Wagner-Stück „Meine liebe Cosima“ in Münster

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Fatale Dreiecksbeziehung: Szene aus „Meine liebe Cosima“ in Münster mit Carola von Seckendorff, Ulrich Lenk und Johannes-Paul Kindler ▪

Von Ralf Stiftel ▪ MÜNSTER–Der Stoff gibt allemal ein saftiges Drama ab: Wie Richard Wagner seinem jungen, ergebenen Freund Hans von Bülow die Frau ausspannt, Cosima, Tochter von Franz Liszt. Wie sie sich mehrere Jahre lang arrangieren, weil der berühmte Komponist die Hilfe des Dirigenten braucht. Eberhard Streul hat aus dem Stoff ein Schauspiel mit Musik gemacht: „Schicksalsakkord oder Meine liebe Cosima“. Leider blieb die Uraufführung an den Städtischen Bühnen Münster, eine Kooperation mit der von Streul geleiteten Musikbühne Mannheim, dem Stoff einiges schuldig.

Schon der Anfang signalisiert historische Distanz: Cosima betritt im weiten Biedermeierkleid die Bühne und zieht Tücher vom Mobiliar. Als erstes legt sie die bekannte Büste des alten Wagner frei, dann Sofa und Stuhl, auf denen Mitspieler sitzen. Willkommen im Museum! Dann gibt ein ziemlich eitler Wagner mit dem Haus an, das König Ludwig ihm spendierte.

Doch die Ironie hält nicht lange vor. Die Inszenierung von Jens Ponath und Wolfgang Quetes irrlichtert zwischen Ton- und Gefühlslagen. Wenn Wagner und Cosima sich in die Arme stürzen, am Boden wälzen, „endlich, endlich!“ rufend, fühlt man sich wie im Schnulzenkino der 1950er Jahre. In den Szenen mit Hans von Bülow klingt die Verletztheit des betrogenen Ehemanns an, Ulrich Lenk spielt das überzeugend. Wenn Cosima hingegen mit ihrem Vater spricht, steht das Zerrbild eines berühmten Virtuosen vor uns: Michael Schneider als Liszt, mit grauer Langhaarperücke, fingert herum, als spiele er Luftpiano. Und Regine Andratschke liegt als Ludwig II. auf dem Sofa, die Hand in der Hose und laut „Richard“ stöhnend.

Da verläppert der Abend sein Thema endgültig als Klassik-Comedy. Zwar sieht Streuls Text die erotische Aufladung in der König-Komponist-Beziehung nicht vor. Aber auch er weiß nicht recht, wohin mit Wagner und Cosima. Mal werden Arroganz und Sendungsbewusstsein des Paars nachgezeichnet, das Freunde nach Nützlichkeit einsetzte. Dann wieder gibt es Ansätze zu ernsthaften Charakterstudien. Dann wieder kippt das Stück ins Künstlerdrama, wo der vom Neid ergriffene Liszt auftritt. Im stetigen Wechsel wird kein Motiv auserzählt. Was diese Cosima nun für das Genie Wagner entflammt, was sie überhaupt antreibt, sagt uns der Text nicht und die Inszenierung noch weniger. Was für ein verpasstes Thema, denkt man nur an die unheilvolle Rolle, die die Witwe Jahrzehnte lang in der Entstehung des Wagnerkults spielte, bis hin zur Verstrickung Bayreuths mit den NS-Machthabern.

Steif kommt das zentrale Paar daher: Carola von Seckendorff zeigt immerhin die berechnende Intrigantin in der Szene mit Cosimas Freundin Malvina. Johannes-Paul Kindler aber bleibt als Wagner viel zu harmlos-jovial, spielt mit großen Gesten und kleiner Glaubwürdigkeit. Dass die Sopranistin Daniela Grundmann als Malvina einige Lieder singt, begleitet von Peter Meiser, gehört zu den Lichtblicken. Da ist immerhin Wagners Musik präsent.

30.6., 4.7.,

Tel. 0251/ 5909 100,

http://www.stadttheater.muenster.de

Quelle: wa.de

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