Mensch, der sein Herz auf der Zunge trägt. Wenn ich was bin in meinem Leben, dann bin ich wahrhaftig und glaubwürdig. Ich habe das Buch nicht mit der Absicht geschrieben, zu zeigen, wie furchtbar es ist, alt zu werden. Es war eher ein Prozess. Ich habe zu einem Zeitpunkt angefangen, an dem es mir nicht gut ging. Dieses Gefühl der Endlichkeit war da. Und so ist das Buch am Anfang auch sehr viel melancholischer und trister und schwerer. Dann aber habe ich wirklich eine wunderbare sanfte Kurve genommen - durch den Besuch im spirituellen Zentrum und -- und das ist viel entscheidender - weil ich den Achtsamkeitslehrer getroffen habe, bei dem ich jetzt ein Dreijahresseminar machen werde -- einfach, um zu begreifen, dass es um das Hier und Jetzt geht. Jetzt sitze ich hier und spreche mit Ihnen und denke nicht daran, wie anstrengend der Tag noch werden kann. Jetzt gilt es, ein schönes Gespräch zu machen, und das zählt. Und das begreife ich langsam, dass ich im Augenblick bleibe. Ich habe neulich ein wunderbares Zitat von Kurt Tucholsky gelesen: "Erwarte nichts. Das Leben ist heute." Und genau das ist es.

Mit 65 sind viele einfach nur begeistert von der Idee, bald in den Ruhestand zu gehen, wollen mit dem Wohnmobil reisen oder sich ein Haus auf Mallorca kaufen. Fühlt sich diese Lebensplanung für Sie furchtbar an?

Westermann: Furchtbar? Weiß ich nicht. Das muss jeder für sich entscheiden. Aber ich habe einen Beruf, den ich liebe. Und es gibt überhaupt keinen Grund, aufzuhören. Ich bin nicht fest angestellt. Ich arbeite seit 44 Jahren frei. Und über den Ruhestand denke ich nicht nach. Eher im Gegenteil. Ich bin auf der Höhe meines Schaffens, Es ist mir selten so leicht gefallen. Die Arbeit hat mir selten so viel Spaß gemacht wie in den letzten Monaten. Warum sollte ich aufhören?

Ich hörte, dass man Sie beim WDR gefragt hat, wie lange Sie denn "Zimmer frei" noch machen wollen. Gehört das zu den Momenten, in denen man in Schutt und Asche fallen möchte?

Westermann: Ja. Klar. Das war nicht leicht. Bis das geklärt war, waren es drei oder vier unangenehme Monate. Ich habe natürlich darüber nachgedacht: Sehen die Menschen vielleicht was anderes, als ich es sehe oder als ich es sehen will? Kommt da im Fernsehen eine müde, alte, vielleicht zu viel wiegende Frau rüber? Es gab schon Momente des Zweifelns und der Unruhe. Das hat sich ja jetzt zum Glück geklärt.

Quelle: wa.de

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