„Von Warhol bis Richter“: Grafik nach Fotografien im Museum Folkwang

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Erst Playmate, dann Gemälde, jetzt Grafikblatt: „Tobacco Red“ von Mel Ramos, zu sehen im Essener Folkwang. Museum

Von Ralf Stiftel ESSEN - Vielschichtig arbeitet das Museum Folkwang zur Zeit in der großen Ausstellung „(Mis)Understanding Photography“ die Geschichte der Fotografie auf. Nun stellt sie der Schau zwei Präsentationen aus eigenen Beständen an die Seite.

In der Ausstellung „Von Warhol bis Richter“ vermitteln rund 120 Beispiele, wie die Fotografie die Druckgrafik veränderte. Besonders in der Pop-Art entdeckten Künstler das Medium neu. Andy Warhols berühmte Serie von Marilyn Monroe entstand 1967, also fünf Jahre nach dem Tod der Schauspielerin. Warhol griff auf ein Schwarz-Weiß-Pressefoto von Gene Kornman von 1952 zurück, das er mit grellen Farben überarbeitete. Die Monroe war damals schon eine visuelle Ikone, Warhol machte diesen Umstand nun zum Thema seiner Serie. In einer weiteren Serie wendet der Künstler das Verfahren auf den elektrischen Stuhl der Haftanstalt Sing Sing an, der „Electric Chair“ wird zum Todessymbol in einer zehnteiligen Serie, das auf manchen Blättern zu einem geisterhaften Schemen verblasst.

Manchmal ist die fotografische Vorlage nur noch indirekt zu erschließen. Mel Ramos hat für „Tobacco Red“ (1972) ein eigenes Gemälde verarbeitet. Die nackte Schönheit, die auf einer Zigarettenschachtel hockt, entstand allerdings nach einem Playmate des Playboy. Gerhard Richter wiederum hat für die Serie „Schweizer Alpen“ (1969) eigene Fotos verwendet, die er aus dem Flugzeug aufgenommen hatte. Eduardo Paolozzi hat in seiner Serie „Moonstrips Empire News“ (1967) Motive der Unterhaltungs- und der Hochkultur provokativ vermengt: So steht auf einem Blatt eine stilisierte Micky Maus neben Michelangelos David. Eindringlich hat Anfang der 1970er Jahre Gerd Winner seine Fotos aus den Docklands in London verarbeitet. Er fand die stillgelegten Lagerhäuser an der Themse spannender als andere Sehenswürdigkeiten der britischen Metropole. Seine Siebdrucke verleugnen die Fotografie als Ausgangspunkt nicht, aber besonders die intensive Nachkolorierung unterstreicht die grafische Wirkung der Blätter.

In der Ausstellung „Ende eines Zeitalters“ wird mit knapp 70 Bildern gezeigt, welche Möglichkeiten die analoge Fotografie dem Künstler bietet. Hier sind eine Reihe von Klassikern vertreten wie Laszlo Moholy-Nagy und Man Ray mit ihren Fotogrammen, bei denen die abgebildeten Objekte oder Formen direkt aufs Fotopapier gelegt wurden. Ausschnitte, Nachbelichtung, Solarisation – eine Fülle an Verfahren wird hier vorgeführt. Jeanne Mandello lässt auf einer Aufnahme aus den 1930er Jahren Kugeln schweben und verleiht ihnen durch ins Weiß gewendete Schatten eine ungewöhnliche Dynamik. Und Fotografen wie Otto Steinert und Peter Keetmann zeichnen mit Labortricks abstrakte Figurationen auf das Fotopapier.

Selbst Fehler wie Überbelichtungen können für Künstler zu bildgebenden Verfahren werden. Volker Heinzes rotstichige Porträts beziehen sich auf William Eggleston, den US-Pionier der Farbfotografie. Und von Axel Grünewald ist ein fast schwarzes Blatt aus der Serie „Ojana lok“ zu sehen. Erst nach langem Betrachten erkennt man die schwachen Züge eines Gesichts im Dunkel. Der Künstler fordert den Betrachter heraus.

Bis 28.9., di – so 10 – 18, fr bis 22 Uhr, Tel. 0201/ 88 45 444, www.museum-folkwang.de, Katalog „Von Warhol bis Richter“, Steidl Verlag, Göttingen, 18 Euro

Quelle: wa.de

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