„Von der Mumienmaske zur Moderne“ in Hamm

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Hohe Gestaltungskunst: Louis Majorelle entwarf um 1900 das Speisezimmer, das der Museumsverein 1986 dem Hammer Gustav-Lübcke-Museum schenkte. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ HAMM–Modern ist die Aluminium-Skulptur „Kontur“ von Ulrich Möckel. Die erblickt der Besucher draußen, noch ehe er das Gustav-Lübcke-Museum in Hamm betreten hat. Ein unregelmäßiger Ring, der an einer Säule lehnt und den Umriss eines Baumstamms nachzeichnet. Die Mumienmaske aus der frühen Ptolemäerzeit (um 300 v. Chr.) dagegen steht in einer Vitrine im Lichtsaal. Sie gehört zu einer einzigartigen Ausstellung: „Von der Mumienmaske zur Moderne“.

Das Besondere der Schau ist nicht so sehr, dass sie mit rund 150 Stücken den Rang der Sammlung belegt. Erstmals überhaupt wird hier Bilanz eines herausragenden bürgerlichen Engagements gezogen. Alle Stücke wurden vom Museumsverein oder doch mit seiner wesentlichen Unterstützung erworben. Eine derartige Schau gab es noch nicht, sagt Ulrich Schäfer, Vorsitzender des Museumsvereins. Was also passte besser, um den 125. Geburtstag des Vereins zu feiern?

Die von Diana Lenz-Weber kuratierte Schau prunkt mit Glanzstücken des Hauses wie dem Triptychon „Sebastianslegende“ von Gerhard Hoehme, einem Hauptwerk des Informel. Sie holt manches aus dem Schatten der Dauerpräsentation wie zwei erlesene Speisezimmer, eins von 1870 im Stil der Neorenaissance, eins von Louis Majorelle um 1900 entworfen, pure Art Nouveau. Und es gibt richtige Ausgrabungen, Funde im Depot vor allem im Bereich der empfindlichen Grafik wie ein Porträt von Emil Orlik, ein Grafikblatt von Max Slevogt und zwei Zeichnungen von Albert Lang.

Museumsverein und Museum waren bis 1917 praktisch eine Institution. Der Verein war vom Schulrektor Wilhelm Bartholomäus angeregt worden. Am 3. März 1886 wurde er gegründet. Ursprünglich sollten „lokale Alterthümer, naturwissenschaftlich werthvolle Objecte, Produkte des Bergbaus und der Industrie (...) und Erzeugnisse der Literatur von geschichtlichem, namentlich lokalgeschichtlichem Werth“ gezeigt werden. Eins der ersten Sammlungsstücke war ein präpariertes Wasserhuhn. Aber schon im Gründungsjahr weitete sich der Blick, als der örtliche Mumienverein im Zuge einer verbreiteten Ägyptenbegeisterung eine Mumie erwarb. 1917 stiftete der Kunsthändler Gustav Lübcke seine Sammlung dem Haus, der Betrieb wurde professionalisiert, die Stadt übernahm Mitverantwortung für das Haus, das zuvor als Bürgerinitiative betrieben worden war.

Im Lauf der Jahre wechselten die Interessen, aber einige Schwerpunkte entstanden, die noch heute das Profil des Hauses prägen. Neben der herausragenden Ägyptensammlung sind das Kunsthandwerk und moderne Kunst. Schon Ende der 1920er Jahre erwarb man Werke der damaligen Avantgarde, zum Beispiel Wilhelm Morgners „Mann auf dem Hügel“ (1911) und Eberhard Viegeners neusachliches „Stillleben mit Kürbissen“ (1929).

Unter der Leitung der heutigen Direktorin Ellen Schwinzer wurde dann Nachkriegskunst gesammelt, Malerei des Informel und neuere Richtungen. Heute gehört das Lübcke-Museum zu den ersten Adressen in NRW für diese Richtungen. Darauf weist eine weitere Schau hin, die Neuerwerbungen von Malerei der 80er und 90er Jahre vorstellt.

Von der Mumienmaske zur Moderne im Gustav-Lübcke-Museum Hamm.

Eröffnung Samstag, 11 Uhr. Bis 15.4.2012;

di – sa 10 – 17, so bis 18 Uhr, Tel. 0 23 81 / 175 714,

http://www.hamm.de/gustav-luebcke-museum

Begleitbuch 16 Euro

Quelle: wa.de

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