Warhol-Verkauf: Landtags-Opposition spricht von Tabubruch

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Umstrittenes Objekt der Begierde: Andy Warhols Bild „Four Marlons“ (1966).

Von Robert Vornholt DÜSSELDORF - Der Verkauf der Warhol-Bilder „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ ist nicht mehr zu stoppen. Für über 120 Millionen Euro will der Eigentümer, der Casino-Betreiber Westspiel, die Werke des weltbekannten Künstlers am 12. November vom Auktionshaus Christie’s in New York versteigern lassen, um mit dem Erlös die Renovierung des Casinos in Aachen und den Neubau einer Spielstätte in Köln zu bezahlen.

„Eine Verkaufsgarantie liegt vor“, berichtete Michael Stölting, der als Vorstandsmitglied der landeseigenen NRW-Bank für das Casino-Tochterunternehmen zuständig ist, vor dem Landtags-Kulturausschuss. Die beabsichtigte Veräußerung der Bilder hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil befürchtet wird, dass Kulturgut für die Finanzierung der leeren öffentlichen Kassen verwendet werden könnte.

CDU-Kulturexperte Thomas Sternberg sprach von einem „Tabubruch“, wenn Tafelsilber verkauft werde und machte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) persönlich „für die Sache verantwortlich“, weil sie sich mit dem Verweis auf den Privatbesitz der Warhol-Bilder „aus der Verantwortung gestohlen“ habe. Das Beispiel müsse Anstoß für eine Debatte über Kunst im öffentlichen Raum sein, forderte der CDU-Landtagsabgeordnete – und erntete Zuspruch aus allen politischen Lagern.

„Wir müssen eine Zukunftsperspektive für die Kunst in NRW entwickeln“, meinte Kulturministerin Ute Schäfer (SPD). Sie widersprach der Auffassung der FDP-Parlamentarierin Ingola Stefanie Schmitz, die den Verkauf als ein „fatales Signal“ an die Kommunen wertete, weil damit Gelder für Haushaltssanierungen eingenommen werden könnten.

„Kunst wird als Finanzspritze missbraucht“, meinte Piraten-MdL Lukas Lamla, der die Aktuelle Viertelstunde beantragt hatte. Die Kulturpolitiker wurden nicht einbezogen. Aber die NRW-Bank-Verwaltungsratsmitglieder Johannes Remmel (Umweltminister der Grünen) und Lutz Lienenkämper (Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion) hätten den Versteigerungsplänen zugestimmt.

Unterdessen fordert der Deutsche Museumsbund, die Sammlungen von Museen besser vor Verkäufen zu schützen. Die Pläne seien eine Gefahr für die Ausstellungshäuser, sagte der Präsident des Museumsbundes, Eckart Köhne, im Deutschlandradio Kultur. Die Sammlungen müssten unter Kulturgutschutz gestellt werden. Bisher dürften nur Werke, die in den Listen des nationalen Kulturguts erfasst sind, nicht verkauft werden.

Köhne kritisierte, dass die Politik seit einigen Jahren auch die Sammlungen der Museen systematisch in den Landeshaushalt einstelle. Wenn dann zwei Gemälde aus der Bilanz herausgenommen würden, um an anderer Stelle Löcher zu stopfen, bringe das die Museumssammlungen in Gefahr, warnte er.

„Es ist eine große Enttäuschung, dass solche Werke aus Bürgerbesitz veräußert werden und das Land verlassen“, sagte Köhne. Museen könnten auf dem Kunstmarkt schon seit langem nicht mehr mitbieten. „Objekte dieser Qualität, um die es jetzt geht, kann man mit öffentlichen Mitteln gar nicht mehr erwerben“, sagte der Museumsbund-Präsident. Nach seiner Ansicht könnte der Verkauf aber noch gestoppt werden. „Eh nicht der Hammer fällt, kann man alles rückgängig machen“, sagte Köhne. - mit epd

Quelle: wa.de

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