Wallraf-Richartz-Museum zeigt Alexandre Cabanel

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Sein größter Erfolg: Alexandre Cabanels „Geburt der Venus“ (1863) ist in Köln zu sehen. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ KÖLN–Hingebreitet liegt die Nackte vor dem Betrachter auf den Meereswellen wie auf einem Diwan. Sinnlich hebt sie die Arme und präsentiert ihren Busen. Alexandre Cabanel (1823–1889) malt die „Geburt der Venus“ als Männertraum, und auf die flatternden Putti, von denen zwei auf Muscheln blasen, beachtet man doch kaum. Das 1863 entstandene Werk war im Pariser Salon ein Erfolg und blieb bis heute das berühmteste Gemälde des Künstlers. Zur Zeit hängt es im Kölner Wallraf-Richartz- Museum.

Normalerweise widmet sich das Haus Impressionisten wie Monet und Renoir oder auch dem Revolutionär van Gogh. Nun aber präsentiert es in Zusammenarbeit mit dem Musée Fabre in Cabanels Geburtsstadt Montpellier die erste Werkschau. Er war der Gegenpol zu den Revolutionären, vertrat die offizielle Akademiemalerei. Und wenn ihn auch heute kaum einer außer einigen Kunsthistorikern kennt, so war er doch einst viel berühmter. Er porträtierte den französischen Kaiser Napoleon III. – und im Anschluss viele reiche Amerikanerinnen, die eigens für das Bild über den Atlantik anreisten. Der bayerische König Maximilian II. gab ihm einen Prestigeauftrag: Cabanel schuf von 1862 bis 1867 für das Maximilianeum eine „Vertreibung aus dem Paradies“, das allerdings im Weltkrieg zerstört wurde. In Köln sind Skizzen und Entwürfe zu sehen. Der Sohn eines einfachen Tischlers gewann früh Preise und Stipendien und machte eine Karriere, die sich im späten Selbstporträt von 1885 niederschlug. Da posiert er als Bürger im schwarzen Anzug, gepflegt und lässig mit der Zigarette in der Hand. Einer, der angekommen ist.

Cabanel sei von den Avantgarden überholt worden, räumt Museumsdirektor Andreas Blühm ein. Aber im Gegensatz zu Renoir, Monet und van Gogh kenne man ihn eben nicht. Schon das sei ein Grund, den schon zu Lebzeiten nicht unumstrittenen Maler auszustellen. Und sei es als Gegenposition, um zu verdeutlichen, wogegen sich die Revolution der Impressionisten richtete.

Allerdings ist das Vertrauen des Hauses in Cabanel nicht unbegrenzt. Etwas zusätzlicher Prominentenglanz soll die Schau aufwerten. Da fügt es sich, dass Christian Lacroix, einst gefeierter Modezar und studierter Kunsthistoriker, großer Cabanel-Fan ist. Er übernahm die Gestaltung der Kölner Schau und verwandelte den Wechselausstellungsbereich mit Teppichboden und Fototapeten in eine Art Salon. Einige Skizzen sind ebenfalls ausgestellt. Sonst aber fällt Lacroix‘ Mitwirkung nicht allzusehr auf. Und das plüschige Ambiente passt durchaus zum Maler.

Angenehm ist ja, dass in Köln keine Neubewertung Cabanels angestrebt ist. Die Saaltexte lassen kritische Anmerkungen von Zeitgenossen nicht aus, und mehrfach wird der Besucher aufgefordert, sich sein eigenes Bild zu machen. Dass Cabanel sein Handwerk perfekt beherrschte, steht außer Zweifel. Besonders seine angenehm zurückhaltenden Porträts zeugen von genauer Beobachtung und Einfühlungsvermögen. Die Frauen blicken den Betrachter stets direkt an. Cabanel verwandte besondere Sorgfalt auf eine natürliche Schilderung der Hände.

An der Akademie aber galt als höchste Disziplin die Historienmalerei. Hier lief der Meister zu besonderer Form auf. Da gibt es Rührstücke wie „Die Witwe des Chordirigenten“ (1859), die bleich im Stuhl hängt, sich die Hände halten lässt und als Erinnerung an den Verblichenen an der Hausorgel vorgespielt bekommt. Hier trägt der Maler Pathos und Gefühligkeit so dick auf, dass heutige Betrachter entweder peinlich berührt sind oder über die unfreiwillige Komik lachen.

Das gilt noch mehr für die großformatigen Historienszenen, die beherrscht sind von schwülstigem Dekor und monumentaler Inszenierung. Man sehe nur, mit welcher Lust er „Kleopatras Experimente mit Gift an zum Tode Verurteilten“ (1887) ausarbeitet. Die kapriziöse Pose der barbusigen, gleichwohl üppig gekleideten Königin mit dem markanten Profil. Das Löwenfell, auf dem sie ruht, davor der zahme Gepard. Die lasziv zugeneigte Dienerin. Dieses gemalte Breitwandkino diente später dem wirklichen Kintopp als Vorbild. Und mag mit seinen grellen Farben und aufgesetzten Gefühlen sein Publikum finden.

Bis 15.5., di – so 10 – 18, do bis 21 Uhr, Tel. 0221/ 221 211 19, www. wallraf.museum; Katalog, Hirmer Verlag, München, 25 Euro

Quelle: wa.de

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